Immobilien-Marktbericht: Städter zieht es ins Grüne

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Wer in Berchtesgaden und Umgebung wohnen will, muss in der Regel tief in die Tasche greifen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Das Coronavirus hat keinen signifikanten Einfluss auf die Preisentwicklung von Immobilien. Das geht aus dem aktuellen Immobilien-Marktbericht für das Frühjahr 2021 hervor. Die anhaltend hohe Nachfrage, steigende Mietpreise und günstige Finanzierungskonditionen sprechen für weiter steigende ETW-Kaufpreise.


Die Corona-Krise verstärkt in Deutschland den Wunsch nach Wohneigentum. Das hat zumindest eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts »Yougov« im Auftrag der Commerzbank ergeben. Jeder Dritte wolle eine Immobilie erwerben, bei Jüngeren (18 bis 54 Jahren) seien es sogar mehr als 40 Prozent, besagt die jetzt ausgewertete Umfrage unter 3 000 volljährigen Deutschen von November 2020. Eine weitere Frage der Untersuchung war, wo die Kunden denn lieber wohnen wollen. In der Stadt oder im Grünen? Die Commerzbank-Studie ist sicher: »Städter zieht es verstärkt aufs Land.« Gut ein Viertel der Befragten gebe an, ins Grüne umziehen zu wollen. Bei den Jüngeren sei es sogar jeder Dritte. Alternativ wünschen sich 23 Prozent eine größere Mietwohnung mit Balkon oder Garten.

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Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich das Wohnbedürfnis der Bevölkerung aufgrund der Erfahrungen durch Covid-19 ändern wird und wie sich das auf die Wohnungsnachfrage im Berchtesgadener Land auswirken wird. »Schon jetzt stellen wir fest, dass Häuser und auch Eigentumswohnungen mit Gartenanteil stark gesucht sind«, so Armin Nowak, Vorstand der Nowak Immobilien AG aus Berchtesgaden.

Preise steigen

Die Preise für Wohnimmobilien (Häuserpreisindex) in Deutschland lagen im dritten Quartal 2020 durchschnittlich 7,8 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2,9 Prozent. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz der andauernden Corona-Krise sowohl in der Stadt als auch auf dem Land weiterhin deutlich.

Der Median-Angebotskaufpreis liegt daher für Eigentumswohnungen (alle Baujahre) über alle untersuchten Gemeinden und Städte im Berchtesgadener Land bei etwa 4 100 Euro pro Quadratmeter und damit rund 6 Prozent über dem Vorjahreswert. Auch für Kapitalanleger gilt: Da Wohnen außerdem zu den Grundbedürfnissen zählt, wird diese Assetklasse nach wie vor als krisensicher eingestuft. Immerhin 40 Prozent der jüngeren Immobilienerwerber sehen danach im Erwerb einer Immobilie eine sichere Altersvorsorge beziehungsweise Vermögensanlage. Die anhaltend niedrigen Leerstände im Wohnbereich reduzieren Vermietungsrisiken. »Auch im Zuge der Covid-19-Pandemie kam es nur vereinzelt zu Mietausfällen«, so Armin Nowak.

Insgesamt ist aber am bayerischen Immobilienmarkt reichlich Liquidität vorhanden, wobei diese durch niedrige Kapitalmarktzinsen weiterhin beflügelt wird. Daher sind Immobilien aufgrund einer etwas reduzierten Zuversicht in die Finanz- und Aktienmärkte zu einer der gefragtesten Anlageformen aufgestiegen. Es ist daher zu erwarten, dass die Corona-Krise eine Umschichtung von Kapital in Immobilienanlagen weiter verstärkt.

Schaut man sich die Preisentwicklung in ausgewählten Städten der Region an, bestätigt sich das: Der Preis für ein Einfamilienhaus in Bad Reichenhall stieg beispielsweise von 450 000 auf 530 000 Euro an.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass der Wohnungsmarktsektor besser durch die Krise kommt als andere Vermögenswerte. Dafür sprechen unter anderem die kurz- und mittelfristige Stabilität der Mieten und die Zinsentwicklung. »Eine Blase auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt ist allerdings weiterhin nicht zu erwarten. Dafür sprechen das institutionelle Umfeld, die demografische Entwicklung und, falls notwendig, Eingriffe von Regulierungsbehörden und der Regierung. Angesichts des zuvor 15 Jahre andauernden Rückgangs der realen Hauspreise ist der gegenwärtige Anstieg der Hauspreise daher weiterhin als Normalisierung zu interpretieren.« (Quelle: Jochen Möbert und Heiko Peters, Analysten der Deutsche Bank Research)

Wirtschaftliche Lage unklar

Allerdings weiß derzeit niemand, wie sich die Einkommen weiter entwickeln werden. Schließlich ist die wirtschaftliche Lage unübersichtlich. Zwar hat sich die Konjunktur vom tiefen Einbruch des Frühjahrs kurzzeitig erholt, aber der erneute Lockdown im Herbst/Winter 2020 wegen des Coronageschehens und die daraus erwachsenden Einflüsse auf das Exportgeschäft sind für 2021 noch schwer abzusehen. Denkbar, dass angesichts von Entlassungen die Massenkaufkraft schwindet. »Das Ende der Fahnenstange«, so Aufsichtsrätin Ursula Hölzl, »könnte erreicht sein.«

Die Mieten im Landkreis haben sich auf hohem Niveau eingependelt. »Bezahlbare Wohnungen bleiben aber nach wie vor Mangelware«, so der Immobilienexperte Nowak. fb