Mergim Berisha blickt zurück: »Ein super Jahr für mich«

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Am Riedherrn fing seine erfolgreiche Fußballkarriere an: Mergim Berisha von Red Bull Salzburg besuchte kürzlich seinen ehemaligen Verein, den FC Bischofswiesen. Er spendete 5 000 Euro an den Vorstand, um die Jugendarbeit zu fördern. (Foto: Patrick Vietze)

Mergim Berisha wird unter tosendem Applaus im Riedherrnstadion in Bischofswiesen empfangen. Er gibt den Nachwuchsspielern Autogramme und spielt mit ihnen Fußball. Der ehemalige Spieler des FC Bischofswiesen blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück: ein Meistertitel mit dem FC Red Bull Salzburg, 22 Saisontore und ein Europameistertitel mit der U 21-Nationalmannschaft. Im Interview erklärt er, warum die U 21-Nationalmannschaft so erfolgreich war und wieso er bis heute noch im Kontakt mit dem FC Bischofswiesen ist. Außerdem schwärmt er vom hohen Niveau in der Champions League.

Herr Berisha, Sie haben kürzlich die U 21-Europameisterschaft gewonnen. Wie haben Sie sich gefühlt, als im Finale der Schlusspfiff ertönte?

Mergim Berisha: Ich war erleichtert. So ein Finale zu spielen – mit so vielen Emotionen – und es auch noch zu gewinnen, war überragend. Unbeschreiblich. Ich bin froh, Teil dieser Mannschaft zu sein.

Warum waren Sie so erfolgreich? Immerhin galten Spanien, Frankreich und England als Favoriten.

Berisha: Ja, man hat am Anfang des Turniers sehr viel über den Marktwert gesprochen. Ich denke, in solchen Turnieren kommt es nicht darauf an, welchen Marktwert die gesamte Mannschaft hat, sondern der Teamgeist entscheidet das Ganze. Wir haben füreinander gekämpft, sind füreinander gelaufen. Jeder wollte unbedingt gewinnen. Und somit haben wir uns, das denke ich, verdient den Titel geholt.

Ihr Turnierverlauf sah aber nicht immer souverän aus. Sie standen gefühlt dreimal vor dem Aus: Einmal im Gruppenspiel gegen die Niederlande (Endstand 1:1), ein erzittertes 0:0 gegen Rumänien und der Elfer-Krimi im Viertelfinale gegen Dänemark.

Berisha: Ein bisschen Glück braucht man natürlich auch. Das Elfmeterschießen gegen Dänemark hätte in jede Richtung gehen können. Doch selbst da haben wir gezeigt, was für eine geile Mannschaft wir sind. Und im Halbfinale und Finale haben wir dann ein super Spiel gemacht.

Pech hatten Sie dagegen im Halbfinale gegen die Niederlande. Dreimal haben Sie den Pfosten getroffen. Am Ende wurde es für Sie eng und Sie sind mit einem knappen 2:1-Erfolg ins Finale eingezogen. Ärgern Sie sich noch immer über die vergebenen Chancen?

Berisha: Jetzt nicht mehr. Ich weiß, ich hätte das eine oder andere Tor schießen können. Manchmal gibt es im Fußball Momente, wo man selber nicht weiß, wie der Ball ins Tor geht. Und dann solche, wo man Pech hat. Ich bin aber überzeugt, dass demnächst das Glück wieder auf meiner Seite ist.

Was spielte sich während der EM in den Kabinen ab?

Berisha: Viele von uns waren vor dem Spiel konzentriert und hörten Musik. Vor dem eigentlichen Aufwärmen wärmten wir uns schon in der Kabine auf. Natürlich gingen wir gewisse Spielabläufe durch. Vor Spielbeginn motivierte uns der Trainer. In der Halbzeitpause sprach der Trainer Punkte an, die nicht so gut waren und wie wir es den Gegnern in der zweiten Halbzeit schwerer machen können.

Trainer Stefan Kuntz hat vor dem Halbfinale in einer Motivationsrede gesagt, die Mannschaft müsse mit einem Löwenherz spielen, mit Adleraugen auf dem Platz stehen und wie ein Hyänenrudel agieren. Inwiefern hat Ihnen diese Ansprache geholfen?

Berisha: Kuntz hat uns sehr gut motiviert. Wir haben ihm sehr viel zurückgegeben. Man hat gleich von der ersten Sekunde an gemerkt, dass wir unbedingt den Sieg wollten. Die bildliche Sprache seiner Rede hat mir auch gut gefallen.

Sie waren nicht nur mit der deutschen U 21-Nationalmannschaft erfolgreich, sondern auch mit Red Bull Salzburg. 42 Pflichtspiele, darunter sechs in der Champions League, ein Meistertitel, 22 Tore und 14 Vorlagen lautet Ihre Bilanz. Wie zufrieden sind Sie nach dieser Saison?

Berisha: Es war ein super Jahr für mich. Ich freue mich, dass ich mit meinen Toren und Assists der Mannschaft helfen konnte. In der Champions League durfte ich performen, in der Europa League habe ich auch meine Spiele gemacht.

Zum ersten Mal durften Sie auch in der Champions League mitmischen. Welche Erfahrungen haben Sie aus der Königsklasse mitgenommen?

Berisha: Auf so einem hohen Niveau entscheiden Kleinigkeiten über den Sieg. Wir haben als Red Bull Salzburg einen sehr guten Auftritt gezeigt, waren immer hungrig, waren immer da, sind füreinander gelaufen, haben immer gekämpft und alles probiert. Es macht mich stolz, dass ich in so einem Wettbewerb mitspielen durfte.

Und dann treffen Sie in Ihrer ersten Champions-League-Saison auf FC Bayern und Athletico Madrid.

Berisha: Für mich ist es etwas ganz Besonderes, gegen solche Mannschaften zu spielen. Man trifft nicht täglich auf FC Bayern München oder Athletico Madrid. Beide spielen auf höchstem Niveau. Ich denke aber, wir hätten in manchen Situationen mit mehr Glück eine der Begegnungen gewinnen können.

Was macht Red Bull Salzburg für Sie so besonders?

Berisha: Der Verein spielt international und wird von Jahr zu Jahr immer besser. Red Bull Salzburg ist eine Top-Adresse für Europa.

Welche Ziele haben Sie mit dem Verein?

Berisha: Wichtig ist, dass wir uns wieder für die Champions League qualifizieren und die Meisterschaft in der Bundesliga gewinnen.

Die U 21-EM ist vorbei und aktuell läuft die Fußballeuropameisterschaft. Hatten Sie jetzt Zeit zum Durchschnaufen?

Berisha: Ja. Ich hatte jetzt Urlaub. Meine Batterien sind wieder aufgeladen.

Wie haben Sie die freie Zeit verbracht?

Berisha: Ehrlich gesagt, ich habe nur gechillt. Ich wollte mich entspannen und eine gute Regeneration haben. Das zählt für mich.

Am 3. Juli wird der »Berchtesgadener Anzeiger«-Cup ausgetragen. Da spielt auch der FC Bischofswiesen mit. Können Sie sich vorstellen, an diesem Tag für Ihren ehemaligen Verein zu stürmen?

Berisha: Gute Frage. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt darf (lacht).

Welche Verbindung haben Sie aktuell noch zum FC Bischofswiesen?

Berisha: Meine Familie, mein Manager und ich sind ständig im Austausch mit Aki, meinem ehemaligen Jugendtrainer. Wir haben dem Verein vieles zu verdanken. Ohne den FC Bischofswiesen wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Deshalb ist die Beziehung zum Verein etwas ganz Besonderes. Ich bin auch gerne in Bischofswiesen und es freut mich, dass ich den Kindern eine Freude bereiten kann.

Patrick Vietze