weather-image
26°

»Ich bin da, wo meine Leute sind«

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Michael Bender ist seit fünf Wochen als neuer Kommandeur Chef von fast 1 000 Struber Jagern. Er bereitet sein Bataillon derzeit für den 2017 anstehenden Einsatz im Nordirak vor. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Fast täglich pendelt Michael Bender zwischen seinem Wohnort Rosenheim und seiner neuen Arbeitsstelle in Bischofswiesen. Trotzdem scheint der Berufssoldat rundum glücklich – er ist seit fünf Wochen Kommandeur des Struber Gebirgsjägerbataillons 232. »Die Kommandeurszeit ist die schönste Zeit, die man bei der Bundeswehr haben kann«, sagt der Oberstleutnant im Generalstab (i.G.).


Michael Bender ist viel herumgekommen in seiner 22 Jahre währenden Militärzeit. Zwar durchlief er seine Truppenverwendungen in der Ausbildung zum Gebirgsjägeroffizier von 1994 bis 2006 – mit Unterbrechung durch das Maschinenbaustudium – noch alle in Mittenwald. Doch bereits hier absolvierte er zwei Auslandseinsätze in Afghanistan und im Kosovo. Dann ging es Schlag auf Schlag: Verwendungen in Hammelburg und Hamburg (inklusive Generalstabslehrgang) folgte 2009 der Ruf zur NATO in Brüssel und 2011 zur Division Spezielle Operationen in Stadtallendorf inklusive eines weiteren Afghanistan-Einsatzes. Im Bundesverteidigungsministerium in Berlin war Bender schließlich von 2013 bis 2015 im Referat »Deutsche Interessenvertretung in der NATO« eingesetzt, ehe er zu Beginn dieses Jahres als Vorbereitung für seine Kommandeursaufgabe in Bischofswiesen zur Gebirgsjägerbrigade 23 nach Bad Reichenhall wechselte und von dort gleich zu einem sicherheitspolitischen Kurs nach Rom entsandt wurde.

Anzeige

»Dreiklang« soll Einsatzbereitschaft sichern

Bender macht kein Hehl daraus, dass er glücklich ist, wieder in den Bergen zu sein. »Ich wollte gerne nach Bischofswiesen, weil es einer der schönsten Standorte ist, die die Bundeswehr hat; und noch dazu ein moderner«. Die Soldaten im Bataillon seien sehr einsatzerfahren und gut ausgebildet – »deshalb ist es eine sehr reizvolle Aufgabe, hier Kommandeur zu sein«.

Das Personal ist aber nur ein Teil des »Dreiklangs«, der dem Bataillon eine hohe Einsatzbereitschaft garantieren soll. Wichtig seien darüber hinaus nämlich auch eine gute Materialausstattung und eine umfassende Ausbildung. »Damit meine ich sowohl die klassische Bundeswehrausbildung als auch die spezifische Gebirgsjägerausbildung vor Ort«, sagt Michael Bender.

Obwohl das laufende Jahr für die Struber Jager ohne Auslandseinsatz verläuft, weist Bender die Vermutung zurück, dass es ein ruhiges sein könnte. Vielmehr verweist er auf die Vorbereitungen für die im nächsten Jahr anstehende Ausbildungs- und Unterstützungsmission im Nordirak. Die entsprechenden Voraussetzungen für diese ein ganzes Jahr währende Aufgabe zu schaffen, werde ein Schwerpunkt im nächsten Quartal sein. Auch Bender selbst wird seine Soldaten für einige Monate in den Irak begleiten. Überhaupt ist es dem Offizier wichtig, möglichst viel Zeit bei seinen Soldaten zu verbringen. »Ich bin da, wo meine Leute sind. Wenn die Soldaten draußen sind, dann bin ich es auch. Sie schätzen es, wenn sie mich sehen.«

Die Patenschaften pflegen

Ohnehin sind die Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 auch in diesem Jahr durch zahlreiche Übungen und Ausbildungen stark gefordert. »Seit Mai und noch bis Dezember müssen wir als einsatzbereiter Verband zur Stelle sein, wenn man uns braucht«, sagt Bender.

Von den Einheimischen fühlt sich Michael Bender bereits sehr gut aufgenommen. »Ich bin dankbar für die gute und enge Zusammenarbeit mit den fünf Gemeinden. Wir wollen die Patenschaften ausbauen und weiterhin mit Leben füllen«, betont der Offizier. So soll es beispielsweise Ende Juli eine Veranstaltung mit allen Gemeinderäten im Berchtesgadener Talkessel geben. Immerhin werden die Patenschaften zwischen den Gemeinden und den Kompanien im nächsten Jahr 30 Jahre alt. Das soll genauso gefeiert werden wie das Jubiläum zum 60-jährigen Bestehen der Gebirgsjägerkameradschaft 232 im Jahr 2017.

Chef von 1 000 Struber Jagern

Rund drei Jahre wird Michael Bender nun wohl Chef von fast 1 000 Struber Jagern sein. Und danach? Viele ehemalige Kommandeure des Bischofswieser Bataillons haben mittlerweile den Dienstrang eines Generals erreicht. Die Aussichten für den Rosenheimer dürften ebenfalls nicht schlecht sein, zumal er bereits erfolgreich einen Generalstabslehrgang absolviert hat. Doch dazu will sich der 42-Jährige verständlicherweise nicht äußern: »Ich bin ja gerade erst einmal Bataillonskommandeur geworden.«

Sicher ist sich der 42-Jährige allerdings, dass er die Stationierung inmitten der Berge »effektiv nutzen« wird. Schließlich ist seine Leidenschaft für alpine Unternehmungen trotz langjähriger Verwendungen im Flachland ungebrochen: Kletternd und auf Skitour will Michael Bender hier die Berge erkunden – und auch ein wenig Langlauf machen. So wie er es auch von seinen Soldaten, den Gebirgsjägern, erwartet. Ulli Kastner