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LaBrassBanda-Fans feiern Millionenkonzert auf dem Traunsteiner Stadtplatz

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Foto: Wannisch
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Foto: Wannisch

Traunstein – Ihr Millionenkonzert feierte die Überseer Band LaBrassBanda am gestrigen Sonntagabend mit einem mitreißenden Bühnenauftritt auf dem Traunsteiner Stadtplatz. Eine ganz besondere Geste erwartete zu diesem großen Jubiläum den glücklichen millionsten Besucher, der mit einem goldenen Mofa beschenkt wurde.


Die Frisur hält. Das Wetter auch. Noch bei der Anfahrt hatte es leicht genieselt, aber da es wohl auch Petrus selbst besser gefällt, wenn es trocken ist, hat er den Wolken den Hahn zugedreht. In der ganzen Stadt trifft man auf gut gelaunte Menschen, die dem Stadtplatz zustreben, um LaBrassBanda bei einem ihrer inzwischen selten gewordenen Heimspiele zu sehen.

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Sie kommen nicht nur aus Traunstein, sondern von weit her um ihre Idole zu sehen. Aus Miesbach, der Oberpfalz und Österreich zum Beispiel. Es ist ein besonderes Konzert, denn auf heimatlichem Boden wird der Millionste Konzertbesucher gefeiert. Ob sich die Bandmitglieder das damals schon gedacht haben, als sie 2007 angefangen haben? Dafür haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht und verlosten vor Konzertbeginn ein goldenes Zündapp-Moped. „In Originallackierung, oiso echt Gold wird‘s woi net sei.‘ erklärte Stefan Dettl dem Gewinner, einem jungen Mann aus der Oberpfalz.

Die Cafès und Wirtschaften rundum sind gut besucht. Viele stärken sich für das Konzert. Viele werden aber auch sitzen bleiben und zuhören. Auch innerhalb des Konzertgeländes muss dank Bier- und Burger-Insel niemand Hunger und Durst leiden. Und das „Cortina“ lockt mit Kaffee, Eisspezialitäten und Sitzplätzen. Der Sichtschutz, ein Bauzaun mit bunt bedruckter Folie, ist mit zahlreichen kleinen Sonnenblumensträußen dekoriert, die, so sagt Stefan Dettl kurz vor Konzertende, mitgenommen werden dürfen.

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Foto: Maria Ortner

Der Stadtplatz füllt sich stetig. Die Stadtkapelle Traunstein hat pünktlich mit ihrem Standkonzert angefangen und beendet nach etwa einer Stunde den Reigen traditioneller Stücke mit dem „Böhmischen Traum“. Sie werden mit viel Beifall „drinnen und draußen“ belohnt, und auch in zahlreichen Wohnungen sind bereits jetzt Bewohner, Freunde und Nachbarn in den geöffneten Fenstern zu sehen, die sich einen Konzertgenuss nicht entgehen lassen wollen. Auch die Musikanten von LaBrassBanda haben sich unter die Besucher gemischt. Ratschen mit Freunden, Bekannten, Nachbarn und Fans. Sie sind auf dem Boden geblieben. Stars zum Anfassen, die auch neben dem Merch-Stand keine Berührungsängste mit den Fans haben. Und die sich die Bands und Kapellen, mit denen sie Konzerte spielen, auch selbst anschauen.

Mit Onk Lou wurde es dann schon etwas lauter am Stadtplatz. Das Quartett aus Wien zaubert ein Set aus Independent Rock, Reggae und Funk. Die Besucher dürfen mitsingen und tun das auch ausgiebig. Es werden stetig mehr. Gute Laune und erwartungsvolle Stimmung sind beinahe körperlich greifbar. An Turbobier aus dem schönen Wien-Simmering, wie sie nicht müde werden zu betonten, ist heuer kein namhaftes Outdoor-Festival vorbeigekommen. Traunstein ist die vorletzte Station der Sommertour, bevor es nach Japan geht.

Zur Bilder-Galerie vom Konzert:

Turbobier sind laut, schnell und anarchisch. Punkrocker, die sich selbst nicht immer ganz ernst nehmen – außer es geht um Bier. Der Roadie öffnet kurz vor Show-Beginn die an jedem Mikrofonständer angebrachte Bierdose mit einem vernehmlichen Zischen, was unter den Fans ein wohliges „Aaaah“ auslöst und einige noch schnell an die Bierinsel treibt. Höhepunkte nicht nur für die überaus textsicheren Fans sind ‚Verliebt in einen Kiwara‘ und die Helene-Fischer-Parodie ‚Arbeitslos durch den Tag‘. Und natürlich die ‚Lesung aus der heiligen Bierbel‘ und ihrer zehn Gebote. Die Bierpartei, kurz BPÖ, gibt es übrigens wirklich – sie ist im österreichischen Parteienregister eingetragen.

»Das, was wir machen, kann Grenzen überwinden«

Wir waren im persönlichen Gespräch mit LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl.

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Als LaBrassBanda 2007 angefangen haben, waren sie eine Schar begeisterter Diplom-Musiker, die abseits des normalen Musikbetriebs etwas Ungewöhnliches machen wollten. Und das taten sie. Spielten barfuß, in Lederhose und T-Shirt – bis heute ihre Markenzeichen – überall wo sich eine Möglichkeit bot. Bis nach Wien sind sie mit ihren Mopeds gefahren, einen Bulldog mit Anhänger dabei, auf dem sie ihre Spontan-Konzerte spielten. Wer hätte damals gedacht, dass „LBB“ mit ihrem unkonventionellen Mix aus Bayerischer Musik, Balkan- und Gypsy-Beat und Jazz-Techno mal eine Million Besucher feiern und Konzerte auf der ganzen Welt spielen würden, und dass sie Heerscharen junger Musiker dazu inspirieren würden, auch den Aufbruch in neue Gefilde jenseits der traditionellen Volksmusik zu wagen.

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Foto: Wannisch

Zwei Stunden LaBrassBanda live erfordert nicht nur bei den Musikern eine gute Kondition, sondern auch bei den Fans. Tanzen, springen, hüpfen, singen – und langsam geht da eh nix. Frontmann Stefan Dettl, der bayerische Superschnellsprecher, könnte den legendären Dieter Thomas Heck da sicher ganz schön abhängen. Das Set ist eine „Hitparade“ aus fünf hervorragenden Studioalben. Klassiker wie ‚Autobahn‘, ‚VW-Jetta‘ und ‚Alarm‘ schallen im rasanten Wechsel mit dem ESC-Song ‚Nackert‘ aus den Boxen. Stefan Dettl hat für fast jedes Lied eine Geschichte parat, versteht es vortrefflich und sehr anschaulich, zum Beispiel die aufregenden Proben für den ESC zu schildern. ‚Rotes Hoserl’ darf nicht fehlen, ‚Australien‘ für Tubist Stefan Huber und der ‚Cadiallac‘ für Trompeter Jörg Hartl. Und auf Zuruf aus der ersten Reihe kommt das rasante ‚Inter Mailand‘. Der schnellste Techno aller Zeiten, grinst Dettl verschmitzt, sei aber ‚Holland‘.

Zur kurzen Erholung und für ein gutes Körpergefühl dürfen die Fans zwischendurch „Soul“ tanzen. Acht Schritte vor, acht zurück, eine Bewegung, „die ihr mit Sicherheit diese Woche noch nicht gemacht habt. Des is dann Freestyle“, animiert Dettl das Publikum – und jeder lacht sich eins und macht vergnügt mit; die Zaungäste hinter der Absperrung und an den geöffneten Wohnungsfenstern eingeschlossen.

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Foto: Ortner

Als den Fans beinahe die Puste ausgeht, gönnt „LBB“ ihnen nochmal eine kleine Verschnaufpause: Brass-Yoga mit der Rhythmusfraktion, Meister-Percussionist Manuel Da Coll und Bassist Fabian Jungreithmayr. Manuel Winbeck bekommt ein Posaunen-Solo und Korbi Weber hat die beste Tanz-Kondition wenn er grad nicht Trompete spielt, grinst Dettl. Und er selbst schenkt sich auch nix. Neben dem Spielen auch noch die Fans unterhalten und Schnellsprechgesang zu zelebrieren, ist eine Herausforderung, die er gerne annimmt. Auch ein paar Wünsche gibt er den restlos begeisterten Fans noch mit: „Haltet zusammen. Helft einander und tragt die Liebe hinaus in die Welt“, sprach er, sprang über die Absperrung hinweg und nahm nach dem offiziellen Konzertende mit seinen Kollegen noch ein kleines Akustikbad in der Menge.

Maria Ortner

 

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