Bürgermeister Hannes Rasp über die Petitionen gegen das Königsseer Hotelprojekt

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Bürgermeister Hannes Rasp (r.) und Bauingenieur Jan Brielmann von der Harlander Baumanagement GmbH nehmen die beiden Petitionen gegen Teile der Hotelbaupläne am Königssee ernst. Dennoch wollen sie an dem Projekt wie geplant festhalten. (Foto: Ulli Kastner)

Schönau am Königssee – »Wenn das Königsseer Hotelprojekt stirbt, dann ist der dortige unschöne Zustand auf weitere zehn Jahre fix«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee. Grund für seine Warnung, die er im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« äußert, sind zwei aktuelle Petitionen an den Bayerischen Landtag gegen den kürzlich vom Gemeinderat beschlossenen Bebauungsplan. Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz ist die Bebauung zu massiv, den Heimatkundeverein Berchtesgaden stört der geplante Abriss des südlichen Anbaus an den Alten Bahnhof.


»Kein gigantisches Hotelprojekt am Königssee« – mit dieser Überschrift wirbt die Kreisgruppe Berchtesgadener Land im Bund Naturschutz um Unterschriften für ihre Petition, die sie zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz auf den Weg brachte. Genau 1 199 Unterschriften zeigte der Zähler am Dienstagmittag an. Nicht nur deshalb nehmen Bürgermeister Hannes Rasp und Bauingenieur Jan Brielmann, der das Bauprojekt als Verantwortlicher bei der Harlander Baumanagement GmbH vorantreibt, diese Petition und auch die des Heimatkundevereins ernst. Aber sie ärgern sich über so manche Aussagen vonseiten der Petenten.

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Pläne frühzeitig der Öffentlichkeit präsentiert

»Da wird uns beispielsweise mangelnde Transparenz vorgeworfen, das tut weh«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp. »Dabei haben wir das ganze Projekt inklusive maßstabsgetreuem Modell bereits vor der ersten Bürgerbeteiligung und dem Rendering (Vorausberechnung am Computer mithilfe einer dreidimensionalen virtuellen Darstellung; Anm. d. Red.) auf einer Bürgerversammlung im vollen Gasthaus ›Unterstein‹ vorgestellt«, sagt der Rathauschef.

Die von den Petenten kritisierte Bauwerkshöhe von rund 20 Metern klinge zwar hoch, räumt Brielmann ein. Doch der Bauingenieur verweist darauf, dass dieser Wert aus der Höhenentwicklung im Gelände am Rande einer Felsabbruchkante entstehe. Auf dem Natursteinsockel stünden letztlich drei Etagen plus Satteldach. Ohnehin hatten sich die Planer von den früher geplanten acht Waldzimmern im Waldrücken hinter dem Hotel bereits frühzeitig verabschiedet, sodass das Projekt reduziert wurde. »Weil wir diese Forderung des Landesamts für Denkmalschutz und der Naturschutzbehörde erfüllt haben, hat es vonseiten des amtlichen Naturschutzes auch keine Einwände gegen den Bebauungsplan mehr gegeben«, betont Rasp. Der lässt auch das Argument »zusätzliche Bodenversiegelung« nicht gelten und erinnert an die Zeit, als das Gelände rund um den Alten Bahnhof noch als Busparkplatz genutzt wurde. Nach den neuesten Plänen soll der gesamte vordere Bereich der Wiese um den Alten Bahnhof von jeglicher Bebauung freigehalten werden. »Es gibt also keinen zusätzlichen Flächenverbrauch«, betont Rasp.

Löwenstein soll künftig frei stehen

Mit Unverständnis reagieren Rasp und Brielmann auf die Forderung, dass das Naturdenkmal »Löwenstein« künftig von Bebauung freigehalten werden müsse. »Aktuell ist es so, dass der Löwenstein auf zwei Seiten zugebaut ist. Künftig wird der Löwenstein auf allen Seiten von Bebauung frei sein, das war auch ein Wunsch des Landesdenkmalamtes«, betont Rasp. Und Jan Brielmann unterstreicht, dass »der erratische Block ja eine Sehenswürdigkeit und ein echter Hingucker« sei. »Damit ist er auch für uns sehr wertvoll.«

Dass in der Anlage 566 Hotelbetten genehmigt sind, wenngleich im Zuge der Vier-Sterne-Superior-Kategorie deutlich weniger realisiert werden, bestätigt Hannes Rasp. »Aber im Hotel ›Königssee‹ gab es früher auch schon mal 500 Betten. Außerdem muss man auch sehen, wie viele Betten in den letzten Jahren in unserer Gemeinde verschwunden sind.«

Weil die Petenten eine zusätzliche Verkehrsbelastung befürchten, fordern sie auch die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes. »Das kann aber nicht Aufgabe eines Bebauungsplans sein«, betont Bürgermeister Hannes Rasp. Dass der Talkessel das Thema Mobilität aber in Zukunft verstärkt angehen werde, zeige schon die Ausschreibung einer zusätzlichen Stelle im Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden. »Im Mobilitätsbereich wird also in Zukunft etwas geschehen«, verspricht der Rathauschef.

Investor und Betreiber werden frühzeitig genannt

Überzeugt zeigt sich Rasp auch, dass man frühzeitig erfahren wird, wen sich Martin Harlander als Investor und Betreiber aussucht. Denn BN und LBV befürchten, dass »die Wertschöpfung nicht in der Region verbleibt, sondern international agierende Investmentgesellschaften die Gewinne abschöpfen«. Laut Bürgermeister ist im städtebaulichen Vertrag vereinbart, dass vor der Baufreigabe die Investoren und Betreiber sowie ein schlüssiges Finanzierungskonzept genannt werden müssen.

Die Suche nach einem Betreiber läuft laut Jan Brielmann aktuell. »Wir führen Gespräche mit mehreren Parteien, denn die können sich erst jetzt fundiert mit den Rahmenbedingungen beschäftigten. Es hat aber noch keinen Handschlag gegeben«, betont der Bauingenieur. Hier mache man ungeachtet der Petitionen weiter. »Wir nehmen die Petitionen zur Kenntnis, werden zur Aufklärung der Sachverhalte beitragen und den Ausschüssen gegebenenfalls alle Infos geben. Aber wir werden jetzt die Zeit nicht mit Nichtstun verstreichen lassen«, sagt Brielmann.

Zum Thema Hochwasserschutz hatte sich Bürgermeister Hannes Rasp zuletzt mehrfach geäußert. Im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« wiederholt er seine Aussage, dass der Bau des Rückhaltebeckens in der aktuellen Größenplanung eine Forderung des Wasserwirtschaftsamtes sei. »Sowohl der Bauträger, der es bezahlen muss, als auch wir in der Gemeinde hätten uns ein kleineres Retentionsbecken gewünscht«, bekräftigt der Rathauschef. Und Jan Brielmann fügt hinzu: »Das ist kein Hochwasserschutz für das Hotel, sondern ein Hochwasserschutz für den Ort.«

Nicht enden wollen die Diskussionen um den denkmalgeschützten Alten Bahnhof. Nachdem der Erhalt des Gebäudes schon seit einiger Zeit gesichert ist, wendet sich der Heimatkundeverein nun gegen den Abriss des südlichen Anbaus. Bürgermeister Hannes Rasp betont, dass er das Projekt selbst beim Landesamt für Denkmalpflege vorgestellt habe. »Dem Landesamt waren die Sichtachsen zum Alten Bahnhof und zur Verwaltung sowie vom See in Richtung Norden wichtig«, erinnert sich der Rathauschef. Der Anbau am Bahnhof sei früher eine Wartehalle gewesen, später sei bis auf die Dachform alles neu gemacht worden. Deshalb sei man übereingekommen, den Anbau zu entfernen. »Über den Keller unter dem Hauptgebäude des Alten Bahnhofs und die neue Tiefgarage des Hotels könnte man teilweise die Anlieferung zur Gaststätte abwickeln«, betont Rasp. Nicht richtig sei jedenfalls, dass der Anbau wegen der Tiefgarageneinfahrt verschwinden müsse.

Verbindungsbau möglich

»Mit dem südlich geplanten Familienhaus würde man von Dachform und Höhe her ein zum Alten Bahnhof korrespondierendes Gebäude schaffen«, sagt Jan Brielmann. Es gäbe dann nach seinen Worten auch die Möglichkeit, beide Gebäude durch einen deutlich kleineren Verbindungsbau in ähnlicher Optik zusammenzuschließen.

Grundsätzlich verteidigt Bürgermeister Hannes Rasp den Abriss des Anbaus, der bereits rechtlich genehmigt ist. Dennoch will der Bürgermeister »noch einmal mit Martin Harlander reden, ob der Anbau eventuell doch bleiben kann«. Denn, so Rasp: »Mal nachzudenken, schadet ja nicht.«

Insgesamt, das betont Hannes Rasp am Ende des »Anzeiger«-Gesprächs, habe man doch ein gemeinsames Ziel: »Aus einem Ortsbereich, der momentan kein Bild macht, etwas touristisch Attraktives zu machen.« Einen Ort mit einem Hotel und einem zentralen Platz, wo sich die Menschen auch abends aufhalten können. Und Jan Brielmann ergänzt: »Es braucht halt einen gewissen Rahmen, innerhalb dessen man sich bewegen kann. Sonst macht das Ganze keinen Sinn.«

Ulli Kastner