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Zwischen Babykatzen und hartem Alltag

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Diese Katzenmutter ist etwas zerzaust.
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... oder es sich auf dem Boden bequem machen.
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Huch, die Reporterin vom »BAZ«. Die »taz« wäre mir lieber. (Fotos: Klein)
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Im Reichenhaller Tierheim lebt es sich gut. Man kann auf Brettern liegen ...

Bad Reichenhall – Nach einem Hilferuf der regionalen Tierschutzvereine wegen der ständig wachsenden Katzenpopulation hat der »Berchtesgadener Anzeiger« das Tierheim Bad Reichenhall besucht und mit den Betroffenen gesprochen.


Die Mitarbeiter mussten erst vor eineinhalb Wochen ausrücken, denn am Parkplatz des Burger King in Piding ist eine Box mit drei Katzenbabys gefunden worden. Bei brütender Hitze waren die völlig abgemagerten Kitten augesetzt worden. Leider keine Seltenheit im Arbeitsalltag der Tierpfleger.

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Das Tierheim Bad Reichenhall beherbergt zur Zeit alleine 28 Babykatzen und in etwa 15 ausgewachsene Tiere. Die Leiterin Gabriele Schwaiger-Weiß erklärt, dass die meisten Tiere aus Würfen von unkastrierten Freiläufern stammen, die sich mit Jagen selbstversorgen würden.

Im Alter von sechs Monaten würden sie dann selbst geschlechtsreif werden. Diese Tiere sind nicht selten durch Infektionen geschwächt, die sie dann auch weitergeben. Ein richtiger Teufelskreis.

Aus diesem Grund setzt sich die Leiterin seit Jahren für eine allgemeine Kastrationspflicht ein. Nur so könne nachhaltig dafür gesorgt werden, dass Katzen besser geschützt werden. Das Bad Reichenhaller Tierheim hat deshalb auch dieses Jahr wieder eine Kastrationsaktion gestartet. Katzenbesitzer können noch bis Ende August im Tierheim einen »Gutschein« abholen, und mit diesem ihre Katze kostenlos bei einem Tierarzt kastrieren lassen. Die Aktion sei bereits im Vorjahr sehr gut angekommen.

Schwaiger-Weiß und ihr Team päppeln die Tiere mit viel Zuneigung wieder auf, sie werden tierärztlich versorgt und müssen unter Umständen zunächst für einige Wochenunter Quarantäne. Es kann aber auch einmal vorkommen, dass die Kätzchen mit nach Hause genommen werden – für eine extra Portion Liebe.

Das Tierheim gibt den Katzen solange wie notwendig ein Zuhause. Allerdings werden die Meisten ziemlich schnell vermittelt. Länger als drei Jahre hätte noch keine Katze auf ein neues Zuhause warten müssen, so Schwaiger-Weiß. Erstaunlicherweise wären gerade die Problemfälle leicht vermittelbar; den neuen Besitzern sei es oft wichtig, einem strapazierten Tier ein schönes Leben zu bieten. Die Leiterin erklärt aber auch, dass nicht an jede Person ein Tier vermittelt werden kann.

Ihr sei es besonders wichtig, dass den Katzen ein artgerechtes Umfeld geboten wird. Kleine Katzen werden deshalb immer nur zu zweit abgegeben. Dadurch wird sichergestellt, dass sie einen Spielkameraden haben. Auch alleinstehende Berufstätige, die nur selten zu Hause sind, haben bei Schwaiger-Weiß schlechte Karten; ihr liegt das Wohl der Tiere zu sehr am Herzen.

Sollte es tatsächlich einmal vorkommen, dass sich eine vermittelte Katze in ihrem neuen Zuhause nicht wohlfühlt, wird sie auch gerne wieder im Heim aufgenommen. »Es kann schon mal vorkommen, dass der Katzencharakter nicht zu dem Menschen passt«. Das sei aber auch kein Problem, denn dann würde man eben eine andere Familie suchen.

Am meisten freut sich das Team aber dann, wenn sie es geschafft haben, und die Tiere in ein tolles neues Umfeld gegeben haben. Die Besitzer schicken gerne Fotos oder halten die Pfleger mit Geschichten auf dem Laufenden.

Für Gabriele Schwaiger-Weiß ist eines aber am wichtigsten: Sie wünscht sich, dass die Menschen mit Verstand handeln. »Ich brauche kein Fachwissen zu haben, ich muss mir nur überlegen, was tut dem Tier gut, was kann ich tun, was braucht es«. Lena Klein