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Von Mozart über Bert Brecht zu Chet Baker

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Einen vielschichtigen Klangteppich entfalteten die drei Musiker und Sängerin Stefanie Schlesinger beim Konzert im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

Ein ungewöhnlich abwechslungsreiches Konzert haben die Jazz-Sängerin Stefanie Schlesinger und ihre drei Begleitmusiker bei ihrem Auftritt im Studiotheater des Traunreuter k1 geboten.


So standen neben packenden Eigenkompositionen und Jazz-Standards auch Schlager, Gedicht-Vertonungen und Filmsongs auf dem Programm. Ungewöhnlich war auch die Besetzung, denn mit Wolfgang Lackerschmid stand der Sängerin einer der besten europäischen Vibraphonisten zur Seite, unterstützt von dem tschechischen Kontrabassisten Frantisek Uhlir und dem aus Bad Reichenhall stammenden Schlagzeuger Guido May. Ein Supertrio, dem keine Stilrichtung fremd zu sein schien und das mit seinem furiosen Spiel allein schon für einen höchst anregenden Abend gesorgt hätte.

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Entsprechend vielschichtig und dynamisch geriet der Klangteppich, auf dem Stefanie Schlesinger mit ihrem expressiven Gesang agierte, angefangen mit dem Lied »Parole, Parole«, gefolgt von dem Jazz-Standard »Angel Eyes« und der berührenden Eigenkomposition »Daily Rose«. Sehr geglückt war auch ihre Vertonung des Gedichts »Erinnerung an die Maria A.« von Bertolt Brecht – ein naheliegendes Projekt, wie Lackerschmid dazu erklärte, da Stefanie Schlesinger und er seit Langem von Augsburg aus aktiv seien. Ein Stück, bei dem die Musik ganz dem Text diente, von Stefanie Schlesinger so sensibel wie nuancenreich interpretiert.

Danach stand ein erster Ausflug in die Welt des Films auf dem Programm, eine jazzige Version des Titellieds aus dem TV-Film »Hotel Shanghai« (1997; Komponist: Christian Bruhn), bevor Lackerschmid auf seine Zusammenarbeit mit dem von ihm sehr verehrten Jazz-Trompeter Chet Baker zu sprechen kam, für den er eine Reihe von Stücken komponiert hat. Zur Erinnerung an den 1988 verstorbenen Ausnahme-Musiker präsentierten sie den Titel »Why Shouldn’t You Cry«, zu dem Stefanie Schlesinger über das Spiel von Chet Baker einen Text gelegt hat. Ein so faszinierendes wie gelungenes Experiment, bei dem beide gleichermaßen glänzten. Die ganze Kunst des Duos Lackerschmid/Schlesinger, das im übrigen seit vielen Jahren miteinander verheiratet ist, zeigte sich auch bei seiner eigenwilligen Version der Arie des Cherubino aus der Mozart-Oper »Die Hochzeit des Figaro«. In der habe Lackerschmid, wie Stefanie Schlesinger schmunzelnd anmerkte, nämlich einen wunderschönen Samba entdeckt, bestens geeignet für Vibraphon und Stimme.

Mit zwei weiteren Filmsongs neigte sich der Auftritt des Quartetts dann dem Ende zu: Zunächst mit Michel Legrands »Windmills of Your Mind« aus dem Film »Thomas Crown ist nicht zu fassen« (1968), dem Stefanie Schlesinger durch einen überraschenden Tempowechsel eine eigene Note verlieh, und abschließend mit dem einschmeichelnden Song »Trust In Me« aus dem Film »Das Dschungelbuch«. Wolfgang Schweiger

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