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Verstorbene werden in Traunstein mithilfe von Erdgas und Biomethan eingeäschert. Die Preise von Gas sind aber explodiert. (Foto: Pfeiffer)

»Der Kunde wird deutlich mehr zahlen müssen« – Die Feuerbestattung Südostbayern kämpft mit rapide gestiegenen Gas- und Strompreisen

8000 Einäscherungen erledigt die Feuerbestattung Südostbayern pro Jahr. Ende des Jahres läuft ein langjähriger Gasvertrag aus. »Die Preise für Erdgas steigen dann um 500, für Strom um 700 Prozent«, sagt Thomas Engmann, geschäftsführender Gesellschafter der EHG-Dienstleistungsgesellschaft, die die Feuerbestattung in Traunstein betreibt. Das Ziel für 2023: klimaneutral zu werden.


»Strom und Gas, das trifft uns deutlich«, sagt Engmann. Die beiden Energiequellen seien die größten Kostenfaktoren bei Einäscherungen. Engmann betreibt in Traunstein zwei Ofenlinien. Zwei Verstorbene können also gleichzeitig in Hochleistungsöfen eingeäschert werden. Das Unternehmen gehört zu den zehn größten Erdgasabnehmern der Stadtwerke, von wo das Erdgas auch bezogen wird. In den letzten Jahren sei der Standort technisch optimiert worden. »Wir haben viel Geld investiert.« Der Durchschnittsverbrauch für eine Einäscherung liegt in Traunstein bei rund zwei Kubikmetern Erdgas. Im Vergleich mit alten Anlagen sei das wenig. »Es gibt einige, die verbrauchen bis zu 40 Kubikmeter Gas pro Vorgang.«

Eingeäschert wird in den Öfen, die mit einem Meter dicken Schamottewänden ausgekleidet sind, um Hitze zu speichern, bei rund 1000 Grad Celsius. Strom ist wiederum notwendig, um die Anlagentechnik zu betreiben, unter anderem die Wasserpumpen, die zur Kühlung zum Einsatz kommen, oder die Filteranlage. Die Humankremation hat in den letzten 20 Jahren deutschlandweit stark an Bedeutung gewonnen. 75 Prozent der 2020 in Deutschland Verstorbenen wurden in den rund 160 Feuerbestattungsanlagen eingeäschert. Das sind 735.000 von rund 982.500 verstorbenen Menschen.

Mit den Preiserhöhungen bei Strom und Gas wird auch das Sterben teurer, weiß Engmann. Einige Feuerbestattungen hätten bereits die Preise erhöht. Der Rest dürfte im kommenden Jahr folgen. »Wir werden unsere gestiegenen Kosten weitergeben müssen.« Rund 50 bis 100 Euro, schätzt der Fachmann, der früher mit Altglas zu tun hatte. Engmanns Kunden sind die Bestatter. Diese wiederum rechnen mit den Angehörigen der Verstorbenen ab.

Vor rund einem Jahr wurde bei der Feuerbestattung Südostbayern das Thema Klimaneutralität eingeleitet. »Wir befinden uns auf dem Weg, die erste Feuerbestattungsanlage zu werden, die klimaneutral arbeitet«, sagt Engmann. Seit mehreren Monaten setzt man dort – neben dem Erdgas – auf Biomethan, das statt dem fossilen Brennstoff vermehrt zum Einsatz kommt. »Biomethan unterliegt noch nicht den gewaltigen Preissteigerungen wie Gas«, sagt Engmann. Bis Ende des Jahres will er einen Großteil des Erdgases durch Biomethan ersetzt haben, das ebenfalls über die Stadtwerke Traunstein bezogen wird. Das Problem: Es steht nicht uneingeschränkt und in ausreichender Menge zur Verfügung. Dass Einäscherungen teurer werden, da führe aber kein Weg vorbei, sagt Engmann. Am Ende werden es die Bestatter und die Endkunden der Dienstleistung sein, die die teureren Feuerbestattungen zu begleichen haben.

kp