Berchtesgadener Land

»Der Einsatz wird uns prägen«

Bischofswiesen – In fünf Wochen verlegen Teile des Gebirgsjägerbataillons 232 unter der Führung von Bataillonskommandeur Oberstleutnant Peter Küpper in den Einsatz nach Afghanistan. Anders als noch vor Jahren operieren die Gebirgsjäger aus der Strub allerdings nicht mehr in vorderster Front, sondern hinter den afghanischen Einheiten. Doch Verteidigungsminister Thomas de Maizière bezeichnet die Sicherheitslage in Nordafghanistan als labil, was den Einsatz sehr prekär macht. Es könnte also eine unsichere Aufgabe für die Gebirgsjäger werden. Kurz vor dem öffentlichen Verabschiedungsappell morgen Freitag um 18 Uhr auf dem Schlossplatz in Berchtesgaden sprach der »Berchtesgadener Anzeiger« mit dem Kommandeur über den Auslandseinsatz.

  • Der Bataillonskommandeur der Berchtesgadener Gebirgsjäger geht Ende Juli mit seinen Soldaten nach Afghanistan. Oberstleutnant Peter Küpper wird alles daran setzen, seine Truppe wieder gesund nach Hause zu bringen. Morgen Freitag um 18 Uhr werden die Einsatzkräfte am Schlossplatz feierlich mit einem Bataillonsappell verabschiedet. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Herr Küpper, wann, wie, wie lange und mit wie vielen Soldaten verlegen Sie nach Afghanistan?

Oberstleutnant Peter Küpper: Wir verlegen Ende Juli mit circa 200 Soldaten unseres Bataillons, Panzergrenadieren aus Regen, Gebirgspionieren aus Ingolstadt, Gebirgsaufklärern aus Füssen, Teilen der Brigade in Bad Reichenhall und Sanitätern aus Leer mit Luftwaffenmaschinen aus Köln und Nürnberg nach Afghanistan. Der Verband, den ich führen werde, umfasst 540 Soldaten. Ab Anfang August sind wir im Bereich Mazar-i-Sharif einsatzbereit. Unser Einsatz konzentriert sich deswegen besonders, weil immer weniger Truppe dort ist. Wir operieren ja hinter den Afghanen, die das operative Kommando übernommen haben. Unsere Einsatzzeit wird gut sechs Monate betragen. Wir fliegen die letzten Kilometer aus Sicherheitsgründen mit einer Transall Bundeswehrmaschine.

Wie geht es nach der Landung in Afghanistan weiter?

Küpper: Wir übernehmen die Fahrzeuge und Teile der Ausrüstung. Einen Teil an Ausrüstung haben wir jedoch selbst dabei, so auch den Infanterist der Zukunft, mit dem wir schon ausgebildet haben.

Wie kann man sich das Lagerleben vorstellen?

Küpper: Mazar-i-Sharif ist ja eine kleine Stadt, in der die Bundeswehr schon sehr lange stationiert ist. Wir haben dort jedoch schon mitteleuropäische Standards.

Wie sieht es anderswo mit der Unterkunft aus?

Küpper: Wenn wir in den Kundus verlegen, haben wir auch wieder ganz normale Lager. Anders sieht es aus, wenn wir mitten in der Landschaft zu lagern gezwungen sind. Dort müssen wir halt alles selbst dabei haben, wie Feldbetten und Schlafsäcke.

General Johann Berger stellte nach dem letzten Einsatz des Bataillons beim Rückkehrappell fest, dass der Einsatz die Männer besonders geprägt habe.

Küpper: Ich denke auch, dass unser Einsatz Spuren hinterlassen wird. Wir gehen, wenn die Kinder meiner Männer Ferien haben, und wir sind auch noch in der staden Zeit und an Weihnachten und Neujahr in Afghanistan. Zudem herrschen dort ganz besondere Umweltbedingungen, wir sind ja sehr viel draußen unterwegs. Ob unser Einsatz so anspruchsvoll wird wie der letzte, muss man abwarten. Ich weiß jedoch jetzt schon, dass jeder, der dabei ist, durch den Einsatz besonders geprägt wird.

Wie schätzen Sie die Gefahrenlage ein?

Küpper: Das ist auf alle Fälle sehr unterschiedlich. Das mag auf wenigen Kilometern sehr friedlich sein und ein paar Kilometer weiter ist es schon hoch gefährlich. Alles ist sehr schwer einzuschätzen. Prinzipiell ist der Norden die ruhigste Ecke von Afghanistan. Das bringt einem jedoch nichts, wenn man gerade in einen Anschlag hineingerät.

Wie kann man sich den Umgang mit der Bevölkerung vorstellen?

Küpper: Die Afghanen sind gegenüber uns sehr freundlich eingestellt. Es ist ja nur ein ganz kleiner Teil, der uns Böses möchte. Dem kann man nur durch gute Ausbildung und hohe Aufmerksamkeit begegnen. In Sicherheit ist man jedoch nie, man lebt immer in einer gewissen Bedrohung. Das jedoch nicht, wenn man im Lager ist. Bedrohungen von außerhalb sind uns jedoch auch zumeist bekannt.

Wir hatten mit Oberstleutnant Sollfrank vor vier Jahren vor und nach dem Einsatz gesprochen. Es sah so aus, als ob da ein veränderter Mensch aus Afghanistan zurückgekommen war.

Küpper: Das kann ich mir vorstellen, ein Einsatz kann sehr prägend sein. Das Wichtigste bei unserem Einsatz wird sein, alle Kräfte unversehrt am Leib zurückzubringen. Für die Seele kann ich es nicht voraussagen. Natürlich wird es in Afghanistan anstrengend und spannend sein. Wir sind jedoch als Gebirgsjäger auch besonders ausgebildet und vorbereitet. Ob wir in Afghanistan Erfolg gehabt haben, werden wir erst in ein paar Jahren wissen. Christian Wechslinger

Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

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