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Kein »Nazi-Gold« im Königssee

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Feinstes Gold – definitiv nicht aus Zweiter-Weltkriegszeit. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – »Hitler-Gold im Königssee«: So lautet so manche Mutmaßung, die aktuell im Internet herumschwirrt. Dass dem wohl nicht so ist, hat auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« der Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH bestätigt. »Goldbarren mit 500 Gramm gab es von Degussa zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht.«


Das 16 Jahre alte Mädchen, das den 500 Gramm schweren Goldbarren bereits am vergangenen Freitag in Ufernähe des Königssees gefunden und ihn umgehend abgegeben hatte, konnte nicht ahnen, dass sich aus dem Fall womöglich eine Geschichte mit kriminalistischem Einschlag entwickeln würde. »Die Vermutung liegt nah, dass bei dem Goldbarren etwas verschleiert werden sollte«, so äußerte sich Pressesprecher Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. Selbst eine Straftat, die dem Fall zugrunde liegt, möchte man bei den Ordnungshütern nicht ausschließen. Denn immerhin war die eingeprägte Nummer herausgeschliffen worden. Womöglich mit einer Fräse, denn so einfach sei es nicht, Gold zu bearbeiten.

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Barren-Nummer lässt nicht auf Eigentümer schließen

Laut Polizei könne man aber über die Nummer nicht den Eigentümer ermitteln. »Das hat derjenige aber wahrscheinlich nicht gewusst.« Experten des Landeskriminalamts beschäftigen sich aktuell mit dem Goldfund. Geklärt werden soll auch, woher das Edelmetall, dessen Wert mit 16 000 Euro beziffert wird, stammt.

Trotz der fehlenden Nummer könne mit speziellem Gerät unter Umständen die originäre Nummer rekonstruiert werden. »Wir ermitteln in alle Richtungen«, heißt es bei der Polizei. Dass der Goldbarren, der nicht viel größer ist als eine Schnupftabakschachtel, echt ist, hatte ein Juwelier nach eingehender Prüfung bereits bestätigt.

Der Goldbarren, auf dem der Name »Degussa« prangt und der aus 999,9er-Gold besteht, wurde von eben jener Firma hergestellt, die 2006 als Teilkonzern in die in Essen ansässige Evonik Industries eingegliedert wurde. Seit 2011 firmiert das Unternehmen, das im Edelmetallmarkt aktiv ist, als Degussa Goldhandel GmbH.

Zwischen 1990 und 2005 produziert

Auf Nachfrage bei der Degussa Goldhandel, die unter anderem Edelmetallbarren aus Gold, Silber, Platin, Palladium und Rhodium herstellt, hieß es, dass es sich bei den gefundenen Barren um ein Edelmetall handle, das wahrscheinlich im Zeitraum zwischen 1990 und 2005 hergestellt worden sei. Der Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH, Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, sagte im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«, dass es sich bei dem gefundenen Barren um einen typischen Investmentbarren handle. Die Nachfrage nach solchen sei vor allem ab 1999 angezogen. Dass der Edelmetall-Barren schon früher gegossen wurde, wollte er allerdings auch nicht ausschließen. »Selbst wenn die Nummer noch zu erkennen wäre, könnten wir den Barren keinem genauen Jahr zuordnen«, so Wrzesniok-Roßbach.

Von »Nazi-Gold« könne hingegen keine Rede sein, weiß der Degussa-Goldhandel-Geschäftsführer. Denn 500-Gramm-Barren wurden erst deutlich nach dem Krieg hergestellt. »Die gab es zu diesem Zeitpunkt schlichtweg noch nicht«, sagt Wrzesniok-Roßbach, der 30 Jahre Erfahrung im Goldgeschäft vorweist. Auch wenn sich der Experte Spekulationen um den Goldbarren nicht anschließen möchte, gebe es nur wenige Gründe, warum die gewöhnlich eingravierte Zahl ausgeschliffen worden war: »Entweder handelt es sich um einen Diebstahl oder aber jemand hat seinen Barren bei seiner Versicherung als gestohlen gemeldet.« Rückschlüsse auf den Barren sollen durch das Entfernen der Zahlen ausgeschlossen werden.

Auch die 16-Jährige kann womöglich auf den 16 000-Euro-Fund spekulieren. Sollte der Eigentümer in den nächsten sechs Monaten nicht ermittelt werden, darf sich die junge Frau über ein ganz besonderes Fundstück freuen. Kilian Pfeiffer

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