weather-image
25°
Der Schönauer Rupert Staudinger geht für das britische Rodelteam an den Start

Große Ambitionen

Wenn Rupert Staudinger vom Königssee schwärmt, der Eisarena samt der Kunsteisbahn, die sich hier auf 1 306 Metern den Hang hinabschlängelt, spricht er gerne von seiner »Hausbahn«. In der Tat wohnt er im selben Ort, hat hier mit dem Sport begonnen und trainiert. Trotzdem startet der 20-jährige Rodler nicht für Deutschland, sondern für Großbritannien. In wenigen Tagen entscheidet sich, ob er bei den Olympischen Spielen mitfahren kann.

Rupert Staudinger startet dank doppelter Staatsbürgerschaft für Großbritannien. (Foto: Pfeiffer)

Rupert Staudinger ist ein sympathischer Kerl mit einem einnehmenden Lächeln. Er hat einen deutschen Vater, die Mutter stammt aus England. Rupert ist in Schönau am Königssee aufgewachsen. Seine Ambitionen für das Rodeln entdeckte er erst ziemlich spät, damals war er bereits zwölf Jahre alt und rutsche über das Schülerrodeln in den deutschen Verband hinein. Der späte Start ist vielleicht auch der Grund, wieso er nicht ganz vorne mit dabei ist. Top-Stars wie Felix Loch oder die Doppelsitzer Tobias Arlt und Tobias Wendl, die soeben den Weltcup am Königssee gewannen, haben schon in recht jungen Jahren mit dem Rodeln begonnen.

Anzeige

Rupert Staudinger betreibt den Sport trotzdem mit voller Hingabe. Im deutschen Team des Bob- und Rodelverbands für Deutschland gibt es so manchen Fan des Schönauers. Wohl auch, weil Rupert früher für Deutschland bei den Junioren an den Start ging. Gemeinsam mit Marcel Engljähringer fuhr er Doppel. Er war der Hintermann. Allerdings blieben die Erfolge aus. Wenn man bei den Junioren im letzten Jahr nicht auf das Podium fährt, bedeutet das eigentlich das Karriereende. Sein Partner Marcel Engljähringer hörte auf. Rupert Staudinger wollte weitermachen, noch mal aufs Ganze gehen. Dank doppelter Staatsbürgerschaft bekam er die Möglichkeit für Großbritannien an den Start zu gehen. Nicht im Doppel, sondern im Einzel. Eine extreme Umstellung. Rupert sagt: »Das war meine Chance.« In Großbritannien gilt das Rodeln als absolute Randsportart. Der Stellenwert ist deutlich geringer als hier in Deutschland. Förderungen wie in der Bundesrepublik, in der das Rodeln regelmäßig im Fernsehen ausgestrahlt wird, gibt es nicht. Die Sportler sind weitestgehend auf sich allein gestellt. Beim deutschen Verband gibt es ein starkes Trainerteam, das im Hintergrund arbeitet und die Rodler unterstützt, in England fehlt selbst der persönliche Trainer. Auch beim Nationencup am Königssee war Rupert ohne Begleitung da.

Ein Einzelkämpfer auf weiter Front, der des Idealismus' wegen in die Kunsteisbahn steigt, und dort um die schnellste Zeit kämpft. Rupert verdient mit dem Rodeln kein Geld und trotzdem ist er mittlerweile in seiner neunten Saison dabei. »Er kämpft sich mit großer Hingabe durch. Er ist ein super Typ«, sagt ein Unterstützer aus dem deutschen Rodelteam. Auch, wenn Rupert bislang große Erfolge verwehrt blieben, gilt er als Kämpfernatur, mit großen Ambitionen. Natürlich sei ihm die Umstellung vom Doppel auf den Einer damals äußerst schwer gefallen, sagt er. Allerdings habe ihn seine Entscheidung, weiterhin den Rodelsport auszuüben, auch persönlich weitergebracht. Dass er nun für Großbritannien an den Start geht, war für ihn logische Konsequenz. »Natürlich ist es manchmal schwierig, immer nur auf sich allein gestellt zu sein«, sagt der Schönauer, der zuhause eine Art Denglisch spricht, ein Mischmasch aus Deutsch und Englisch, je nach Situation. Rupert lächelt, als er das sagt. Hin und wieder bekommt er Unterstützung aus dem kanadischen Rodelteam. Dort ist der Cheftrainer ebenfalls ein Deutscher. Mit seinen ehemaligen Teamkollegen, die ihm auch immer in der Eisarena am Königssee begegnen, habe er ein super Verhältnis.

Dass er nie um die vorderen Ränge mitfahren wird, ist Rupert indes klar. Denn auf Trainingsstrukturen kann er nicht zurückgreifen, die Geldmittel fehlen im britischen Nationalverband. Da ist es schon gut, wenn es ihm gelingt, jene Mittel aufzutreiben, die für die Flüge von Wettbewerb zu Wettbewerb, von Land zu Land notwendig sind. Ein kleiner Fördertopf steht dafür zur Verfügung. Der Rodelsport ist ein teurer Sport. So teuer, dass man manchmal selbst in die Tasche greifen muss. Aber das alles stört den Schönauer nicht. Sein Ziel sind die Olympischen Spiele in Pyeongchang in diesem Jahr. Einmal bei den Winterspielen mitzufahren, diese Hoffnung hat der 20-Jährige noch nicht ganz abgeschrieben. Und in der Tat stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht. Zwei Startplätze gibt es in der Mannschaft von Großbritannien. Weil es aber kaum Rodler gibt, hat Rupert eine realistische Chance, dabei zu sein. Seine Ergebnisse im Nationencup sind entsprechend gut. Trotzdem muss man abwarten. Allerdings wird bereits am 15. Januar bekannt gegeben, ob er mit dabei sein wird. »Das ist mein großer Traum«, sagt Rupert, der gerade eben begonnen hat zu studieren – Sportwissenschaften in Salzburg. Dem Sport will er also treu bleiben. Nur einmal Olympia, das wäre schon was. Kilian Pfeiffer