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Die Premiumlinie von Salzburg über Anif, Marktschellenberg und Berchtesgaden bis nach Königssee verkehrt künftig im Halbstundentakt. (Foto: Schuhegger)

Kreistag beschließt Fortschreibung des Nahverkehrsplans

Kürzere Wartezeiten, verlängerte Fahrzeiten und gebündelte Linienkonzessionen. Der Landkreis Berchtesgadener Land arbeitet daran, das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) weiterzuentwickeln und zu stärken.


Die Verantwortlichen im Landratsamt haben einen Entwurf des Nahverkehrsplans aufgelegt, diesen den kreiseigenen Kommunen und verschiedenen Institutionen wie dem Landkreis Traunstein oder verschiedenen Bildungseinrichtungen präsentiert. Nun stimmte der Kreistag geschlossen den Inhalten des Endberichts zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans für den Landkreis Berchtesgadener Land zu.

Noch heuer sollen das landkreisweite Rufbussystem konzipiert und die vorbereitenden Maßnahmen eingeleitet werden, ebenfalls heuer oder im kommenden Jahr sollen die Angebote der Linien 852 (Freilassing - Saaldorf-Surheim - Laufen) und 829 (Bad Reichenhall - Piding - Anger - Teisendorf) verdichtet werden. Zusätzlich soll die Premiumlinie 840 erweitert werden.

Die Linie soll ab 1. Juni 2023 und bis 1. Mai 2026 durchgängig von Salzburg bis Königssee fahren. In dem Zeitraum sind im Haushalt dafür 774 000 bis 1,5 Millionen Euro eingeplant.

Insgesamt lässt sich der Landkreis die Fortschreibung des Nahverkehrsplans zwischen 2,7 und 4,7 Millionen Euro abzüglich rund 60 Prozent ÖPNV-Zuweisung und Fahrgeldeinnahmen kosten.

Wie Manuel Münch, Klimaschutzmanager des Landkreises erklärte, soll die Linie 840 ganzjährig zwischen 6 und 21 Uhr im 30-Minuten-Takt verkehren. Vom Hauptbahnhof Salzburg aus soll der Bus über die Alpenstraße nach Grödig, Anif und Marktschellenberg zum Bahnhof Berchtesgaden und von dort über Wemholz und Unterstein bis zur Jennerbahn fahren. Am Bahnhof Berchtesgaden fährt der Bus jeweils zu den Minuten 15 und 45 Richtung Salzburg ab, jeweils zu den Minuten 30 und 00 Richtung Königssee.

Wichtig sei es den Planern gewesen, die Linie 840 am Bahnhof Berchtesgaden mit dem Bahnverkehr zu verknüpfen. Die Umsteigezeiten sowohl vom Bus in den Zug als auch vom Zug in den Bus sollen also von jetzt oftmals rund 45 Minuten auf sieben bis maximal 17 Minuten verkürzt werden. Die Gemeinde Schönau am Königssee plant zeitgleich mit der Erweiterung der Premiumlinie bei den Linienbussen im Gemeindegebiet einen Einheitstarif einzuführen – 2 Euro soll eine Fahrt kosten. Kinder sollen 1 Euro pro Fahrt zahlen. Dieser Einheitstarif gelte, so Manuel Münch, auch für Fahrten von Berchtesgaden Bahnhof bis an den Königssee. Für die Mehrkosten, die dadurch entstehen, kommt die Gemeinde Schönau am Königssee auf.

Diese geht noch einen Schritt weiter. Sie will Angebotsverbesserungen bei den Linien 841 zwischen Berchtesgaden Bahnhof und Jennerbahn und der Ringlinie 843 herbeiführen. In die Linie 843 soll der Ortsteil Königssee und eine Querverbindung zwischen den Ortsteilen Unterstein und Schwöb eingebunden werden. Die Busse sollen gegenläufig im Halbstundentakt fahren. Die zusätzliche Haltestelle »Tradenlehen« zwischen Schwöb und Unterstein soll eingerichtet werden. Auch die Kosten dafür trägt die Gemeinde Schönau am Königsee.

Sowohl die Fortschreibung des Nahverkehrsplans als auch die Erweiterung der Linie 840 und die Angebotsverbesserungen der Gemeinde Schönau am Königsee gefielen den Kreisräten. Wolfgang Lochner (CSU) hob die besondere Bedeutung der Linie 840 hervor. Berufspendler wie Touristen profitierten davon. Er sagte, die eng getaktete Linie nach Salzburg stelle eine wichtige Verbindung zum Fern- und Flugverkehr her. »Eine Verbesserung der Lebensqualität hierzulande«, fasste er zusammen.

Dr. Reinhard Reichelt (Grüne) mahnte, die mögliche Bahnverbindung mit etwa dem gleichen Streckenverlauf wie die Linie 840 nicht aus den Augen zu verlieren. Auch Armin Nowak (FDP) sprach die Reaktivierung der Königseebahn an. Die Erweiterung der Linie 840 erachtet er als ersten Schritt. Sie könne langfristig in die Premiumlinie umfunktioniert werden, zeigte er seine Vision auf. Dr. Bartl Wimmer (Grüne) lobte Hannes Rasp, Bürgermeister aus Schönau am Königssee, für sein innovatives Konzept. Ebenso Thomas Weber (CSU), Bürgermeister aus Bischofswiesen: »Das hat Nachahmungscharakter.« li