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Ist der Jenner noch ein Renner?

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Bei der Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahn AG verabschiedete Vorstand Hannes Rasp seinen Vorgänger Stefan Kurz (M.) und den scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Vonderthann (r.). Foto: Anzeiger/Schüssler

Schönau am Königssee – Im Restaurant der Jenner-Bergstation begrüßte der Aufsichtsratsvorsitzende der Berchtesgadener Bergbahn AG, Manfred Vonderthann, am Freitag die versammelten Aktionäre zur Jahreshauptversammlung. Stefan Kurz war zum 30. April als Vorstand der AG ausgeschieden, und Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp amtiert nun als alleiniger Vorstand.


Hannes Rasp blickte in seinem Bericht auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurück. Die Rahmenbedingungen hätten sich, so Rasp, gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Zwei Tage früher als im vorangegangenen Winter sei der Skibetrieb aufgenommen worden. Der niederschlagsarme, aber graue Winter 2012/13 sei für den Umsatz nicht förderlich gewesen.

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Die Monate Mai und Juni hätten dann kalte und nasse Witterung gebracht und so den Frühsommer verhagelt. Rund 5 Millionen Euro habe die Gesellschaft im Berichtszeitraum investiert, in erster Linie für den Ausbau des Krautkasers als Leistungszentrum. Schulden resultierten in erster Linie aus der Einrichtung dieses Trainingszentrums. Zudem sei der Personalaufwand durch eine Lohnerhöhung um 3,5 Prozent um 98 000 Euro gestiegen.

40 000 Euro Bilanzgewinn

Die AG habe, so der Vorstand, einen Bilanzgewinn von 40 000 Euro erzielt und einen Ausgabekurs je Aktie von 180 Euro festgelegt. Gut 1 Million Euro habe das Unternehmen durch die Ausgabe neuer Aktien – gekauft unter anderem von der Gemeinde Schönau und dem Hotel »Edelweiß« – eingenommen. 250 000 Euro habe man für Wetterschutzhauben ausgegeben, weitere 70 000 für einen neuen Skiweg von der Sesselbahn. Betriebliche Erträge seien dem Unternehmen zudem durch den Verkauf eines Pistenbullys erwachsen.

100 000 Euro Entschädigung vom DSV

Das Krautkaser-Projekt hält Rasp für eine Bereicherung für das Unternehmen: Ungeachtet der Aktivitäten des DSV könne die Bahn jederzeit von Normalskifahrern genutzt werden. 100 000 Euro Entschädigung habe man vom DSV erhalten, erklärte Rasp auf Nachfrage. Tatsächlich habe der DSV den Hang nur acht Prozent des Winters genutzt, er stehe ihm aber nach Anmeldung jederzeit zur Verfügung.

Über 90 Prozent der Hangnutzung am Krautkaser entfalle auf den Breitensport, wozu auch die Trainingsnutzung durch die lokalen Vereine wie etwa den WSV Königssee gehöre – diese mache rund 60 Prozent der Hangnutzung aus. Die Vereinbarung mit dem DSV sei keine starre, sondern je nach dem Aufwand des Verbandes variabel. In schneereicheren Wintern als dem vergangenen solle auch der Normalskifahrer den Hang trotz der Vereisung durch den DSV auf voller Breite nutzen können.

Kürzester Skibetrieb aller Zeiten

Im laufenden Geschäftsjahr sei der Skibetrieb vom 20. Dezember bis zum 23. März gelaufen und habe damit so früh geendet wie noch nie. Es sei mit einem geringfügig negativen Ergebnis zu rechnen. Nach dem Vorstandswechsel habe man ein neues Marketingteam gegründet, das bislang zwei Sitzungen abgehalten habe: Zu den ersten Neuerungen gehörten das Frühstück am Berg, das von den Einheimischen gut angenommen werde, sowie der Tag »60 plus«, an dem Gäste ab 60 Jahren die Bahn für 10 Euro nutzen könnten. Für den August sei außerdem noch eine attraktive Abendveranstaltung geplant. Angedacht sei auch die Installierung einer permanenten Zeitmessstrecke.

Auf einen guten Juni 2014 sei ein schlechterer Juli gefolgt. Der Jenner sei jedoch nach wie vor ein sehr beliebter Berg, so Rasp, weshalb man alles daran setzen müsse, eine neue Bahn zu bauen. Die jetzige, über 50 Jahre alte Bahn sei nicht behindertengerecht und könne weder Fahrräder noch Kinderwagen transportieren. Ersatzteile für die Bahn seien teuer und bei schönem Wetter müsse man an der Talstation lange warten. »Können wir uns das leisten?«, fragte der Vorstandsvorsitzende in die Runde. Er habe sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden drei Jahren Klarheit darüber zu erlangen, ob ein Neubau mit Kabinen für acht bis zehn Personen realisierbar sei. Dies sei eine Frage der Grundstücksverhältnisse und nicht zuletzt des Geldes: 17 bis 20 Millionen Euro würde der Neubau ersten Schätzungen zufolge kosten. Durch verschiedene Zuschüsse könne die Belastung für das Unternehmen reduziert werden, doch sieben Millionen Euro müsse man selbst stemmen.

Aktionär sorgt für Unmut

Der umfangreiche Fragenkatalog eines Aktionärs sorgte für Unmut bei Vonderthann und sprengte beinahe die Versammlung, die für rund eine halbe Stunde zur Beratung unterbrochen werden musste. Die Fragen seien nicht unberechtigt, so Vonderthann, doch in dieser Masse besser schriftlich einzureichen. Der Aktionär berief sich auf das gesetzliche Fragerecht während der Versammlung.

Den Vorwurf, seit dem Ausstieg der Lechwerke habe das Unternehmen zwar viel investiert, doch ohne nennenswerten Erfolg, konterte Rasp mit der Bemerkung, die Lechwerke hätten ihre letzte Investition – die Beschneiungsanlage – im Jahr 1998 getätigt und danach nur den Stillstand verwaltet. Er sei froh, dass seitdem 13 Millionen Euro investiert worden seien – etwa in den Ausbau der Talabfahrt, die nun der beliebteste Skihang am Jenner sei.

Es sei ihm bewusst, so Rasp, dass die Bahn nicht durch Aktionen wie das Frühstück am Berg zu retten sei, doch sei auch die Imagepflege für das Unternehmen wichtig. Wie er auf Nachfrage erklärte, kooperiert die Bahn bereits unter anderem mit der Watzmann- und der Rupertustherme und prüft derzeit eine Kooperation mit der Oberbayern-Card. Auch über mögliche Vergünstigungen in Kombination mit dem Bayernticket wolle man nachdenken. Ferner sei geplant, mit dem Wasser der Beschneiungsanlage in den schneefreien Monaten ein Kleinkraftwerk zu betreiben.

Einstimmig stimmten die Aktionäre dafür, den Bilanzgewinn als Vortrag auf die neue Rechnung zu verwenden. Der Vorstand wurde mit zehn Gegenstimmen entlastet. Einstimmig wählte die Versammlung die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dr. Fendt aus Bad Reichenhall zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2013/14.

Das Ausscheiden der Aufsichtsratsmitglieder Herbert Zechmeister und Manfred Vonderthann zum 1. August machte Ergänzungswahlen notwendig. Jeweils einstimmig wurden Peter Hettegger, Betreiber des Hotels »Edelweiß«, und Stefan Pfnür, Wasserkraftwerksbetreiber und Gemeinderat in Schönau am Königssee, in den Aufsichtsrat gewählt. Hettegger erklärte in seinem Statement, der Jenner könne rentabel betrieben werden – als Mitglied des Aufsichtsrats wolle er dazu beitragen. Markus Schüssler