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Ausstellung im Atelierhaus von Ekkehard Wiegand bis einschließlich Sonntag in Gengham bei Palling – Auch der Hausherr stellt aus

Malerei und Farbradierungen von Pino Zurzulo

»Pfeifenraucher« ist eines der ausgestellten Gemälde von Pino Zurzulo im Atelierhaus in Gengham. (Foto: Morgenroth)

Vor 13 Jahren baute der Künstler Ekkehard Wiegand sich sein Atelierhaus in Gengham bei Palling und präsentierte 2002 in den ausgezeichnet konzipierten Räumen die erste Sommerausstellung. Seit dieser Zeit findet einmal im Jahr eine umfassende Ausstellung statt. Diese Präsentationen entwickelten sich im Laufe der Jahre zur festen Institution, wobei Arbeiten von Ekkehard Wiegand selbst, aber auch Werke von Künstlerkollegen gezeigt werden.


Zudem ist der Künstler Wiegand bemüht, in den Ausstellungen Exponate von namhaften, etablierten und international anerkannten Künstlern zeigen zu können wie z. B. 2013 Blätter von Marino Marini oder 2014 Grafiken von Otto Dix, Salvadore Dali und Pablo Picasso. In der derzeitigen Ausstellung sind Ölgemälde des in Ainring lebenden und dort arbeitenden Malers Pino Zurzulo zu sehen.

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Der 56-jährige Grafiker und Maler Zurzulo wurde in Reggio di Calabria/Süditalien geboren und ist in Mailand aufgewachsen. An der Accademia di Brera in Mailand absolvierte er sein Malereistudium. Im Jahre 1981 übersiedelte er nach Salzburg und arbeitete dort anschließend jahrelang mit dem japanischen Maler und Grafiker Yoshi Takahashi zusammen. Pino Zurzulo lernte bei Takahashi eine ganz außergewöhnlich professionelle und spezielle Technik der Farbradierung.

Pino Zurzulo ist mit der japanischen Pianistin Kana Zurzulo verheiratet und verlegte 1987 seinen Wohnsitz nach Deutschland, nach Ainring bei Freilassing, wo die ausgestellten Werke entstanden sind. Zurzulos Werke sind in vielen Privatsammlungen vertreten. Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen (Deutschland, Österreich, Japan) begleiteten sein bisheriges Kunstschaffen.

Den Schwerpunkt der 37 Exponate in Gengham bilden neben den Stillleben seine Ölgemälde »Samurai« und seine »figürlichen Arbeiten«. Einen ganz eigenen Stellenwert nehmen die unglaublich raffinierten und ausdrucksstarken Farbradierungen ein. In seinem künstlerischen Schaffen steht Zurzulo Paul Klee nahe, aber er entwickelt eine eigenständige Bildwelt. Sein wesentliches Ausdrucksmittel, die Farbe, setzt er in ihrer ganzen Vielfalt und im verhaltenen wie auch freien, fließenden Spiel ein und findet zur eigenen Formulierung, die er sowohl in der Malerei wie auch in der Druckgrafik anwendet.

In den auf der linken Seite am Eingang ausgestellten kleinformatigen Arbeiten mit den Titeln »Am Meer« ist das Bildereignis in einem spontanen, kraftvollen Malprozess ohne besondere Vorarbeit allein aus der Farbe erwachsen, teils aus kontrastreichen Akkorden.

Bereits als Kind faszinierten Pino Zurzulo die Samurais, so ist es auch verständlich, dass diese Kämpfer und Krieger sich auch in seinen Bildthemen wiederfinden. Mit unzähligen Farbschichten und pastosem Farbauftrag formt er eindringliche Figuren mit manchmal verzerrtem Antlitz sowie mit seltsam schrägstehenden Augen. Die Arbeiten weisen dabei eine gewisse Raumtiefe auf, sie leben jedoch vor allem aus ihrer Flächigkeit.

Bei seinen ausgestellten Gemälden wie »Fast ein Napoleon«, »Pfeifenraucher«, »Der betrunkene Harlekin« stellt er die Figuren in eine gewisse Ordnung und diese Ordnung durchdringt das ganze Bild. Vielfach setzt er dabei als Signalzeichen eine Pfeife, eine geometrische »Krone« auf dem Kopf, aus Dreiecken oder Trapezformen gestaltete schräganliegende Formationen über dem Kopf, oder einen an Napoleon erinnernden geschwungenen Hut. Seine Stillleben leben von abgestuften, mosaikartig zusammengesetzten Formen.

Die Radierungen sind in der Technik der Aquatinta ausgeführt, bei der Zurzulo jede einzelne Radierung überwiegend von den drei Grundfarben Gelb, Blau und Rot druckt. Dabei ätzt er die drei Platten in unzähligen feinen Abstufungen bei unterschiedlicher Ätzdauer von einer Minute über mehrere Stunden und erzielt dadurch im Druck eine außerordentliche Differenzierung in der Farbgebung mit leuchtenden Farbschichten und samtig schimmernder Tiefe. Die Exponate des Hausherrn Ekkehard Wiegand selbst zeigen frühe Arbeiten in Mischtechnik wie z.B. »Köpfe« oder geometrische Blätter wie auch Skulpturen, überwiegend Büsten aus Holz und bemalt aber auch Bronzegüsse sowie geometrische Formulierungen aus Stein. Die Größe und das Gewicht der bearbeiteten Steine, vor allem aber die dramatische Kraft und Energie, die ihnen eigen sind, weisen auf den hohen Anspruch, den Wiegand an die Kunst stellt.

Ekkehard Wiegand bewegt sich als Künstler stets in verschiedenen Werkgruppen nebeneinander. Er malt Bilder, widmet sich der Radierkunst, zeichnet und collagiert, modelliert Plastiken, fertigt Skulpturen aus Holz und Stein, entwirft »Möbelstücke« und »Fahrzeuge« aus Holz und Metall. Von zentraler Bedeutung in seinem Kunstschaffen ist das Leitmotiv »Büste«, die seinen kontinuierlichen Schaffensprozess bestimmt. Mit seinem gesamten Oeuvre zählt Ekkehard Wiegand zu den herausragendsten Künstlern im Chiemgau.

Die äußerst interessante Ausstellung im Atelierhaus von Ekkehard Wiegand in Gengham 12 bei Palling ist bis einschließlich Sonntag zu sehen undtäglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth