Die beiden Tobis triumphieren auf der Heimbahn

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Mit geballter Faust und Bestzeit im Ziel: der österreichische Rennrodler Nico Gleirscher. Foto: dpa

Gold für Wendl/Arlt im Sprint der Doppelsitzer – Anna Berreiter holt Silber hinter Taubitz – Felix Loch patzt


Mit fünf Medaillen – davon zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze – startete die deutsche Nationalmannschaft von Cheftrainer Norbert Loch gestern nahezu perfekt in die Rennrodel-WM am Königssee. Aus heimischer Sicht besonders erfreulich: die Goldmedaille von Tobias Wendl und Tobias Arlt sowie die Silbermedaille von Anna Berreiter im Sprint.

Der Sprint-Wettkampf der Herren-Einsitzer endete mit einem Überraschungssieg und einem fast rot-weiß-roten Podest: Der Österreicher Nico Gleirscher gewann mit 0,041 Sekunden Vorsprung vor dem Russen Semen Pavlichenko sein erstes WM-Gold. Sprint-Bronze ging an seinen älteren Bruder David Gleirscher.

Lokalmatador und Top-Favorit Felix Loch ging bei der ersten WM-Entscheidung am Königssee hingegen völlig unerwartet leer aus: Der 31-Jährige wurde Vierter, aufgrund eines Fahrfehlers wurde er im Klassement zurückgeworfen. »Ich hatte einen Riesen-Fahrfehler in der Teufelsmühle, der sich bis ins erste S runterzog und bei der Anfahrt ins zweite S richtig ausgewirkt hat. Da hatte ich doch kurz Angst, dass der Schlitten nach oben zieht und in die Bretter geht. Deswegen bin ich froh, dass ich heil durchgekommen bin. Aber ich weiß, dass der Schlitten passt, man muss halt einfach nur gerade runterfahren«, analysierte Loch im Ziel selbstkritisch.

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Anna Berreiter hat das Ziel im Visier. Das wird sie mit der zweitbesten Zeit erreichen. Silber für die Berchtesgadenerin. Foto: dpa

Zweitbester Deutscher wurde Max Langenhan. Der 21-Jährige fuhr auf den sechsten Rang. »Wir waren alle heute im Vorlauf eigentlich sehr gut. Hut ab vor Nico Gleirscher, der hat materialtechnisch wohl alles richtig gemacht, obwohl auch er nicht fehlerfrei runtergekommen ist. Der Start in die WM war natürlich nicht gut, das müssen wir nochmal analysieren«, merkte Langenhan nach dem Rennen an.

Johannes Ludwig, nach dem Qualifikationsrennen am Vormittag noch Zweiter, blieb auf der Königssee-Bahn hinter seinen Erwartungen zurück. Der 34-Jährige wurde »nur« Neunter, mit einem Rückstand von 0,346 Sekunden hinter der Spitze. »Es ist nicht einfach hier. Es waren zu viele kleine Rutscher dabei, die mir heute die Medaille verwehrt haben«, erklärte Ludwig und blickte dennoch optimistisch auf das heutige Herren-Rennen: »Am Samstag bin ich wieder guten Mutes, da kann ich dann auch mit meinem Start punkten. Ich denke, dass ich dann wieder gut angreifen kann.«

Tränen bei Julia Taubitz

Mit Freudentränen in den Augen gewann bei den Rodel-Damen Julia Taubitz nach einer sensationellen Aufholjagd ihr erstes WM-Gold bei den »Großen«. Gestartet war die 24-Jährige in den Wettkampftag allerdings mehr schlecht als recht: Nach dem Qualifikationsrennen war Taubitz nur Vierzehnte und ging aus einer für sie doch recht ungewohnten Position in den Wettkampf. Mit neuem Bahnrekord setzte sie jedoch eine Marke, an der keine der Konkurrentinnen mehr vorbeikam: »Heute Früh musste ich ziemlich zittern, das war sehr aufregend. Ich wollte einfach für mich nochmal einen schönen Lauf ins Ziel bringen«, erzählte Taubitz im Ziel.

Die deutschen Rodel-Damen durften sich nicht nur über WM-Gold freuen, sondern über einen Vierfacherfolg. Silber gewann Lokalmatadorin Anna Berreiter, die eine nicht ganz einfache Saison hinter sich hat und sich daher umso mehr über ihr erstes WM-Sprint-Silber freuen darf: »Ich habe ja mit vielem gerechnet, aber auf keinen Fall mit einer Medaille. Dass ich hier so einen Lauf runterbringe, der oben sogar noch fehlerhaft war – ich bin mega-happy.« Am Start war die 21-Jährige angeeckt, für das Einzel-Rennen am Sonntag nimmt sich die Berchtesgadenerin vor, »einfach eine geile Zeit« zu haben.

Bronze ging an Dajana Eitberger. Die 30-Jährige hatte sich vor der Saison vorgenommen, Schritt für Schritt zu gehen – der Schritt zur WM-Medaille ist nun gelungen: »Ich bin so weit gekommen, das kann mir keiner mehr nehmen.« Auf Platz vier landete Natalie Geisenberger, nach dem Quali-Rennen noch auf Platz drei gelegen und eigentlich eine der Top-Favoritinnen für dieses Rennen. Die 32-Jährige erwischte allerdings keinen optimalen Lauf und kam nicht mehr aufs Podest.

Bei den Doppelsitzern gewannen Tobias Wendl und Tobias Arlt das dritte Sprint-WM-Gold ihrer Karriere. Nach dem Qualifikationsrennen »nur« auf Platz sechs gelegen, lieferten die Tobis beim Wettkampf eine tolle Fahrt ab und sicherten sich mit 0,014 Sekunden Vorsprung WM-Gold.

Erst der Sohn, dann die Medaille

Nacheinander biss sich die Konkurrenz anschließend die Zähne an ihnen aus: »Bis jetzt ist es die perfekte Woche. Mir fehlen gerade die Worte. Wir hatten heute nach der Quali richtig viel zu tun, da uns drei Zehntel aufgebrummt worden waren. Wir haben mit Schorsch nochmal alles überarbeitet und es ist in die richtige Richtung gegangen. Wir sind überglücklich«, freute sich Tobias Wendl im Zielbereich. Für den Doppel-Vordermann gibt es zudem noch mehr Grund zum Strahlen – denn Anfang dieser Woche kam Sohn Leo auf die Welt.

WM-Silber sicherten sich die Letten Andris und Juris Sics. Das Brüderpaar setzte sich noch vor das zweite deutsche Favoriten-Duo durch. Toni Eggert und Sascha Benecken wurden Dritte und gewannen damit das zweite Sprint-Bronze ihrer Karriere.

Ganz zufrieden zeigte sich das Thüringer Doppel mit Bronze jedoch nicht: »Das wäre gelogen. Das ist zwar noch ein Trost, dass es zur Medaille gereicht hat, aber der Lauf war nicht ganz perfekt und das Wetter ist ziemlich komisch.« Das Duo hatte die Ausfahrt aus dem S4 nicht perfekt getroffen und fiel ab diesem Zeitpunkt kontinuierlich zurück. Ähnlich erging es dem österreichischen Favoriten-Doppel Steu/Koller, die mit Fahrfehlern auf den undankbaren vierten Platz zurückfielen.

Ihr WM-Debüt gaben am Freitag Hannes Orlamünder und Paul Gubitz. Die Youngsters im Team, die sich gegen die interne Konkurrenz Robin Geueke und David Gamm durchgesetzt hatten, hatten einen blitzsauberen Lauf vorzuweisen und wurden am Ende starke Fünfte: »Dass es so gut läuft im Sprint, damit haben wir nicht gerechnet. Der Lauf hat sich bereits vom Start weg sehr gut angefühlt«, erzählte Hintermann Paul Gubitz im Ziel. Und machte bereits Athletik-Pläne für die Nachsaison: »Fahrerisch sind wir schon gut dabei, nach der Saison heißt es halt dann ab in den Kraftraum. Ich muss abnehmen, Hannes etwas zunehmen«, grinste Gubitz. Lena Renoth