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Hans Plenk: nicht nur auf dem Rodel schnell

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Hans Plenk heute, als mittlerweile 80-Jähriger beim Blättern in einem alten Fotoalbum – denn Erinnerungen gibt es reichlich. (Repro: Bittner)

Hans Plenk war der erste, der sich die Kunsteisbahn hinunter traute – das war im Januar 1969. Allein aufgrund dieser mutigen »Tat« gebührt dem 80-jährigen ehemaligen Spitzenrodler höchster Respekt. Denn »erschwerend« kam hinzu: Der gebürtige Berchtesgadener, aufgewachsen in Maria Gern, fuhr sofort von ganz oben weg, vom Herrenstart.


Beweis für das Selbstbewusstsein des damals knapp 31-Jährigen, der sein Können nach zahlreichen Erfolgen bestens einschätzen konnte: Vier Jahre vor seinem Debüt-Ritt über das erste Königsseer Kunsteis hatte Hans Plenk vom RC Berchtesgaden seinen größten Erfolg gefeiert, bei der WM 1965 in Davos: Gold. Dazu kamen zwei Vize-Weltmeistertitel 1961 und 1963, zwei Bronzemedaillen sowie Olympia-Bronze gleich, als Rodeln 1964 in Innsbruck erstmals im Programm war. Insgesamt konnte Hans Plenk achtmal Edelmetall von Rodel-Großereignissen mit nach Hause nehmen, dazu fünf nationale Titel im Einzel und auf dem Doppelsitzer-Schlitten einfahren.

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Zuvor war Hans Plenk als Jugendlicher, wie so viele ehemalige spätere Profis in Loipl, in Vorderbrand oder am Obersalzberg mit seinem Schlitten unterwegs: »Da gab es bereits Kinder-Rennen«. Der Sportler erlebte die Königsseer Bahn-Historie schließlich von der Stunde Null an mit, also ab 1959 mit 21 Jahren, als es mit Natureis losging. »Alle halfen mit, Sportler, Gemeinde-Arbeiter, Freiwillige«, erinnert er sich – »Eisziegel für Eisziegel«. Wenn er zurückdenkt muss er lachen: »Wir waren dann von der vielen Arbeit oft so durchnässt und kaputt, dass die anderen, unsere Gäste, gewonnen haben.«

Am 11. Dezember 1964 verlieh der Bundespräsident Heinrich Lübke dem Rodler, der heute in Schönau am Königssee lebt und siebenfacher Großvater sowie zweifacher Uropa ist, das Silberne Lorbeerblatt für seinen Olympia-Medaillengewinn. Drei Jahre drauf schmolz die mühsam aufgebaute Königsseer Kunstbahn kurz vor der Europameisterschaft 1967 dahin. »Wir haben aber alle zusammen geholfen und sie wieder aufgebaut. Rechtzeitig zum Rennstart war alles fertig.«

Christa Schmuck und Leo Nagenrauft holten die Einzelsiege für den heimischen RC Berchtesgaden. Eine Saison später trug Hans Plenk die westdeutsche Fahne ins Olympia-Eisstadion von Grenoble – »ein ergreifender Moment« – und wurde im Einzelrennen Sechster. Bis heute besucht er die Kunsteisbahn-Rennen am Königssee. Lange Jahre nach seiner aktiven Zeit war Plenk Juniorentrainer und Funktionär, allein 22 Jahre als RC Berchtesgaden-Vorstand und zuletzt als Präsident des Bayerischen Bob- und Schlittenverbands. Heute ist er dessen Ehrenmitglied.

Früher war Hans Plenk zudem ein exzellenter Skifahrer, im Grunde wie alle seine Schlittensport-Kollegen. Der Allrounder überzeugte allerdings auch auf dem Bergradl, beispielsweise beim Rennen auf den Obersalzberg in den 1980er-Jahren – dort, wo sich die Naturrodelbahn befindet und somit sein sportlicher Geburtsort. Auf dem gut drei Kilometer langen Weg hält er mit etwas über drei Minuten wohl einen Rekord für die Ewigkeit. Hans-Joachim Bittner