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Arbeiten in luftiger Höhe

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Lorenz Köppl und sein Team arbeiten zurzeit an der Erneuerung der Seilsicherungen zwischen Hocheck und Südspitze. (Foto: Nationalparkverwaltung)

Ramsau – Am Watzmanngrat werden derzeit die Seilsicherungen saniert. Die Arbeiten sind wetterabhängig und werden voraussichtlich noch bis Ende der kommenden Woche dauern (mit Interview).


Knapp 7 000 Überschreiter haben Mitarbeiter des Nationalparks am Watzmanngrat im Jahr 2015 gezählt, an Spitzentagen machen sich bis zu 300 Bergsteiger auf den Weg zwischen Hocheck und Südspitze. Und diese hinterlassen ebenso ihre Spuren an Seilsicherungen und Haken wie Blitzschlag, Frost und Schneedruck. Gründe genug für Nationalpark-Wegereferent Lorenz Köppl und sein Steigbau-Team, dem Watzmanngrat auf den Zahn zu fühlen.

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Herr Köppl, welche Sanierungsarbeiten sind denn bei der Watzmann-Überschreitung bislang erfolgt?

Lorenz Köppl: Wir haben an fünf Arbeitstagen mit vier Kollegen zwischen Hocheck und Mittelspitze fast alle Seilversicherungen ausgetauscht und 20 Haken erneuert. Damit ist der meistbegangene Abschnitt auf den Hauptgipfel fertig saniert. Auf diesem Abschnitt wurden rund 60 Meter überflüssige Seilsicherungen in unschwierigem Gelände abgebaut.

Wird die Überschreitung des Watzmanns nun schwieriger?

Köppl: Nein, keinesfalls. Weder schwieriger noch anspruchsvoller. Alle schwierigen, bislang versicherten Stellen bleiben auch weiterhin versichert. In unschwierigem Gelände am Grat werden die Überschreiter künftig auch ohne Seilversicherung auskommen. Nach der Sanierung ist die Überschreitung sicherer. Aber dennoch muss der Watzmann als lange, hochalpine Gebirgsstocküberschreitung ernst genommen werden.

Wie waren die Rückmeldungen der Bergsteiger am Grat?

Köppl: Eine lustige Begegnung hatte ich in dieser Woche: Ich habe bei der Mittelspitze zwei Bergführer getroffen, die öfter die Überschreitung mit Gästen führen. Die Zwei haben uns mit der Bohrmaschine gesehen und bedauert, dass am Watzmann immer mehr Seilsicherungen angebracht werden. Sie haben offenbar gar nicht gemerkt, dass es weniger geworden sind …

Was steht noch auf dem Programm?

Köppl: Die Arbeiten an einem so exponierten Ort wie dem Watzmanngrat sind eine große Herausforderung: sowohl konditionell als auch logistisch und natürlich das Wetter betreffend. Mit zunehmender Entfernung vom Hocheck wird der Transport des Materials schwieriger. In der kommenden Woche werden wir daher unser Materialdepot Richtung Südspitze verlagern. Geplant sind zwei weitere Arbeitstage mit drei Kollegen, dann sollte auch der Abschnitt zwischen Mittel- und Südspitze fertig sein.

Welche Maßnahmen sind auf diesem Abschnitt geplant?

Köppl: Auch hier werden wir Seile und Haken erneuern. Außerdem werden wir den Seilverlauf an einer kniffligen Stelle direkt nach der Mittelspitze etwas nach unten verlegen. Das soll Bergsteigern den Abstieg in einen steilen Kamin erleichtern. Darüber hinaus werden wir einige zusätzliche Markierungen anbringen. Denn man glaubt es kaum, doch auch an einem Grat können sich Menschen verlaufen. Schwierige Stellen in der Wegfindung am Grat und auch am Abstieg von der Südspitze werden dadurch entschärft.

Bei der Watzmann-Überschreitung kommt ja das dicke Ende erst zum Schluss …

Köppl: Das ist richtig, der Abstieg von der Südspitze ins Gries ist definitiv der schwierigste Teil der Überschreitung. Viele unerfahrene Bergsteiger glauben, dass sie den Watzmann mit Erreichen der Südspitze erledigt haben. Hier sind aber oft Kondition, Konzentration und Trinkflaschen leer, es folgt noch ein steiler Abstieg über 1 300 Höhenmeter in größtenteils unversichertem Gelände hinunter ins Wimbachtal. Hier werden keine Sicherungen abgebaut, denn es sind eh nur wenige vorhanden.

Was ist Ihr Tipp für Watzmann-Aspiranten?

Köppl: Eine gute Kondition ist zwar wichtig, aber nicht allein entscheidend für die Überschreitung des Watzmanns. Entscheidend ist, dass man sich in felsigem und steilem Gelände sicher bewegen kann. Diese Fähigkeit sollte man sich unbedingt vorher aneignen. Denn das spart Zeit und Energie und gibt damit Sicherheit am Berg.

Die Watzmann-Überschreitung wird oft fälschlicherweise als Klettersteig bezeichnet.

Köppl: Ja, leider. Das führt oft zu Missverständnissen. Fakt ist, dass auf rund vier Kilometern Gehstrecke zwischen und Hocheck und Wimbachgries nur rund 700 Meter seilversichert sind. Darauf müssen sich Bergsteiger einstellen.

Gibt’s Behinderungen für Bergsteiger während Arbeiten?

Köppl: Für Bergsteiger gibt es bei der Überschreitung durch unsere Arbeiten keine Einschränkungen, vielleicht müssen sie an der einen oder anderen Stelle ein paar Minuten warten. fb