Parken und schlafen für kurze Zeit

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Rund 80 Fahrzeuge könnten auf dem Wohnmobilstellplatz unweit der Grundbrücke am Königssee Platz haben. Die Gemeinde Schönau am Königssee plant die Inbetriebnahme vermutlich noch im Mai. (Foto: Ulli Kastner)

Schönau am Königssee – Die Gemeinde Schönau am Königssee bereitet sich auf den in der Saison erneut zu erwartenden Ansturm von Wohnmobilen vor. Auf der Kiesfläche hinter dem Grafenkopf zwischen Grundbrücke und ehemaligem Hotel »Seeklause« will man noch im Mai den ersten kommunalen Wohnmobilstellplatz im südlichen Landkreis eröffnen. Und gleich daneben, direkt an der Schornstraße, soll bis zum Sommer noch eine Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile gebaut werden


Der Druck auf die Gemeinden, neben den privat betriebenen Campingplätzen zusätzliche kommunale Wohnmobilstellplätze auszuweisen, nahm in den letzten Jahren konstant zu. Vor allem im letzten Sommer, als viele nach dem ersten Lockdown die wiedergewonnene Freiheit genossen, wurde das Berchtesgadener Land von Wohnmobilen geradezu überrollt. Viele Camper nutzten die verschiedenen Wanderparkplätze, am Königssee war der Parkplatzbereich hinter der Tankstelle Königssee ein beliebter Anlaufpunkt.

»Das war aber nie ein offizieller Wohnmobilstellplatz«, sagt dazu Geschäftsleiter Andreas Huber von der Gemeinde Schönau am Königssee. Vor allem über das Internet, über die sozialen Medien sei der Platz bei Campern aber sehr bekannt geworden. »So hat es sich dann eingebürgert, dass die Wohnmobile dort standen, obwohl es eigentlich nur ein ganz normaler Parkplatz ist.« Eine Nächtigung sei dort eigentlich nicht gestattet, sagt Huber, »aber das ist halt schwer zu kontrollieren«. Außerdem seien in der Hauptsaison die Campingplätze bereits ausgelastet gewesen. »Und wo sollen die Leute dann hin? Wenn wir sie vertreiben, dann stehen sie woanders.« So signalisiert der Geschäftsleiter auch ein wenig Verständnis für die Urlauber, »die die wiedergewonnene Reisefreiheit halt genießen wollten«. Es handle sich ja auch keinesfalls um ungewollte Gäste, denn auch sie würden dem heimischen Tourismus Umsatz bringen.

Die Lösung soll nun die Ausweisung eines offiziellen Wohnmobilstellplatzes zwischen Königsseer Ache und Grafenkopf sein. Diese wurde möglich, weil die Gemeinde eine zusätzliche Grundstücksfläche anpachten konnte. Viel muss man für einen solchen Stellplatz eigentlich nicht machen, denn Infrastruktur ist kaum notwendig. Die entsprechende Beschilderung und Parkautomaten müssen errichtet werden, eventuell überlegt man sich etwas in punkto Müllentsorgung, das war's schon. Eine Asphaltierung ist vorerst nicht geplant, über die Höhe der Gebühren und die maximale Parkdauer muss der Gemeinderat demnächst noch entscheiden. Andreas Huber betont, dass es sich um keinen Campingplatz handle. »Campen ist dort nicht erlaubt. Das wäre der Fall, wenn man Stühle und Tisch vor das Wohnmobil stellt oder das Fahrzeug aufbockt beziehungsweise mit Keilen sichert.« Die Wohnmobilisten dürfen dort aber beispielsweise eine, zwei oder drei Nächte bleiben, dazwischen Ausflüge machen. Rund 80 Fahrzeuge könnten nach Schätzung Hubers in dem Bereich Platz haben. »Wir müssen erstmal schauen, wie sich das entwickelt. Sicher muss man auch mal kontrollieren, um unter anderem zu vermeiden, dass die Fahrzeuge zu weit auseinander stehen.«

Huber geht davon aus, dass der Wohnmobilstellplatz noch im Mai in Betrieb genommen werden kann. Die Automaten sind bereits bestellt, die müssen dann nur noch aufgestellt und die Preise programmiert werden.

Etwas länger wird es noch dauern, bis die nur wenige Meter entfernte Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile direkt an der Schornstraße vollendet ist. 100 000 Euro hat der Gemeinderat dafür im Haushaltsplan bereitgestellt. Hier sollen die Wohnmobile Frischwasser tanken können sowie ihre Grauwasserbehälter und die Chemietoiletten entleeren können. »Wir haben uns hier für eine sehr hochwertige Lösung entschieden«, erklärt Huber. Beim sogenannten »Camper Clean«, der etwa aussieht wie ein großer Getränkeautomat oder eine Zapfsäule, handelt es sich um eine vollautomatische Reinigungsstation für mobile Campingtoiletten in Edelstahl-Ausführung. Über die Preisgestaltung für diesen Service wird auch noch der Gemeinderat entscheiden, auch die Wasserentnahme könnte man sich bezahlen lassen.

Bis es soweit ist, werden aber noch einige Wochen, wenn nicht gar Monate vergehen. Es muss asphaltiert werden, man benötigt einen Kanal-, Strom- und Wasseranschluss. »Und dann müssen die Geräte noch geliefert werden.« Bis Juli könnte es vielleicht etwas werden mit der Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile. Womöglich werden die anderen Gemeinden irgendwann nachziehen, denn geplant wird bereits.

Ulli Kastner