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Wenn das Eis kommt, muss der Schnee weg

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Von der Hochbahn aus erkennt man, dass der See im mittleren Teil noch eisfrei ist. (Foto: Kastner)
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Im Bereich der Bootsanlegestellen an der Seelände und im hinteren Bereich bis nördlich von St. Bartholomä ist der Königssee bereits zugefroren. Dazwischen klaffte gestern allerdings noch eine kilometerlange eisfreie Lücke. (Fotos: Wechslinger)
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Auf dem Grafenfeld laufen bereits seit einigen Tagen die Vorbereitungen für die Aufnahme von Besucherfahrzeugen.

Schönau am Königssee – Während viele Einheimische gespannt die Eisentwicklung auf dem Königssee beobachten, bereitet man sich in der Gemeinde Schönau am Königssee bereits auf den »Ernstfall«, sprich den möglichen Ansturm von Tausenden von Eiswanderern, vor. Zusätzliche Parkflächen in der Gemeinde sind bereits vom Schnee geräumt, weitere Maßnahmen angedacht. Doch aktuell verhindert noch der Wind das Zufrieren des Sees.


Einer, der die Wassertemperatur im Königssee regelmäßig misst, ist Markus Aschauer, Bahnchef der Königsseer Kunsteisbahn. Aschauer, der sich zurzeit dienstlich in Südkorea aufhält, soll erst kürzlich eine Temperatur von 3,5 Grad Celsius gemessen haben. »So kalt war der See seit Jahren nicht mehr«, weiß Andreas Huber, Geschäftsleiter der Gemeinde Schönau am Königssee. Ein Zufrieren hält er deshalb schon für wahrscheinlich. »Allerdings muss der Wind aufhören, denn Wellenschlag lässt keine Vereisung zu«, erklärt Huber. Dennoch will man vorbereitet sein, falls eine zur Begehung freigegebene Eisfläche zur Touristenattraktion wird und eine lange Autoschlange Richtung Süden rollt. Die Gemeinde hat am Königssee bereits zusätzliche Parkflächen auf den Feldern am Großparkplatz freiräumen lassen. Auch die beiden Wölflerwiesen sind geräumt. Beim Grafenbauern am Königssee könnten ebenfalls Parkflächen zur Verfügung gestellt werden, der Bauer selbst hat bereits vorsorglich große Flächen geräumt. Dass man bereits jetzt aktiv wird, obwohl ein Zufrieren des Sees noch lange nicht sicher ist, hat seinen Grund. »Der Schnee isoliert. Erst wenn wir ihn wegräumen, kann der Untergrund frieren. Sonst wären die Flächen zu weich und könnten nicht befahren werden«, erklärt Geschäftsleiter Huber.

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Doch Andreas Huber geht davon aus, dass bei einem größeren Ansturm auch diese Flächen nicht ausreichen werden. »Wir bemühen uns deshalb zurzeit beim Landratsamt um die Genehmigungen, damit auch entlang der Bundesstraße 20 und an der Schornstraße geparkt werden darf«, sagt der Geschäftsleiter. Für die Einweisung der Verkehrsteilnehmer entlang der Straßen soll dann die Freiwillige Feuerwehr Schönau zuständig sein, während die Freiwillige Feuerwehr Königssee traditionell bei den Bob- und Skeletonrennen an der Kunsteisbahn eingesetzt ist. Weltcup und vor allem Weltmeisterschaften könnten auch zusätzlich Besucher an den Königssee ziehen, sodass schwer abzuschätzen ist, wie viele Parkplätze tatsächlich benötigt werden. Parkflächen in Berchtesgaden wird man kaum nutzen können, weil beispielsweise auf dem Salinenplatz die Marktgemeinde aktuell die Schneemassen ablagert. Auf jeden Fall nutzen will man aber die Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs. »Wir arbeiten an verschiedenen Szenarien, unter anderem laufen die Verhandlungen mit RVO und Bahn«, sagt Huber. Durch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln soll der zum Königssee fahrende Individualverkehr möglichst reduziert werden.

Vor elf Jahren war die Gemeinde Schönau am Königssee von den zum Königssee strömenden Besuchermassen geradezu überrascht worden. Man war anfänglich davon ausgegangen, dass die geschaffene Parkkapazität von 2 000 Autos auf dem Parkplatz Königssee für die Gäste aus nah und fern ausreichen würde. Doch das war ein Trugschluss. Der Zustrom war so stark, dass schließlich die Feuerwehr das Abstellen der Fahrzeuge entlang der Bundesstraße regeln musste. Später kamen durch den massiven Einsatz des gemeindlichen Bauhofs zusätzliche Parkmöglichkeiten auf Stanger- und Sieglfeld, bei der Schneewinklschule, auf den beiden Wölflerfeldern sowie auf dem Triftplatz hinzu. Während damit die Parkprobleme weitgehend gelöst waren, standen die Ausflügler am Abend bei der Heimfahrt in einem kilometerlangen Stau. Der entstand durch die damalige Baustelle am Bahnhofskreisverkehr. Die Freigabe der Eisfläche auf dem Königssee erfolgte vor elf Jahren am 25. Januar. Rund drei Wochen später, am 15. Februar, war das Vergnügen nach einsetzendem Tauwetter auch schon wieder vorbei. In dieser Zeit sollen laut Schätzungen rund 75 000 Fußgänger, Langläufer, Radfahrer und Schlittschuhläufer über das bis zu 40 Zentimeter dicke Eis gewandert, gelaufen oder gefahren sein. An einem einzigen Wochenende waren es bis zu 30 000. Freigegeben wurde die Eisfläche des Königssees in den Jahren 1985, 1987, 1997 und 2006. Ulli Kastner