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Spielplatz in Unterstein eingeweiht: »Nehmt Rücksicht auf Groß und Klein«

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Königssee: Spielplatz in Unterstein eingeweiht: »Nehmt Rücksicht auf Groß und Klein«
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Politiker, Geistliche, Mitarbeiter der Kindertagesstätte und die Kleinen freuten sich über die Einweihung des Themenspielplatzes Wildbiene in Unterstein. (Fotos: Patrick Vietze)

Schönau am Königssee – Die Kleinen der Kindertagesstätte Unterstein haben allen Grund zum Jubeln: Der Themenspielplatz Wildbiene am Gradierwerk in Unterstein ist am Dienstagvormittag eingeweiht worden. Hiermit wird der Aspekt Nachhaltigkeit neben dem Wildbienenhotel und der Bienen-Blumenwiese um ein weiteres Gelände ergänzt. Allen Anwesenden war es besonders wichtig, dass sich die Kinder für den Entwurf entschieden haben.


Das neue Bauwerk besteht aus einer Bienenwabe mit Rutsche, einem Spinnennetz zum Klettern sowie weiteren Kletterelementen. Verziert wird es durch Spinnen- und verschiedene Bienenskulpturen. Zudem steht auf dem Spielplatz eine rund acht Meter lange Zauneidechse, auf der man spielen und sitzen kann. Heinz Krautwurst hat diese Figur errichtet und mit Mosaiksteinen verziert. Zu diesem Tier gibt es eine Infotafel, ebenso für die verschiedenen Wildbienen.

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»Es sind lauter Unikate entstanden. Erfreulich ist, dass sie vor allem selbst gebastelt worden sind«, lobte der Bürgermeister von Schönau am Königssee, Hannes Rasp. Noch mehr freute er sich aber darüber, wie es zu diesem Entwurf kam. Zu Jahresbeginn haben sich die Vorschulkinder der Kindertagesstätte zwischen zwei Plänen entscheiden müssen. Klarer Sieger mit 42:3 Stimmen wurde der buntere und vielfältigere Plan mit einer Bienenwabe. »Ich finde, ihr habt eine gute Entscheidung getroffen«, sagte Rasp.

Trotzdem sollten die drei Kinder, die für den anderen Plan gestimmt hatten, nicht traurig sein. Im zweiten Entwurf war eine Kletterwand vorgesehen. »Ihr habt eure Meinung geäußert und das war mutig. Dass man so etwas in der Demokratie machen darf, ist wichtig.« Fördervereinsvorsitzender Falk Tzschöckel schloss sich Rasps Gedanken an. Man müsse den Kindern die demokratischen Strukturen schon früh vermitteln. »Ihnen die Entscheidung zu überlassen, ist wichtig für das demokratische Verständnis.«

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Die Zauneidechse ist rund acht Meter lang.

Der neue Spielplatz kostet rund 54.000 Euro. 46.000 Euro davon übernimmt die »Deutsche Postcode Lotterie«, die das Projekt in der Schönau über die Organisation Artenschutz in Franken unterstützt. Die Gemeinde trägt die restlichen Kosten. Rund 8000 Euro wurden in Fallschutz, Kies und Unterbau des Spielplatzes investiert. Beeindruckt war Tzschöckel, dass man vor einem halben Jahr trotz des Corona-Lockdowns mit dem Bau begonnen hat. Umso mehr freut er sich, dass hierbei ein schöner Spielplatz entstanden ist.

»Wir haben eine wunderbare Kulisse hier«, ergänzte Irmgard Wucher, Leiterin der Kindertagesstätte. Doch nicht nur der Spielplatz, sondern auch das ganze Gelände ziehe sich wie ein roter Faden durch das Thema Nachhaltigkeit. Sei es das Wildbienen-Hotel, die Bienen-Blumenwiese oder die Infotafeln: Inzwischen gebe es so viele Möglichkeiten für die Kleinen, sich mit Wildbienen und Insekten auseinanderzusetzen.

»Die Kinder haben ein Glück, hier aufwachsen zu dürfen.« Dankbar zeigten sich auch die Kleinen: Sie sangen ein selbst gedichtetes Lied über den Wildbienen-Spielplatz vor. Musikerzieherin und Kinderpflegerin Andrea Manger begleitete sie auf der Gitarre mit der Melodie aus »Die Biene Maja«. Pfarrer Herwig Hoffmann und Pfarrer Christian Gerstner gaben dem Spielplatz den kirchlichen Segen. »Heute bekommt ihr Kinder am Fest der Erzengel sogar drei Fürsprecher: die Erzengel Gabriel, Michael und Rafael«, sagte Pfarrer Hoffmann.

Christian Gerstner machte den Kindern viel Mut. »Oft werden die Kleinen übersehen. Oder die Großen sagen, du bist zu klein dafür. Aber: ihr seid genauso wichtig wie wir Erwachsenen.«

Um dies zu verdeutlichen, erzählte er ihnen eine Geschichte zu Zeiten Jesu. Damals gingen Eltern auf Jesus zu. Mit der Bitte, ihre Kinder zu segnen. Doch die Jünger verstanden nicht, warum die Kleinen einen Segen erhalten sollen. »Weil Gott die Kleinen genauso lieb hat wie die Großen«, sagte Jesus zu den Jüngern. »Nehmt Rücksicht auf Groß und Klein«, appellierte der Pfarrer an die Kinder. Die Kinder schienen Gerstners Worte aufgenommen zu haben und sangen gemeinsam »Laudato si«.

Nach dem Lied herrschte große Aufregung: Die Kleinen konnten die Eröffnung nicht mehr erwarten. Bürgermeister Hannes Rasp durchtrennte mit einer Schere und zusammen mit einem Kind das Absperrband. Voller Freude stürmten die Kleinen auf das Gelände, kletterten im Spinnennetz, auf den Turm oder versteckten sich in der Bienenwabe, rutschten und tobten sich aus. Patrick Vietze