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Im »öffentlichen Raum« Spuren hinterlassen

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Museumschefin Friedl Reinbold (l.) und Antonie Richter haben guten Grund, sich über eine beeindruckende Gedächtnisausstellung zu freuen. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Es war ein besonderer Abend im Nebengebäude des Berchtesgadener Heimatmuseums. Bilder und Skulpturen zu sehen, war schwierig. Fast zu viele, jedenfalls erfreulich viele Menschen nahmen das Angebot an, sich an Mensch und Werk des im vorigen Jahr verstorbenen Bildhauers und einstigen Schnitzschuldirektors vor allem optisch zu erinnern. Dabei stützt sich die von Norbert Däuber und Christoph Merker realisierte Ausstellung vor allem auf Fotografien, denn Hans Richters Hauptwerk ist »verstreut« und fest verwurzelt an den jeweiligen Standorten. Kaum ein Künstler habe, so Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp später, in der Heimatregion und auch im Landkreis so viele Arbeiten im öffentlichen Raum hinterlassen wie Richter.


Die überzeugend konzipierte Ausstellung spannt den Bogen weit. Zwar setzt sie den Bildhauer Hans Richter in den Mittelpunkt, geht aber auch auf den akribisch und mit scheinbar stetem Elan des Menschen Richter ein, auf den Schnitzschuldirektor, der in der Einrichtung gleich zu Beginn enorme Veränderungen eingeleitet und die Schule viele Jahre auf der Erfolgsspur geführt hatte, auf den Lehrer, der seine Aufgabe auch immer darin gesehen hatte, Förderer der angehenden Schreiner und Bildhauer zu sein, auf den begeisterten Bergsteiger, der auch an spektakulären Touren beteiligt war und dies gelegentlich einem interessierten Publikum kund getan hatte, auf den engagierten Mitbürger Hans Richter, auf den Organisator, der beispielsweise die Fäden des groß dimensionierten Festumzuges zur 900-Jahr Feier Berchtesgadens im Jahre 2002 geordnet hatte.

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Brunnen, Sakrales, Skulpturen

Der Bildhauer Hans Richter hat im sogenannten öffentlichen Raum Spuren hinterlassen. In der Berchtesgadener Heimat, im Landkreis und anderswo. Brunnen, sakrale Kunstwerke, Skulpturen und mehr geben Zeugnis davon. Vor knapp 20 Jahren hat der akribische Mensch Richter ein Werkverzeichnis vorgestellt, das fast alle wesentlichen Arbeiten des Bildhauers auflistete. Das macht es dem Betrachter leichter, sich einen losen Überblick über Richters Werk zu verschaffen. Soweit dies überhaupt möglich ist, denn neben dem Können verfügte Richter auch über offensichtlich immensen Fleiß. Zu den erwähnten aufgelisteten Arbeiten kamen natürlich noch die in den folgenden Jahren entstandenen Schöpfungen hinzu. Dieser weit verstreute und an den jeweiligen Standorten fest verankerte Teil des künstlerischen Nachlasses ist in der Ausstellung durch Fotografien dokumentiert.

Kleinere Arbeiten Richters, Zeichnungen und Skizzen, Kreuze und Kleinplastiken beispielsweise sind im Heimatmuseum auch zu sehen. Ein Kreuz und eine Madonna aus der Krankenhauskapelle in Berchtesgaden dazu. Dies alles leitet dann fließend über zum Lehrer und Leiter der Berchtesgadener Schnitzschule, auch zu Schülerarbeiten, die der wohl gestrenge, doch immer auch weitherzige Direktor anfertigen ließ, dessen Stil neu war, der seine angehenden Bildhauer zu eigenen Kreationen anstachelte, nicht hauptsächlich auf das Kopieren der »alten Meister« setzte, wie es lange und in allen derartigen Schulen üblich war.

Bei der Eröffnung der ab heute für das Publikum zugänglichen Ausstellung waren am Anfang aber natürlich die Reden. Museumschefin Friedl Reinbold begrüßte vor allem Hans Richters Familie, Ehefrau Antonie, flankiert von den drei Töchtern, mit deren ältester sie gemeinsame Schulerinnerungen hat, auch an die Nachmittage im Hause Richter, das ihr damals als »sehr modern« erschien.

Schmerzliche erste Begegnung

Eher schmerzlich war die erste Begegnung mit dem Bildhauer Hans Richter für den heutigen Marktbürgermeister Franz Rasp. Das Kind war in den Brunnen gefallen und bekam Tadel. Immerhin war es ein Richter-Brunnen, das macht das Jahrzehnte zurückliegende Ereignis bedeutender. Brunnen hat Hans Richter der Nachwelt viele hinterlassen, und anderes dazu. Kaum ein anderer Künstler, sagte Rasp in seinem Grußwort, habe so eindrücklich die nahe und weiter entfernte Heimat mit Kunstwerken bestückt und sich dadurch bleibend präsent gemacht. Er erkenne beim Ausstellungsrundgang vieles wieder, was immer schon vertraut war und fände es daher doppelt spannend. Wenn, war Franz Rasp wichtig zu erwähnen, der zuvor von Friedl Reinbold in seiner Abwesenheit entschuldigte Landrat Georg Grabner anwesend gewesen wäre, hätte er diesem ein herzliches »Vergelt‘s Gott« gesagt, dass er die Mittel für die umfangreichen Bauarbeiten zur Verschönerung des Heimatmuseums, das nun mit der Erinnerungsausstellung an Hans Richter neu eröffne, zur Verfügung gestellt habe.

Zwei dankbare ehemalige Schüler Hans Richters haben sich um die Gedenkausstellung verdient gemacht und erinnerten mit persönlichen Eindrücken an ihren Schnitzschuldirektor. Christoph Merker, einst Schüler von Hans Richter und nun auch Lehrer an der Schnitzschule, habe unter anderem von Richter gelernt, dass man nie mit dem ersten Entwurf zufrieden sein dürfe, zwar könne der schon die Lösung sein, aber man soll dennoch nach der möglichst besten Variante suchen. »Einen Entwurf, zack, der Nächste«.

Hans Richter habe seine Umgebung geprägt, immer, sagte Merker. Und er war immer fit, immer voller Elan. Und er erinnerte als amtierender an den einstigen Künstlerbundvorsitzenden, an den Festzugorganisator und besonders an den Schnitzschuldirektor, ohne den es diese Schule vielleicht gar nicht mehr gäbe.

Auch Norbert Däuber war Schüler von Hans Richter und ist heute – wie dieser einst – Direktor der Schnitzschule. Seine Erinnerungen an den Kollegen, Lehrer und vor allem auch Förderer sind mannigfaltig. Kennengelernt habe er zuerst die Schneeplastiken, die 1965 den Markt verzierten. Und schon als Kind habe er gesehen, dass die von Richter geschaffene etwas anders war als die benachbarten. »Ein Bildhauer kann eigentlich immer alles.« Das und vieles mehr habe er von Hans Richter gelernt. Und dass dieser junge Kollegen stets fördern wollte, auch wenn sie zur Konkurrenz wurden. Selbst, als Däuber einen Brunnenwettbewerb, an dem sich beide beteiligten, vor Richter gewonnen hat. Und angesichts der Fülle seiner Leistungen, an die nun gebündelt in der Ausstellung erinnert werden: »Hans hat die Zeit seines Lebens richtig genutzt«, sagte Däuber.

Die Ausstellung im Heimatmuseum erinnert an Hans Richter in vielen Facetten. Wenn der Bildhauer, dem Energie genauso wie Zurückhaltung und die eigene Person gern im Hintergrund haltenden Menschen diese Erinnerungsschau sehen könnte, mutmaßte Christoph Merker, wäre sein Kommentar wohl gewesen: »Geh, des hätt´s doch nicht gebraucht!« Das Heimatmuseum ist jeweils von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Gedenkausstellung für den Bildhauer Hans Richter ist bis einschließlich 14. Juni zu sehen. Dieter Meister