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Holprige Reise von Freilassing nach Berchtesgaden

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Holprige Reise von Freilassing nach Berchtesgaden
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Die Reiseteilnehmer mit (v.l.) Fritz Sparrer und Peter Renoth vom Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel auf dem Ersatz-Busbahnhof in Berchtesgaden. (Foto: privat)

Berchtesgadener Land – Das Junge Forum der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA Deutschland veranstaltete als Mobility Action im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche von 14. bis 15. September unter dem Hashtag #GönnDirÖffi! eine Öffi-Reise-Recherche vom Bodensee bis Berchtesgaden.


Mitglieder des Verkehrsforums Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel empfingen die Truppe am Sonntag in Freilassing. Die Reise wurde durch die Wirren des Schienenersatzverkehrs nach Berchtesgaden begleitet und unterwegs mit Information zur regionalen Situation gefüttert. Der Abschluss der Reise wurde mit einem kleinen Champagnerempfang gefeiert. Der Bayerische Rundfunk berichtet heute Mittwoch in der Abendschau, auf B5 aktuell und BR24 über #GönnDir-Öffi.

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Die jungen Reporter erfuhren auf dem kurzen Stück am eigenen Leib und durch die Erzählungen der Mitglieder des Verkehrsforums, der Fahrer und von Gästen, zu welchen Irritierungen und Belastungen die Informationspolitik der ÖPNV-Verantwortlichen führte und aktuell durch die Verzögerung an einer Baustelle noch führt.

Da kommen stetig ahnungslose Bahnkunden pünktlich zu den Bahnhöfen, stehen am Bahnsteig und warten auf den Zug. Hat die Bahn nicht alles dafür getan, die Kunden auf Apps und Online-Systeme zu verweisen? Danach fahren virtuell Züge, die es konkret gar nicht gibt. Tatsächlich gibt es eine Anzeige mit Laufschrift am Bahnsteig, die aber nicht alle Kunden verstehen oder mit Blick auf das Smartphone nicht sehen. Wer im Bahnhof nach Informationen sucht, bekommt nach Erzählungen der Fahrgäste am Schalter andere als an den Aushängen im Bahnhof, und wieder andere als an Tafeln vor dem Bahnhof. An manchen Bahnhöfen sind die entfernteren Abfahrten des Schienenersatzverkehrs aus den Tafeln nicht zu erschließen beziehungsweise falsch angegeben.

Ja, es war nicht abzusehen, dass sich die Baumaßnahme am Übergang in Bad Reichenhall verlängert. Aber das Informationsmanagement der Verkehrsträger lässt nach Ansicht des Verkehrsforums sehr zu wünschen übrig.

Dass aktuell die Mitnahme von Fahrrädern und Kinderwagen im Schienenersatzverkehr Probleme macht, war für die Teilnehmer verständlich. Wie kommt es aber zur Vielfalt der Einstiegshöhen der S-Bahn? Die Einheimischen berichteten den CIPRA-Aktionisten auch über die nun über ein Jahrzehnt währende Diskussion über barrierefreie Einstiege an der Strecke, zusätzliche Haltestellen, Fahrplanprobleme mit den viel zu langen eingleisigen Strecken – zum Beispiel zwischen Bad Reichenhall und Hallthurm mit 14 Minuten Fahrzeit. In der Konsequenz bedeutet das Wartenmüssen des Gegenzuges oft eine halbe Stunde Verspätung eines erwarteten Zuges.

In Berchtesgaden wurde man mit dem Ersatz-Busbahnhof konfrontiert. Eine Beschilderung der Haltebuchten mit Nummern mag den Busfahrern Orientierung verschaffen, hilft den Fahrgästen aber gar nicht. Die Teilnehmer der Aktion bilanzierten: Die Verantwortlichen des ÖPNV-Systems gehen offenbar davon aus, dass die Kunden aus Alters-, finanziellen oder anderen Gründen einfach genötigt sind, das ÖPNV-Angebot zu nutzen. Touristen beispielsweise aus Asien kommen eh nicht mehr wieder. Wer kann, fährt Auto.

Eine Verbesserung der Situation würde nach Ansicht des Verkehrsforums wohl schnell erreicht, wenn alle verantwortlichen Politiker und Entscheider mal vier Wochen ausschließlich auf die Leistungen des ÖPNV verwiesen würden. Mit eigener Betroffenheit ginge manches blitzschnell.

Das Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel berichtete auch über nächste Schritte bei der Ausbaustrecke Mühldorf-Freilassing (ABS 38) und die Visionen bezüglich eines S-Bahn-Tunnels in Salzburg und grenzüberschreitender Verbindungen zwischen Bad Ischl und Königssee. Auch darüber, wie man versucht, die Interessen der Kunden aufzunehmen und politisch in Entscheidungen zu einer verbesserten Gesamtsituation einmünden zu lassen.

Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche wird am kommenden Samstag vormittags (9 bis 12.30 Uhr) in Berchtesgaden (Ersatzbusbahnhof) und nachmittags (15 bis 18 Uhr) in Laufen (Mozartplatz) an Informationsständen über Perspektiven einer zukunftsorientierten Verkehrspolitik in der Region informiert. fb