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Diskussionsrunde mit stellvertretendem Landrat Michael Koller (2.v.l.). (Fotos: Robert Kiderle)
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Zum Thema diskutierten auch (v.l.) die Mühldorfer Dienststellenleiterin Andrea Fürnrohr, Einrichtungsleiter Alexander Fischhold von der Erzdiözese und der Bad Reichenhaller Dienststellenleiter Raphael Koller.

60 Jahre Telefonseelsorge – Dienststelle Bad Reichenhall beim Festakt in München vertreten

München/BGL – Die Telefonseelsorge in der Erzdiözese München und Freising ist die zweitälteste in Bayern. Sie wurde im Jahr 1962 gegründet; ein Jahr zuvor hatte eine Dienststelle in Nürnberg angefangen. Jetzt feierten die Mitarbeitenden zusammen mit Gästen aus Kirche, Politik und anderen Beratungsstellen ihr 60-jähriges Jubiläum. Mit dabei: Raphael Koller, Leiter der Telefonseelsorge in Bad Reichenhall, und stellvertretender Landrat Michael Koller.


»Seelsorge beginnt mit dem Wahrnehmen der eigenen Bedürftigkeit – eigene Wunden auszuhalten und die Wunden der anderen zuzulassen. Dann kann ein heiliger Raum entstehen, auch am Telefon«, sagte der Leiter der Hauptabteilung Beratung im Erzbischöflichen Ordinariat, Monsignore Dr. Siegfried Kneißl, in seiner Predigt beim Wortgottesdienst in der Münchner Pfarrkirche St. Anna.

Der anschließende Festakt im Bayerischen Landtag stand unter dem Motto »Sichtbar werden«. Prominente wie der »Bergdoktor« Hans Sigl, Kabarettist Johannes Ringlstetter, Schauspielerin Johanna Bittenbinder und weitere hatten dazu in einer Videobotschaft Sätze eingesprochen, mit denen sich Ratsuchende häufig an die Telefonseelsorge wenden. Vermittelt hatte dies BR-Moderatorin Caro Matzko, die auch durch den Abend führte.

»Seit 60 Jahren helfen Menschen am anderen Ende der Leitung jenen Menschen, die diese Nummer in ihrer Verzweiflung gewählt haben«, hob Landtagspräsidentin Ilse Aigner in ihrem Grußwort hervor. Seelsorge sei eine »Profession« und werde von Menschen getragen, die »für den anderen über sich hinauswachsen – das ist wahre Nächstenliebe!«

Der Einrichtungsleiter der Telefonseelsorge in der Erzdiözese, Alexander Fischhold, erinnerte angesichts steigender Infektionszahlen daran: »Während alle anderen zumachen, arbeitet die Telefonseelsorge zuverlässig wie ein Uhrwerk weiter.« Aktuell zeichneten sich die Ängste rund um den Krieg in der Ukraine und Existenznöte aufgrund der Kostenexplosion in der Beratungsarbeit immer deutlicher ab, sagte Fischhold. Umso wichtiger sei es, den Dienst von rund 130 hauptsächlich ehrenamtlich Mitarbeitenden in den drei Dienststellen München, Bad Reichenhall und Mühldorf am Inn für die Zukunft abzusichern.

Vier kurze Diskussionsrunden widmeten sich anschließend dem Auftrag der Telefonseelsorge. Auf dem Podium waren neben Verantwortlichen aus dem Erzbischöflichen Ordinariat, Kollegen aus anderen Telefonseelsorgestellen und Ehren- und Hauptamtlichen aus München auch Politikerinnen und Politiker vertreten: die Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Eva Gottstein, die dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München, Verena Dietl, der Münchner Landrat Christoph Göbel und Michael Koller, stellvertretender Landrat aus dem Berchtesgadener Land. Stadt und Landkreise München sowie der Landkreis Berchtesgadener Land unterstützten die Arbeit der Telefonseelsorge auch finanziell, 95 Prozent der Mittel stammen aus der Kirchensteuer. Die Telefonseelsorge in der Erzdiözese München und Freising ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Pro Jahr finden über 36 000 Seelsorgegespräche per Telefon statt. Im vergangenen Jahr gab es auch über 4000 Beratungen per E-Mail und Chat.

Menschen in Not- und Krisensituationen erreichen die Telefonseelsorge unter Telefon 0800/1110222. Die Beratung erfolgt anonym und gebührenfrei. Wer lieber per E-Mail oder Chat Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter https://online.telefonseelsorge.de.

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