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Liederpoet und Rebell der Liebe

Es ist schon einige Zeit her, dass ich auf Peter Horton aufmerksam wurde. Genauer gesagt, war es 1972, als er mit seinem »Kartendippler-Blues« einen Hit landete. Da konnte der am 19. September 1941 in Feldsberg (heute: Valtice) im damaligen Südmähren (heute: Tschechien) als Peter Müller geborene Musiker allerdings schon auf eine beachtliche Karriere als Sänger, Gitarrist und Komponist zurückblicken. So bereiste er als Mitglied der Wiener Sängerknaben die ganze Welt, gründete mit 16 seine erste Band und hatte mit 18 seine erste Bühnenshow als Sänger in der Wiener Szene bei Jazzlegende Fatty George (Fatty's Saloon).

Peter Horton, Slava Kantcheff und Andreas Keller (v. l.) begeisterten im NUTS. (Foto: Heel)

In den sechziger Jahren sang er u. a. in der ersten Beat-Oper der Welt, »Robinson 2000«, tourte als Entertainer und Gitarrist durch die USA, Japan und Brasilien und vertrat Österreich 1967 beim Eurovision Song Contest mit dem Titel »Warum es hunderttausend Sterne gibt«. Von 1978 bis 1984 spielte er im Duo Guitarissimo mit Sigi Schwab, 1985 gründete er das Duo Symphonic Fingers mit der deutsch-bulgarischen Pianistin und Sängerin Slava Kantcheff, mit der er auch neun Jahre verheiratet war.

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Daneben wirkte er als Gastsolist bei Produktionen von Weltstars wie Plácido Domingo, Peter Schreier und Art Van Damme mit und schrieb als Gastgeber mit seinen Sendereihen »Café in Takt« (ARD), »Hortons Kleine Nachtmusik« (ZDF) und »Horton's Bistro« (ZDF) ein Stück deutsche Fernsehgeschichte. Insgesamt veröffentlichte er etwa 60 Platten/CDs und 11 Bücher, sein ganzheitliches Unterhaltungskonzept nennt er »Philotainment«.

Jetzt war das Multitalent zu Gast in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, begleitet von dem Schlagzeuger Andreas Keller, der mit seinem dezenten, einfühlsamen Spiel Peter Hortons Show punktsicher ergänzte. Entsprechend seinem Ruf als Interpret eher leiser, sanfter Töne eröffnete er den Abend mit dem Lied »Sprich leiser«, ehe er auf sein erstes, 1978 erschienenes Buch mit Aphorismen »Die andere Saite« zu sprechen kam. Auf Aphorismen wie »Von einem Hirn, das auszog« oder »Treppenstürze schärfen das Bewusstsein für oben«, entstanden im Dunstkreis der 68er-Bewegung, die ihm heute zum Teil jedoch ein wenig zynisch vorkämen, schließlich sei Zynismus nichts weiter als steckengebliebene Trauer.

Weitere Lieder wie »Wenn du nichts hast als die Liebe« oder »Solang du in dir selber nicht zuhause bist«, größtenteils seinem aktuellen Album »Personalissimo« entnommen, erzählten von der Liebe bzw. von den Gegensätzen zwischen Mann und Frau, aber auch davon, mal den Dingen ihren Lauf zu lassen (»Lass das Haar mal in der Suppe«) oder den »Countdown oder Start der ersten österreichischen Mondrakete« mit Wiener Humor zu nehmen.

Sehr schön und tief berührend auch sein Lied über seinen Vater, den er kaum gekannt hat, der aber »war, wie er war, wunderbar, einfach, weil er mein Vater war«, oder wenn er mit seiner unverkennbaren Stimme über die Schönheit der Natur und das Älterwerden in »Wilde Gärten« sinnierte.

Als Gaststar des Abends hatte auch Slava Kantcheff im Duett mit Horton ein paar hinreißende Auftritte. Zunächst mit der Geschichte von »Erbonkelchens Tod«, eines der ewig aktuellen Couplets Otto Reuters, dann mit dem Klassiker »My Way«, wobei sie den französischen Originaltext von Claude Francois rezitierte, während Horton zwischendurch die von Paul Anka geschriebene und allseits bekannte Version vortrug. Die, nebenbei bemerkt, mit dem Original, das vom Zerfall einer Ehe erzählt, nichts gemeinsam hat.

Viel gemeinsam hatten jedoch Horton und sein Schlagzeuger Andreas Keller, der auch als Komponist und Produzent tätig ist und mit einem knapp zehnminütigen Solo demonstrierte, dass er auch richtig laut werden (und für sich allein stehen) kann. Einfach klasse, und so bleibt als Fazit nur: Besser geht's nicht. Wolfgang Schweiger