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Für 32 Millionen Euro bergauf

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Sind bald Geschichte: Die Zweiergondeln sollen beim Neubau der Jennerbahn durch Zehnergondeln ersetzt werden. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) hat in der Bürgerversammlung der Gemeinde Schönau am Königssee am Donnerstagabend erste Details zum geplanten Neubau der Jennerbahn bekannt gegeben. Dies tat er in seiner Funktion als Rathaus-Chef und Vorstandsvorsitzender der Berchtesgadener Bergbahn AG. Demnach soll die inzwischen 62 Jahre alte Seilbahn für etwa 32 Millionen Euro durch eine neue ersetzt werden. Die zahlreich erschienenen Versammlungsteilnehmer zeigten sich begeistert von dem Megaprojekt. Geplanter Baubeginn ist in zwei Jahren.


Groß war die Spannung im voll besetzten Saal des Gasthauses »Unterstein«, als Hannes Rasp den zweiten Tagesordnungspunkt der Bürgerversammlung, das Projekt »Ersatzbau Seilbahn« ankündigte. Der Bürgermeister stellte dann unmissverständlich klar: Der Neubau kommt. Die Zeit drängt. Denn das bayerische Seilbahnförderprogramm läuft Ende Juni 2016 aus.

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Statt der jetzigen Zweiergondeln soll die neue Bahn komfortable Zehn-Personen-Gondeln bekommen. Die bis zu 1 500 Gäste pro Stunde befördern können. Was auch an der verdoppelten Geschwindigkeit von sechs statt drei Meter pro Sekunde liegt. Verringert werden soll stattdessen die Zahl der Stützen von 43 auf 25. »Das bedeutet deutlich weniger Wartungsaufwand«, so Rasp.

Standort der Talstation bleibt

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Talstation nach unten zum Königssee-Parkplatz zu versetzen. Doch entsprechende Gespräche mit den Grundstückseigentümern seien gescheitert. Deshalb bleibt das Gebäude da, wo es ist. Der Standort der Mittelstation hingegen soll nach unten zum Speicherteich 2 oberhalb der Forststraße verlegt werden. Geplant ist zusätzlich eine kleine Gastronomie sowie eine Abenteuerwelt für Kinder.

Das Gebäude der Bergstation soll kernsaniert werden. Und dann genügend Raum für einen modernen Gastronomiebetrieb bieten. Denn laut Rasp ist das Marktrestaurant, das es in der heutigen Form seit Anfang der 90er-Jahre gibt, nicht mehr zeitgemäß. So sei Selbstbedienung nicht mehr gefragt. Außerdem soll das Haus barrierefrei werden. Als problematisch erachtet Hannes Rasp auch die momentane Raumaufteilung der Gaststätte. So bietet das größte Zimmer nur Platz für 70 Gäste. »Das ist für Veranstaltungen nicht rentabel«, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Das neue Restaurant hingegen soll ein »Magnet« werden. Sogar ein Trauungszimmer könne man sich vorstellen.

Die neue Bergstation soll direkt neben die alte gebaut werden. Die Nationalparkverwaltung habe sich dazu bereit erklärt, einen barrierefreien Weg zum Gipfel anzulegen. Der Aussichtspunkt könne so auch im Winter erreichbar sein. Zudem hat man vor, den Wanderweg zum Stahlhaus und zum Schneibsteinhaus auszubauen. Im Winter könne er laut Rasp für Schneeschuhwanderungen genutzt werden. Außerdem soll es bei der Bergstation neben dem Startplatz für Drachenflieger auch einen für Paraglider geben. Wenig ändern wird sich wohl bei den Pisten. Abgesehen von ein paar kleinen Korrekturen, zum Beispiel der Entschärfung des Hohlwegs.

Wohlwollen von allen Seiten

Wie Hannes Rasp mitteilte, stehen die Zeichen für die Umsetzung des Vorhabens gut. »Die zuständigen Stellen zeigen Wohlwollen. Auch Finanzminister Söder sowie sämtliche Grundstückseigentürmer und Nachbarn sind informiert.« Mit der Bank und dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde habe es ebenfalls bereits Vorgespräche gegeben.

Bleibt die Frage: Wer bezahlt so ein Großprojekt? »Unsere Strategie ist eine Drittelfinanzierung«, erläuterte Rasp. So könne die Förderung des Freistaats an die 30 Prozent betragen. Das nächste Drittel werde mit einer Kapitalerhöhung bei der AG gestemmt. Der Rest komme über Kredite. Um den Fördertopf anzapfen zu können, müssen aber mehrere Kriterien erfüllt sein. Zum einen darf ein Großunternehmen nicht mehr als 25 Prozent der Anteile halten. Und die Gemeinde Schönau am Königssee gilt in diesem Fall als solches Unternehmen. »Deshalb verkaufen wir Anteile, damit wir runter auf 25 Prozent kommen«, so der Bürgermeister. Was zur Folge hat, dass weitere Investoren gesucht werden. Das wiederum sollten am besten heimische Betriebe sein. Außerdem muss die Beteiligungssumme mindestens fünfstellig sein.

In der anschließenden Diskussion hatte lediglich Klaus Gerlach eine Anmerkung. Er sei über die hohen Kosten erschrocken. »Aber es wäre dumm, das Projekt bei einer hohen Förderung und niedrigen Zinsen nicht zu realisieren«, sagt er. Gerlach macht sich aber Sorgen um den Einfluss der Gemeinde in der AG, wenn sie nur noch über 25 Prozent der Anteile verfügt. »Es könnte ja beschlossen werden, dass der Skibetrieb abgestoßen wird«, befürchtet Gerlach. Diese Gefahr sieht Hannes Rasp jedoch nicht. Er verwies auf das durchdachte Konzept für den Jenner. »Dieser Berg bietet dem Gast über das Jahr etwas.« Und: »Wir haben Vertrauen in unsere Partner, deshalb verkaufen wir ihnen die Aktien.«

Hotelier Peter Hettegger, der zweitgrößte Aktionär der Bergbahn AG, nutzte dann die Gelegenheit, um für den Neubau zu werben. Auch er betonte erneut die geplante Ganzjahresnutzung und die Zielgruppe Familien mit Kindern. »Der Winter muss stärker werden, der Sommer läuft sowieso«, so Hettegger. Außerdem lege man großen Wert darauf, die Landschaft nicht zu »verschandeln«. Christian Fischer