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Trauer um den Gitarristen Alex B. Bittmann

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Alex Bittmann, als Gitarrist in der Region bestens bekannt, ist gänzlich unerwartet im Alter von 56 Jahren verstorben. (Foto: privat)

Der Musiker Alex B. Bittmann ist völlig unerwartet gestorben; ein Freund fand ihn tot in seiner Wohnung in Tengling. Noch drei Tage vorher hatte der 56-Jährige mit seiner Kollegin, der Flamenco-Tänzerin und Sängerin Carmen Lopéz, auf Schloss Pertenstein eine lebensfrohe Darbietung mit Musik, Tanz und Feuershow mitgestaltet – mit den sprühenden Rhythmen seiner Gitarre, wie es in einer Besprechung hieß.


Am 28. Mai 1962 geboren, wuchs Alex Bittmann zusammen mit einem Bruder in Waging am See auf. Sein Vater Bernhard, 1993 verstorben, war SPD-Gemeinderat in der Marktgemeinde gewesen, seine Mutter Ortrud war stark in der evangelischen Kirchengemeinde engagiert, war auch Mitglied im Kirchenvorstand. Beide gehörten zu dem Kreis von Gemeindemitgliedern, die sich sehr für den Bau einer Kirche in Waging eingesetzt haben.

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Alex Bittmann machte nach dem Besuch der Volksschule und dem Abitur am Gymnasium in Laufen eine Lehre als Grafiker, übte den Beruf aber nie aus. Vielmehr hat er sich von Jugend auf für das Gitarrenspiel interessiert. Schon mit elf Jahren begann er, Gitarre zu spielen und machte sich nach seiner Ausbildung selbstständig als Gitarrenlehrer. Als Autodidakt von Anfang an gründete er bereits mit zwölf Jahren ein Akustik-Duo. Es folgten ein Dutzend Rockbands, bis er mit der Gruppe Simson 1983 sein erstes Album veröffentlichte. Von 1987 bis 1990 studierte er Komposition und zeitgenössische Musik in Burghausen.

Seine herausragende Kunst, spanische Musik mit Rock und Jazz zu verbinden, rührt aus der Zeit mit der Gruppe »Guitar’s Extrem« (1987 bis 1991), wo er unter anderem die Flamenco-Legende Paco de Lucia kennenlernte. 1994 gründete er mit dem Pianisten Thomas Hartmann die Band »All Extasy«, ein Spanisch-Rock-Ensemble, mit dem er über viele Jahre hinweg auftrat – auch mit eigenen Kompositionen. Als Komponist hatte Bittmann sein eigenes musikalisches Ideal und war daher nur schwer in gängige Kategorien einzuordnen. Der Begriff »Spanish Jazz Rock« bietet nach Meinung von Fachleuten noch die treffendste Beschreibung seiner Musik, die immer wieder mit einer ungeahnten Fülle neuer Melodien aufschien, kombiniert mit spanischem Temperament und klassischer Akribie.

Nach einigen Jahren mit Schwerpunkt auf Soloprogrammen begann 2018 die Zusammenarbeit mit der Flamenco-Tänzerin und Sängerin Carmen Lopéz. Mehrfach waren die beiden mit ihrem Programm »ZIDAALE – Spanish Fire« aufgetreten – unter anderem auf Schloss Pertenstein. In Pertenstein und im benachbarten Matzing hatte Bittmann über Jahre hinweg gewohnt – vermittelt durch Hans Lauber, den »Schlossherrn« von Pertenstein. Lauber, selbst ein Musiker durch und durch. Dieser äußerte sich schwer beeindruckt von Bittmanns Gitarrekünsten: »Auf der Gitarre war er ein Weltmeister«, sagte er, »ein Genie.« Er habe es geschafft, in der Mitte der Gitarre die Melodie zu spielen und sich »unten« zu begleiten.

Auch seine Kollegin Carmen Lopez war fasziniert von Bittmanns musikalischen Fähigkeiten. Ähnlich wie Lauber sagt auch sie, dass er gleichzeitig die Melodie spielen und den Rhythmus klopfen konnte. Außerdem habe er Kinder geliebt und sich gern mit ihnen beschäftigt – etwa wenn er Carmen Lopez’ Tanzschüler musikalisch begleitet hat.

Bittmann selbst hatte keine Kinder und war auch nicht verheiratet. In den vergangenen Jahren war er, mit wesentlicher Unterstützung durch Lydia Wembacher, wieder in seinen Heimatort Waging zurückgekehrt, ehe er vor wenigen Monaten in Tengling eine neue Bleibe gefunden hatte. Zeitlebens hatte er ein schweres gesundheitliches Schicksal zu tragen. Schon ab etwa dem 13. Lebensjahr litt er an einer Erkrankung der Wirbelsäule, an Morbus Bechterew. All die Jahre über habe er mit schweren Schmerzmitteln leben müssen, hatte schon als Jugendlicher zwei neue Hüftgelenke bekommen müssen. »Er war ein gequälter Mensch«, sagt sein Onkel Julius Bittmann, der in Altötting wohnt.

Und in dieser Situation sei neben der Musik der Buddhismus seine Stütze gewesen, um den Lebensmut nicht zu verlieren. Daher gab es zu seinem Abschied auch eine ganz ungewöhnliche Feier. So viele Trauergäste, dass die Simeonkirche nicht ausreichend Platz bot, waren gekommen und erlebten eine gemeinsame Zeremonie mit dem evangelischen Pfarrer Barthel Pichlmeier und dem buddhistischen Priester Anselm Stahl aus Laufen. Zwar sei »Alex immer Mitglied unserer Kirche geblieben«, so Pichlmeier, »aber er hat viele Antworten im Buddhismus gefunden, und ich möchte jetzt Raum geben für einen buddhistischen Abschiedsritus.« So erlebten die vielen Menschen, die von Bittmann Abschied nahmen, eindrucksvolle fernöstliche Zeremonien – »eine sehr authentische Feier«, wie Pfarrer Pichlmeier meinte.

In seiner Predigt erinnerte der Pfarrer daran, dass Alex Bittmann in seiner Jugend sein Gitarrenspiel auch hier in der Kirche »eingebracht« habe. Es sei nicht zu fassen, dass er »so abrupt, so unerwartet, mitten aus dem Leben gerissen« worden sei. Seinen Freunden bleibe »die Erinnerung an die Zeit, die sie mit ihm verbracht haben, an das gemeinsame Musikmachen. Mancher, der ihn als Gitarrenlehrer erlebte, erinnert sich an seinen manchmal unorthodoxen Unterrichtsstil. Seine Musik hatte auch einen spirituellen Wert. Er suchte immer die Sinnhaftigkeit im Leben.«

Einige seiner Weggefährten – unter anderem Christoph Parzer und Thomas Hartmann – ließen es sich nicht nehmen, die Verabschiedung mit Musikstücken zu umrahmen. »Das war eine sehr berührende Feier«, sagt Carmen Lopez, die sicherlich genau in Alex Bittmanns Sinn gewesen wäre. Hans Eder