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Ein guter Tropfen und ein Toter

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Diesmal lässt Lisa Graf-Riemann in Südfrankreich morden. (Foto: Merker)

Marktschellenberg – Die in Marktschellenberg lebende Autorin Lisa Graf-Riemann siedelt ihren neuen Krimi in Südfrankreich an. »Madame Merckx trinkt keinen Wein« spielt unter der sengenden Sonne des Languedoc in einem typisch südfranzösischem Dorf. Graf-Riemann beschreibt die Landschaft und die dort lebenden Menschen atmosphärisch dicht und lässt den Leser ins Dorfleben eintauchen. Ein charmanter Krimi, den man mit einem Glas Wein wunderbar genießen kann.


Die Frauen des Dorfes Colombiers in der südfranzösischen Haute-Languedoc sind entsetzt. Ihrer Freundin Mado wird vom Commissaire aus der Stadt der Mord an ihrem Ehemann Jean vorgeworfen. Die Damen fangen an, selber zu recherchieren. Allen voran die Belgierin Madame Merckx, die das verschlafene Dorf als ihren Altersruhesitz ausgewählt hat, ist von der Unschuld ihrer Freundin überzeugt. Sicher, die Witwe hatte allen Grund, auf ihren eigenwilligen Ehemann sauer zu sein, doch hat sie ihn ermordet, nur weil er sie nicht mit ihren Freundinnen in den Urlaub fahren lassen wollte?

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Commissaire Riquet ist alles andere als erfreut, dass ausgerechnet er im für ihn rückständigem Hinterland ermitteln muss. Außerdem ist für ihn der Fall von Anfang an klar. Die Witwe war's. Der arme Dorfpolizist Marcel steht dabei zwischen den Stühlen, außerdem bringt der Tote seinen Trainingsplan für den New-York-Marathon durcheinander.

Für Mado schaut es nicht gut aus und der Dorfheilige St. Martin des Oeufs, also der heilige Martin von den Eiern, den sie regelmäßig in seiner Kapelle oben auf dem Hügel besucht, ist ihr auch keine große Hilfe. Zwar hält sie regelmäßig Zwiesprache mit ihm, doch einen Mord kann er auch nicht aufklären. Dazu braucht es Madam Merckx, die zwar keinen Wein trinkt, zu einem Hochprozentigem hingegen nicht nein sagt.

Ihr zur Seite steht die Deutsche Isa, die ihr eigenes Haus im Dorf vermietet hat und nun bei der Belgierin wohnt. Allerdings machen die Mieter ihr einige Sorgen. Sie zahlen keine Miete und Isa vermutet eine Marihuana-Plantage auf dem großen Grundstück.

Mit »Madame Merckx trinkt keinen Wein« ist Lisa Graf-Riemann ein wunderbarer Sommerkrimi gelungen. Langsam lässt sie den Leser in das Dorfleben eintauchen, und Seite für Seite wird er selber Teil dieses beschaulichen Dorfes. Man meint, die Hitze zu spüren, den intensiven Duft der Macchia zu riechen und die Schmankerl des Südens zu schmecken. Graf-Riemann gelingt eine dichte Beschreibung der Gegend und ihrer Menschen. Fast scheint es dem Leser so, als wäre er selber dort gewesen. Schon das gelungene Cover bringt die gesamte Stimmung des Buches rüber.

Dass die Landschaftsbeschreibungen so gelungen sind, liegt sicher auch daran, dass Graf-Riemann kein fiktives Dorf beschreibt, sondern Colombiers gibt es wirklich, auch wenn es etwas anders heißt. Dort hat die Autorin seit über 20 Jahren ein Ferienhaus und manches Biografisches findet sich im Roman wieder. »Erst spät ist mir aufgefallen, dass Isa, die Deutsche im Dorf, sehr verdächtig nach Lisa klingt.«

Ganz unbewusst hat sie den Namen gewählt und sich ein wenig selber in das Buch geschrieben. »Auch ich habe das Haus inzwischen fest vermietet und ich hatte ähnliche Probleme wie Isa im Krimi«, erzählt die Autorin. »Selbst für die Belgierin Madame Merckx gibt es ein reales Vorbild, allerdings ist sie in Wirklichkeit Britin.« Denn die Haute-Languedoc ist gerade bei Briten beliebt. Auch das im Buch erwähnte deutsche Orchester gibt es dort und ebenso die Aussteiger, die alte Farmhäuser herrichten. Man spürt, dass hier ein authentisches Dorfleben beschrieben wird. Und das macht den Roman so überzeugend.

Im Gegensatz zu Madame Merckx sollte man unbedingt ein Glas Wein beim Lesen trinken. Wer noch tiefer in die französische Lebensart eintauchen will, für den hat Lisa Graf-Riemann einige der im Roman erwähnten Köstlichkeiten als Rezepte am Ende des Buches angefügt. Das macht den Krimi zur idealen Sommerlektüre, die Lust auf das Hinterland der Languedoc macht. Christoph Merker

»Madame Merckx trinkt keinen Wein« von Lisa Graf-Riemann ist im Emons-Verlag erschienen, hat 265 Seiten und kostet 10,90 Euro.