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Euregio-Präsident Norbert Meindl (3.v.r.) und Vizepräsident Bernhard Kern (l.) mit den Rednern zum Thema Mobilität (v.l.): Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee, Günther Penetzdorfer (Koppl), Bürgermeisterin Elisabeth Höllwarth-Kaiser (Oberhofen) und Hubert Vachenauer (Handwerkskammer München/Oberbayern) sowie Landtagsabgeordneter Josef Schöchl (Salzburg) und Regierungspräsident Konrad Schober (Oberbayern) beim Euregio-Rat am Salzburgring. (Foto: privat)

Euregio-Rat tagt zu innovativen Mobilitätskonzepten

Berchtesgadener Land – Im Rahmen der Fachmesse »Innovative Mobility For Future« (IMFS) fand am Salzburgring die 51. Sitzung des Euregio-Rates statt. Der Salzburgring liegt auf dem Gebiet der beiden Gemeinden Plainfeld und Koppl. So begrüßte Euregio-Präsident Norbert Meindl dann auch gemeinsam mit den dortigen Bürgermeistern Wolfgang Ganzenhuber und Rupert Reischl die gut 60 Gäste. Oberbayerns Regierungspräsident Konrad Schober und der Vorsitzende des Europaauschusses im Salzburger Landtag, Josef Schöchl, leiteten als Ehrengäste mit ihren Grußworten zu den Themen Vernetzung und Verbundenheit die grenzüberschreitende Ratssitzung ein. 


Dass die dem Thema Mobilität gewidmete Sitzung des Euregio-Rates bei der IMFS stattfand, hatte nicht nur einen inhaltlichen Nutzen, sondern eröffnete den Bürgermeistern auch die Möglichkeit, Ideen für innovative Mobilität präsentiert zu bekommen, Praxisbeispiele kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen. Grundlagen dafür schuf auch eine Kooperationsvereinbarung zwischen den »Salzburger Nachrichten« als Messeorganisator, dem Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice (BGLW), der Chiemgau GmbH Wirtschaft und der Euregio.

Als wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Grenzraumstrategie im Bereich Mobilität/Klimaneutralität beschloss der Rat einstimmig den Beitritt der Euregio zu dem in Gründung befindlichen Verein »Main Line for Europe«. Diese bisher nur als loser Zusammenschluss von Städten und Regionen bestehende Initiative betreibt die Interessensvertretung für den Ausbau der Hochleistungsstrecke »Magistrale für Europa« (ABS 38). Besonders wichtig war es den Euregio-Mitgliedern daher auch, mit dem Beitritt eine noch stärkere Interessenswahrnehmung der Initiative gerade im Sinne der betroffenen Kommunen für den weiteren und vor allem zügigen Ausbau dieser Strecke einzufordern, die schon seit Jahrzehnten die Politik beschäftigt.

Im Mittelpunkt der Ratssitzung stand eine Podiumsdiskussion über innovative Mobilitätskonzepte im Personen-Nahverkehr. Dabei ging es nicht nur um Bus und Bahn, sondern auch um E-Mobilität und Sharing-Konzepte ganz generell. Günther Penetzdorfer aus Koppl, Mobilitätsberater der Region Fuschlsee-Mondsee (FUMO berichtete von den guten Erfahrungen der 17 Gemeinden dieser Region mit Taktverdichtungen bei Buslinien, Rufbussystemen und E-car-sharing.

Elisabeth Höllwarth-Kaiser, Bürgermeisterin von Oberhofen, einer der 17 Gemeinden der Region FUMO, vertiefte das Beispiel des Projektes »Rufbus«, das in ihrer Gemeinde seit August erfolgreich umgesetzt wird. Die Einbindung der Campingplätze brachte einen hohen touristischen Mehrwert, die einfache Buchbarkeit über Smartphone und eine auch relativ kurzfristige Verfügbarkeit sorgten für eine gute Annahme in der Bevölkerung.

Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee stellte das Verkehrskonzept »Aufbruch in die neuen 20er« vor. So soll die Buslinie Salzburg-Berchtesgaden zukünftig bis zum Königssee fahren, um mehr Anfahrten auf den Bus zu verlagern. Zwei Ringbuslinien im Gemeindegebiet mit Anbindung an den Königssee und den Markt Berchtesgaden, die gegenläufig fahren und so einen Viertelstundentakt ermöglichen, sollen Gäste anregen, im Urlaub das Auto stehen zu lassen. Und Einheimische können womöglich auf das zweite Auto verzichten. Ein E-car-sharing sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur wird für alle fünf Gemeinden des Talkessels über die kürzlich ins Leben gerufene Watzmann Natur Energie GmbH organisiert.

Dass in den Gemeinden auch der motorisierte Individualverkehr umweltfreundlich und kostengünstig organisiert werden muss, betonte Hubert Vachenauer, Elektromobilitätsberater der Handwerkskammer München/Oberbayern. Der Einsatz von regional produziertem Strom bietet nach seinen Worten die Chance, eine hohe Kaufkraftsumme vor Ort zu erhalten.

Außerdem beschloss die Ratsversammlung einstimmig den vorgestellten Haushalt der Euregio für 2023, der knapp 440.000 Euro umfasst und über EU-Förderung sowie Mitgliedsbeiträge finanziert wird.

Geschäftsführer Steffen Rubach gab einen Zwischenbericht zum Einstieg in die Umsetzung der Grenzraumstrategie. Mit zwei großen Veranstaltungen, dem Euregio-Rat im Mai sowie einer Auftaktveranstaltung im Juli, wurde eine Priorisierung der vielen Projektideen bei den Themenschwerpunkten Klimaneutralität, Stärkung des grenzüberschreitenden Wirtschaftsstandorts und vernetzter, nachhaltiger Tourismus erarbeitet. In der Folge gingen in der ersten Einreichphase 16 Projektanträge zur Förderung über das EU-Programm Interreg ein mit einem Gesamtvolumen von über 500.000 Euro. Entschieden wird über die Anträge dann Anfang Dezember.

Vizepräsident Bernhard Kern informierte in seinem Schlusswort, dass gemeinsam mit Salzburgers Landeshauptmann Wilfried Haslauer ein nächster Euregio-Gipfel für Dezember in Planung ist. Gerne nahm er auch die Einladung von Bürgermeisterin Stefanie Lang für eine nächste Sitzung in der Gemeinde Taching am See im Landkreis Traunstein an. Lang hatte zuvor schon ihre Idee für ein Kinder- und Jugendprojekt mit den Aspekten Europa, Demokratie und Klimaschutz vorgestellt und weitere Gemeinden zur Teilnahme eingeladen.

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