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Von der Toskana bis zum Strand von Malibu

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Zwei ganz besondere Konzerte im NUTS gaben Marco Delladio (von links) mit der Rhythmusgitarre, Gitarrist Manuel Randi und Bassist Marco Stagni. (Foto: Heel)

Laut Herbert Pixner ist er der »beste und schönste Gitarrist Südtirols«. Verehrerinnen sollten sich dennoch zurückhalten. Manuel Randi ist glücklich verheiratet und hat vier Kinder. Nicht zurückhalten, wenn auch »nur« mit Applaus, konnten sich dagegen die Zuhörer in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo Randi im Zusammenspiel mit seinem Kollegen Marco Delladio zwei ausverkaufte Auftritte am Stück absolviert hat. Denn solche Konzerte erlebt man nicht alle Tage. Konzerte, die nicht nur unter die Haut gehen, sondern direkt ins Herz.


Einem breiten Publikum bekannt geworden als eine der tragenden Säulen des Herbert Pixner Projekts, läuft Randi schon mit »Toscana«, dem Titelstück seines neuen Albums, zu Höchstform auf, spielt sehr dynamisch und trotzdem filigran. Dann übernimmt der Bozener Berufsmusiker Marco Delladio den Part der Rhythmusgitarre, als Gastmusiker erscheint der Bassist Marco Stagni auf der Bühne, und ein bestens aufeinander eingespieltes Trio geht ans Werk, mit Leib und Seele und auf höchstem Niveau. Zunächst mit einem Rumba Flamenco, »Gatto nero« (schwarze Katze) betitelt, dem ein Tango Flamenco und ein Rumba Katalan folgen, von Randi mit Anekdoten um die Entstehung der Stücke garniert.

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Etwas ruhiger wird es bei dem Slow Blues »After Dinner«, entstanden nach einem (zu) üppigen Mittagessen vor den Studioaufnahmen, und einer Komposition zu Ehren des rumänischen Cembalo-Spielers Toni Iordache (1942 bis 1988), der unter Diktator Ceausescu mehrere Jahre lang eingekerkert war. Für die drei Musiker scheint es dabei weder stilistisch noch technisch Einschränkungen zu geben. Mit unglaublicher Spielfreude und immer neuen Einfällen treiben Randi und Delladio ihre atemberaubend virtuosen Improvisationen voran, wobei nichts bemüht wirkt, sondern wie selbstverständlich erscheint. Eine Bandbreite, die auch daher rührt, dass Randi als Jugendlicher in verschiedenen Speed-Metal-Bands gespielt hat und im Laufe der Zeit tief in diverse andere Stilrichtungen eingetaucht ist. So hatte er eine Phase, in der er nur Flamenco spielte und viel in Andalusien unterwegs war, in einer anderen hat er sich vorwiegend mit Django Reinhardt beschäftigt.

Diesen König des Gypsy Swing würdigt Randi auch mit seiner zweiten und letzten Zugabe, dem »Minor Swing«. Ansonsten begeistert er das Publikum im zweiten Set mit einem Abstecher in die keltische Musik, einem »reinen«, seiner ersten Tochter gewidmeten Flamenco, und einer furiosen Hommage an den Surfsound eines Dick Dale (»Tarantino«). Kurzum, zwei Auftritte, die an Spielfreude, Perfektion und Harmonie kaum zu überbieten waren. Entsprechend stürmisch fiel der sich nach jeder Nummer steigernde Applaus aus. Wolfgang Schweiger