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»So viele Unternehmen im Landkreis vernetzen, wie möglich«

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Mit 22 Jahren ist Franziska Böhnlein zwar noch jung. Aber bereit, im Vorstand der Wirtschaftsjunioren Berchtesgadener Land anzupacken. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Wenn Franziska Böhnlein, rote Bluse, schwarzer Hosenanzug, über die Wirtschaftsjunioren Berchtesgadener Land spricht, dann ist die wiedergewählte stellvertretende Vorsitzende ganz Business-Lady.


Die Wirtschaftsjunioren befinden sich gerade im Steigflug, man verzeichnet Mitgliederzuwachs – »und auch, was die Aktivitäten angeht, müssen wir uns nicht hinter dem Berg halten«. Dass die 22-Jährige an der heimischen Wirtschaft so großes Interesse zeigt, hängt in besonderem Maße mit ihrem Beruf zusammen.

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Franziska Böhnlein empfängt den »Berchtesgadener Anzeiger« zum Gespräch in den Geschäftsräumen am Salinenplatz: Konferenzraum, großer Tisch, ein Blick durch das Panoramafenster zeigt den Watzmann in der Frontalen. Vater Werner Böhnlein führt die Firma »Schnurrer Brennstoffe« seit vielen Jahren. Der Urgroßvater fuhr bereits Kohlen aus. »Ich bin schon als fünfjähriges Mädchen mit meinem Papa im Lastwagen dabei gewesen, um Öl auszufahren«, sagt Franziska Böhnlein. Das habe ihr schon damals großen Spaß bereitet. Zumal sie noch nie ein Problem hatte, sich auch mal schmutzig zu machen.

Ihre spätere Berufslaufbahn sei damit schon so gut wie vorbestimmt gewesen, sagt die junge Frau, die in Berchtesgaden zur Schule ging, dann ihre Ausbildung absolvierte und schließlich ins heimische Unternehmen einstieg. »Der Energiehandel ist ein vielfältiges Aufgabengebiet, eine sich ständig wandelnde Branche«, sagt Böhnlein, die sich vor allem mit den Bereichen Strom und Erdgas beschäftigt.

Kontakte knüpfen und netzwerken

Auf die Wirtschaftsjunioren aufmerksam wurde sie über einen Brief der Industrie- und Handelskammer (IHK). Darin war eine Einladung zu einem Vortrag mit dem Thema »Unternehmensübernahmen«. 19 Jahre war sie damals alt, zwar volljährig, aber noch ziemlich jung: »Erfahrung haben die, die schon länger dabei sind«, sagt Böhnlein. Sie wollte netzwerken und Kontakte knüpfen, die in der Wirtschaft von unschätzbarem Wert seien.

Immerhin sind die Mitglieder der Wirtschaftsjunioren eine bunt gemischte Gruppe: Vom Steuerberater über Gastronomen bis hin zum Firmenlenker sind alle möglichen Branchen dort vertreten. Den Brief der IHK nahm sie zum Anlass, bei den Wirtschaftsjunioren mal reinzuschnuppern, von denen sie zwar schon gehört hatte, aber zu Beginn nicht recht wusste, was sie erwarten würde. Sie fuhr also vorbei: »Die haben mich sofort gecatcht«, sagt Böhnlein. »Es ist für mich wichtig, mit Leuten zu reden, die mehr Berufserfahrung haben als ich.«

Wer zu den Wirtschaftsjunioren des Landkreises gehen möchte, muss unter 40 Jahre alt sein. Mit 19 war sie mit Abstand die Jüngste, zudem die einzige Frau. »Ich bin gut aufgenommen worden, habe mich von Anfang an wohl gefühlt.« Dass sie dabei bleiben wollte, stand für sie von Anfang an fest. »Ich versuche die Frauenquote zu erhöhen«, sagt sie und grinst dabei. In der Tat sind es mittlerweile schon zwei Unternehmerinnen, die bei den Junioren aktiv sind. Generell ist die Organisation aber männerdominiert, was für Franziska Böhnlein aber nicht heißt, untätig zu bleiben: »Wir wollen so viele Unternehmen im Landkreis vernetzen wie nur irgendwie möglich«, sagt sie.

»Es gibt immer was zu tun«

Branchenübergreifendes Arbeiten sei in diesen Zeiten von besonderem Wert. Bei der Gründerwoche im vergangenen Jahr konnten bereits junge Firmengründer erste Ideen und Ratschläge einholen und Kontakte zu denjenigen knüpfen, die mit ihren Unternehmen bereits erfolgreich sind. Für Böhnlein ist die Mitgliederakquirierung ein wichtiger Punkt, um auf lange Sicht erfolgreich zu bleiben. Denn vor wenigen Jahren standen die Wirtschaftsjunioren kurz vor dem Aus. Die Strukturen stimmten nicht mehr, es wurde zu wenig getan, um am Puls der Zeit zu bleiben. Deshalb lautet ihr Motto: »Es gibt immer was zu tun, und wenn nicht, finden wir etwas.« Dass Franziska Böhnlein ein Unternehmerkind ist, wird im Gespräch schnell klar: »Weiterbildung hat oberste Priorität«, sagt sie. Man müsse die Augen immer geöffnet halten. Deshalb ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass sie demnächst den Lkw-Führerschein anstrebt. Um auch im eigenen Unternehmen mal einspringen zu können, wenn ein Fahrer ausfällt. »Ich packe gerne auch persönlich an«, sagt die junge Frau.

Dass Böhnlein mittlerweile auch im Vorstand der Wirtschaftsjunioren sitzt und kürzlich erst zur stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt wurde, freut sie natürlich und gibt Ansporn, die Arbeit erfolgreich weiterzuführen. Viele Themen sind dieses Jahr geplant, etwa der erste Unternehmertag überhaupt. Morgen Samstag treffen sich Mitglieder und Interessierte ab 10 Uhr an der Gaisbergstraße 1 in Ainring. Drei Fachvorträge sind geplant, unter anderem zu den Themen »Big Data« und Unternehmensnachfolge. Über das Jahr hinweg sind drei weitere Impulsvorträge angedacht, drei Betriebsbesichtigungen sowie drei Events. Zudem treffen sich die Mitglieder einmal im Monat. Wenn es nach Franziska Böhnlein geht, sollen die Wirtschaftsjunioren in der heimischen Wirtschaft in Zukunft noch deutlicher wahrgenommen werden. »Wir sind auf einem guten Weg.« Kilian Pfeiffer