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Feuerwehr-Stange triumphiert über Kletterwand

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Alle rufen »Spielplatz«: Nach der Abstimmung strahlen Irmgard Wucher, Falk Tzschöckel, Julia Weindl, Hannes Rasp und Hans Brüggler (v.l.) mit den Kindern um die Wette. (Fotos: Annabelle Voss)

Schönau am Königssee – Wie wertvoll es ist, in einer Demokratie zu leben und demokratische Entscheidungen treffen zu können, erfuhren die Mädchen und Buben in Schönau am Königssee am Mittwoch. Die Vorschulkinder der Kindertagesstätte sollten sich zwischen zwei Plänen für einen neuen Spielplatz am Gradierwerk in Unterstein entscheiden. Klarer Sieger mit 42:3 Stimmen wurde der buntere, größere und vielfältigere Plan.


Die Leiterin der Kindertagesstätte Irmgard Wucher betont vor der Abstimmung am Mittwoch, wie wichtig es ist, die Kinder in demokratische Strukturen einzuweisen. Deswegen durften sie nun selbst bestimmen, welchen Plan sie besser finden. »Wir haben die Kinder vorab gefragt, was ihnen auf dem Spielplatz wichtig ist«, erzählt sie. An der Abstimmung nahmen 45 Vorschulkinder teil, Mädchen und Buben im Alter von fünf und sechs Jahren. Insgesamt besuchen 245 Kinder die Tagesstätte inklusive Hort.

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45 000 Euro Förderung für Nachhaltigkeitsprojekt

Der neue Spielplatz kostet 50 000 Euro. 45 000 Euro davon übernimmt die »Deutsche Postcode Lotterie«, die das Projekt in der Schönau über die Organisation Artenschutz in Franken unterstützt. Der Grund dafür ist das Motto »Nachhaltigkeit«, das sich wie ein roter Faden durch die Arbeit in der Kindertagesstätte zieht.

5000 Euro an Kosten verbleiben bei der Gemeinde Schönau am Königssee. Julia Weindl, Elternbeiratsvorsitzende und Tierschutzpädagogin, zählt Projekte aus der Vergangenheit auf: »Zum Beispiel haben wir eine Bienen-Blumenwiese, eine Bienen-Wand und eine Infotafel zum Thema Bienen und andere Insekten.« Die Kindertagesstätte trägt zudem mehrere Auszeichnungen, unter anderem als »Haus der kleinen Forscher« und von der UN-Dekade für »Biologische Vielfalt«.

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Bürgermeister Hannes Rasp erklärte auch, wie wichtig es ist, dass man seine Meinung sagen darf.

Auf dem neuen Spielplatz, der einige Elemente zum Thema Bienen enthält, soll unter anderem eine rund acht Meter lange Zauneidechse stehen, auf der man spielen und sitzen kann. Auch zu diesem Tier soll eine Infotafel aufgestellt werden. Die Figur soll noch vor den Osterferien stehen und mit Mosaiksteinen künstlerisch bedeckt werden, wie Gemeindebaumeister Hans Brüggler dem »Berchtesgadener Anzeiger« verrät.

»Ganz viel Sand«, damit sich niemand verletzt

Im ersten Stock des Kindergartens warten indes schon die 45 Vorschulkinder und Kinderpflegerin Andrea Manger, die für die musikalische Früherziehung verantwortlich ist, auf die Abstimmung. Bürgermeister Hannes Rasp, Hans Brüggler, Fördervereinsvorsitzender Falk Tzschöckel, Julia Weindl und Leiterin Irmgard Wucher nehmen ebenfalls auf den Sitzkissen neben den Kindern Platz. Der Gemeindebaumeister erklärt den Kleinen dann, was in ein paar Wochen als erstes passieren wird: »Es kommen große Bagger, dann wird das Gras entfernt und Erde ausgehoben.« Denn für den Spielplatz seien »große Fundamente« notwendig. »Dann kommt ganz viel Sand auf den Boden. Weil dann kann nichts passieren, wenn mal jemand herunterpurzelt.«

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Die vielen roten Punkte zeigen: Das ist der Favorit.

Einen Tag vor der Abstimmung durften sich die Kinder die beiden Pläne schon genauer ansehen und erfuhren, welche Spielgeräte zur Auswahl stehen. Am Mittwoch zeigte Irmgard Wucher den Kindern alles noch einmal genau. »Hier gibt es ein Spinnennetz, in dem man klettern kann«, sagt sie und deutet auf den linken Plan – der Favorit der Kinder. Dieser ist auch farbenfroher gezeichnet als der rechte Plan, der eher in Brauntönen gehalten ist. Auf dem linken ist besonders auffällig die Bienenwabe gemalt, in der man sich verstecken kann. Weiters gibt es eine »Feuerwehr-Rutschstange«, wie es Bürgermeister Hannes Rasp bezeichnet. Der rechte Plan wartet dafür mit einer Kletterwand auf, und einer Art Baumhaus.

Verstecken in der Bienenwabe

Jetzt geht es ans Eingemachte: Der Rathauschef hält rote Klebepunkte bereit, die Kinder dürfen nach und nach vorne an die Wand gehen, an der die Pläne hängen, und ihren Lieblingsspielplatz markieren. Rasp fragt jeden einzeln, warum er sich für den ausgewählten Plan entschieden hat.

Die Antworten der Kinder lauten: »Weil mir das Spinnennetz gefällt«, »wegen der Feuerwehrstange, an der man runterrutscht«, »Wegen der Kletterstange« oder auch »Die Bienenwabe ist schön«. In letzterer kann man sich sogar verstecken, was auch gehäuft als Grund angegeben wurde. »Irgendwie wollen sich alle vor euch verstecken«, so ein scherzhafter Kommentar des Bürgermeisters gegenüber Wucher.

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Drei Kinder haben sich für Plan 2 entschieden.

Nachdem 15 Kinder sich für Plan 1 entschieden haben, ruft ein Mädchen: »Ich glaube, wir brauchen uns gar nicht weiter entscheiden.« Dann aber nimmt ein Dirndl allen Mut zusammen und sagt, ihr gefällt der zweite Plan, wegen der Kletterwand, besser. Ihr sollen später noch zwei Buben folgen. Für diese mutige Entscheidung, gegen die Mehrheit zu stimmen, gab es abschließend einen Sonderapplaus. Hannes Rasp erklärte den Kleinen: »Wir leben in einem Land, in dem man abstimmen kann. Das ist sehr wichtig.« Jeder solle seine Meinung sagen können. »Und an euch drei: Seid nicht traurig, weil Ihr nicht gewonnen habt.« Er hoffe, so der Rathauschef, dass alle gleichermaßen Freude an dem neuen Spielplatz haben werden.

Nach der Abstimmung bricht ein Freudensturm unter den Kindern los. »Ich wollte immer schon einen Spielplatz«, ruft ein Mädchen auf dem Platz neben Rasp. Der bunte, neue Spielplatz soll noch vor dem Sommer fertiggestellt sein. Zum Schluss singen die Mädchen und Buben noch ein Lied, dass von Kinderpflegerin Andrea Manger auf Schönau am Königssee umgedichtet wurde. Es lautet »Wisst Ihr, was die Bienen träumen«, und greift seinerseits das allgegenwärtige Thema auf.

Annabelle Voss