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Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

Lebensgefahr für 20 Bewohner: Zwölf Jahre Haft und Unterbringung zum Entzug nach Brandlegung in Wohnheim

Traunstein/Tuntenhausen – In Lebensgefahr mitten in der Nacht brachte ein 41-jähriger Rumäne die 20 Bewohner einer Unterkunft für osteuropäische Staatsbürger in der Ortsmitte von Tuntenhausen: Er verschüttete in einem Zimmer eine brennbare Flüssigkeit und entzündete sie. Bei der Flucht aus dem Raum erlitten zwei Männer schwere Brandverletzungen. Am Dienstag verurteilte das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Volker Ziegler den Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und Unterbringung zum Alkoholentzug. 


In der Nacht zum 20. Juni 2021, war der betrunkene 41-Jährige gemäß Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in das Zimmer der beiden Männer gegangen. Einer wurde wach und fragte, was los sei. Der Eindringling rief mehrmals: »Ich bring euch um, ich fackel euch ab.« Er vergoss den 2,5-Liter-Kanister mit Benzin, den er zuvor auf der Fahrt mit einem Freund von München nach Tuntenhausen an einer Tankstelle gekauft hatte, und steckte das Benzin mit einem Feuerzeug in Brand. Die Flammen griffen über auf den Raum und letztlich auf das ganze Wohnheim. Die Integrierte Leitstelle alarmierte mehrere Feuerwehren. Beim Eintreffen der Helfer stand das Mehrparteienhaus schon in Vollbrand. Trotz des schnellen Löscheinsatzes brannte die Immobilie aus. Den Gebäudeschaden bezifferten Fachleute später mit knapp einer Million Euro, den Hausratsschaden mit weiteren rund 200.000 Euro.

Alle Bewohner konnten letztlich gerettet werden, der größte Teil unverletzt, wenige mit leichten Blessuren. Die zwei Männer im Zimmer allerdings, hatten schlimme Folgen erlitten. Einer musste mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Unfallklinik Murnau geflogen werden. Er wies an60 Prozent seiner Körperoberfläche Verbrennungen zweiten Grades auf. Eine Rechtsmedizinerin berichtete in dem dreitägigen Prozess, sie habe noch nie vorher derartige Brandwunden gesehen. Der Mann musste vier Operationen einschließlich mehrerer Hauttransplantationen durchmachen und bis 9. August 2021 stationär im Krankenhaus Murnau bleiben. Der Mitbewohner kam in jener Juninacht ins Klinikum Rosenheim – mit Verbrennungen zweiten Grades an beiden Unterschenkeln und am rechten Oberkörper sowie einem Inhalationstrauma.

In der Hauptverhandlung wurde das Motiv des geständigen Angeklagten nicht recht klar. Der 41-Jährige gab fehlende Erinnerung an. Gleichzeitig schloss er die Täterschaft nicht aus. Er habe sehr viel getrunken gehabt, meinte er. Weitere Angaben machte er nicht.

Brandstifter und Opfer kannten sich seit der Kindheit aus ihrem Heimatdorf in Rumänien und hatten seit Jahren immer wieder Streit. Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten nun im Schlussantrag 20-fachen versuchten Mord und weitere Delikte vor, unter anderem »schwere Körperverletzung« ob der bleibenden Narben und gefährliche Körperverletzung. Die Männer in dem Zimmer wie die im übrigen Haus zumeist schlafenden Bewohner hätten »großes Glück« gehabt, zu überleben. Der Staatsanwalt forderte 13 Jahre Gefängnis und Unterbringung in einer Entzugsanstalt. Verteidiger Dr. Markus Frank aus Rosenheim betonte, insgesamt habe die Brandstiftung noch relativ glimpflich geendet. Eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren und die Unterbringung wegen der Alkoholabhängigkeit seines Mandanten seien ausreichend.

Das Schwurgericht hielt neben der Unterbringung jedoch eine deutlich höhere Freiheitsstrafe für unumgänglich – wegen versuchten Mordes, versuchter Brandstiftung mit Todesfolge, schwerer Brandstiftung, schwerer Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung. Vorsitzender Richter Volker Ziegler verkündete im Urteil, vor Antritt der Alkoholtherapie in geschlossener Unterbringung müsse der 41-Jährige viereinhalb Jahre der Strafe in einer Justizvollzugsanstalt verbüßen.

kd