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Das Becken fasst 400.000 Liter Wasser. (Fotos: Lisa Schuhegger)

Vorbereitung auf den Sommer – Freibad Marktschellenberg öffnet am 7. Mai

Marktschellenberg – Im Freibad Marktschellenberg herrscht Hochbetrieb, ohne dass die Hochsaison begonnen hat. Der zuständige Fachangestellte für Bäderbetriebe, Stefan Kandler, und seine Frau Ute bereiten das Bad auf die Eröffnung am Samstag, 7. Mai, vor. »Seit Anfang April sind wir am Werkln«, sagt Stefan Kandler.


Am Tag des »Anzeiger«-Besuchs befindet sich in dem 22 mal 12 Meter großen und bis zu zwei Meter tiefen Becken kein Wasser mehr. »Ich habe es vor Kurzem ausgelassen«, berichtet Stefan Kandler. Eine »lettige, braune Brühe« sei das heuer gewesen. »Der Saharastaub«, erklärt Ute Kandler.

Nach Saisonschluss bleibt das Badewasser im Becken. Es wird erst kurz vor dem Freibadsommer ausgelassen. Das hat einen Grund. Befände sich, wenn der Grundwasserspiegel steigt, kein Wasser im Becken, würde es ausgehoben, erklärt Stefan Kandler. Das »alte Wasser« läuft, wenn der Fachangestellte für Bäderbetriebe den Schieber aufdreht, in die Ache.

Die Kunststoffwände des leeren Beckens sind in einem kräftigen Hellblau gestrichen, an jenem Donnerstagvormittag leuchten sie in der Sonne. »Den Dreck habe ich mit dem Hochdruckreiniger gut wegbekommen«, sagt der 53-jährige gebürtige Marktschellenberger, blickt zufrieden auf das Becken. Als Einstiegshilfen gibt es eine Treppe und drei Leitern. Einzelne Trittbretter fehlen. »Die sind beim Richten«, bemerkt Stefan Kandler. »Nicht, dass sich einer wehtut«, schiebt er nach.

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Der Saharastaub hat sich festgesetzt. (Foto. privat)

Wenn die Teile fertig geschweißt sind, will der Familienvater, der nicht weit vom Freibad entfernt wohnt, frisches Wasser ins Becken laufen lassen. Bis das Becken vollgelaufen ist, dauere es gut dreieinhalb Tage. »400.000 Liter passen rein«, weiß Stefan Kandler. Das Becken wird mit Trinkwasser gefüllt. Es kommt von der Marktgemeinde, die das Bad auch betreibt.

Die Marktgemeinde betreut das Marktschellenberger Freibad, Stefan Kandler betreut es seit mittlerweile mehr als 30 Jahren. Der gelernte Installateur ist quasi ins kalte Wasser geschmissen worden, als er die Aufgabe übertragen bekommen hat.

Einige Jahre lang habe er das Bad hergerichtet, es in Schuss gehalten, das Wasser eingelassen, es aufbereitet und aufgeheizt, die Qualität geprüft, das Badewasser umgewälzt und gefiltert, ohne genau zu wissen, welche chemischen Prozesse dahinter stecken. 2008 hat er dann eine zweite Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe absolviert. »Jetzt verstehe ich genau, warum ich was tue«, sagt der 53-Jährige.

Wenn das Becken kurz vor der Eröffnung mit Wasser vollgelaufen ist, kommt Chemie zum Einsatz. Stefan Kandler bearbeitet das Wasser mit Chlor, ehe er mit Schwefelsäure den pH-Wert einstellt. Der pH-Wert des »rohen Wassers (8) wird auf Sieben reduziert. »Der pH-Wert ist der fast wichtigste Wert.« Ein stabiler pH-Wert von 6,8 bis 7,2 halte die Chlorkonzentration im Wasser beständig, erklärt Stefan Kandler, diese sei wiederum für die Desinfektion des Wassers verantwortlich. »Dass das Wasser passt, ist das A und O«, betont er.

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Stefan Kandler hält alles in Stand.

Das Freibad Marktschellenberg ist ein beheiztes Schwimmbad. An Schönwettertagen beträgt die Wassertemperatur etwas über 24 Grad. Es gibt eine Gas- und eine Solarheizung. »Wir heizen hauptsächlich mit Solar«, sagt Stefan Kandler. Die Gasheizung komme nur zum Einsatz, wenn das Wasser nach einer Schlechtwetterperiode kühler als 18 Grad ist. Bei schlechtem Wetter bleibt das Wasser kalt. Das sparrt Energie.

Im Freibad Marktschellenberg wird das Becken nur einmal komplett ausgelassen. »Sauber ist das Badewasser trotzdem«, beruhigt Stefan Kandler. Es werde regelmäßig gefiltert, jeden Tag würden pro Badegast 50 bis 60 Liter Frischwasser zugeführt. Über den Beckenrand läuft das Wasser trotzdem nicht. »Es wird durch einen groben und einen feinen Filter gespült«, erklärt der Fachangestellte für Bäderbetriebe. »Und die Badegäste verspritzen einen Haufen.«

In den vergangenen zwei Jahren waren pandemiebedingt nur 80 bis 100 Leute im Freibad. Heuer können sich heuer wieder 450 bis 500 Besucher vergnügen. Ute und Stefan Kandler haben wieder gut zu tun. Der Fachangestellte für Bäderbetriebe ist der Bademeister im Schwimmbad. Er passt auf, dass nichts passiert. »Stefan pfeift und schimpft«, witzelt Ute Kandler, fügt schmunzelnd hinzu: »Er verarztet auch Schürfwunden und repariert kaputte Taucherbrillen.« Ihr Mann entgegnet: »Ich bin das Mädchen für alles.«

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Der 53-Jährige prüft die Wasserqualität.

In der Tat, denn Stefan Kandler kümmert sich bei Weitem nicht nur um das Schwimmbecken und das Badewasser. Er hält Sanitäranlagen in Schuss, bessert das Pflaster aus, mäht den Rasen der Liegewiese, schneidet die Bäume und Sträucher zu. »Heute mähe ich noch«, sagt er. Ute Kandler hilft ihrem Mann bei den »Arbeiten drumherum« und betreibt den Kiosk, der zum Freibad gehört. Im Sommer wenn das Freibad von 9 bis 19.30 Uhr geöffnet hat, ist das Paar, das zwei erwachsene Kinder hat, von 7 in der Früh bis 21 Uhr voll eingespannt. Hüpfen Ute und Stefan Kandler noch ins Wasser, wenn der letzte Gast gegangen ist? »Nein«, sagt Stefan Kandler, »Ich bade lieber im Meer.« Er lacht.

Lisa Schuhegger