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Bobfahrt auf der »Straße des Rock'n'Roll«

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Voller Energie präsentierte sich Willy Michl im Gasthof »Unterstein« seinen Fans. Anzeiger-Fotos
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Beim »Bobfahrerlied« waren freilich auch die Zuhörer eingebunden.

Schönau am Königssee - Dreieinhalb Stunden lang lag Unterstein am Donnerstagabend mitten auf der »Straße des Rock'n'Roll«. Rund 200 Zuhörer ließen sich vom Bluesbarden mitnehmen auf seiner Reise zum großen indianischen Geheimnis »Wakan Tanka«. Die Fans erlebten einen gut gelaunten »Isarindianer«, der gemäß seinem »Ois is Blues«-Motto versicherte: »Ich mache weiter Musik, solange ich kann.«


Dass Willy Michl vom Ende seiner Musikerkarriere noch weit entfernt sein dürfte, ist im Gasthof »Unterstein« an diesem Abend schnell zu spüren. Schon beim mysteriösen Intro mit indianischen Klängen sprüht der Münchner mit guten Kontakten ins Berchtesgadener Land nur so vor Energie. Und so macht sich der 62-Jährige gleich einmal auf die Suche nach dem großen Geheimnis »Wakan Tanka«. Immer wieder weist der Münchner auf das Schicksal seiner indianischen »Blutsbrüder« hin und wirbt für deren Lebensmotto, das auf Friede, Gerechtigkeit und Ehre begründet ist.

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Den Alpen-Indianer-Blues hat Willy Michl einst selbst erfunden. Im Gasthof »Unterstein« interpretiert ihn der Isarindianer so intensiv wie selten zuvor. Die Fans erleben ein Crossover-Medley von ungeheurem Tempo und mit viel Improvisation. Fließend sind die Übergänge vom Blues zum Almerischen, Michl rockt und jodelt, mal sentimental, mal aggressiv. Der Bluesbarde schlägt mit großer Wucht in die Saiten, er holt das Maximale aus seiner Gitarre heraus. Ob bei der Neuinterpretation des Jimi-Hendrix-Songs »All along the Watchtower« oder beim Song »Die Straße des Rock'n'Roll« - Willy Michl gibt immer Vollgas und er fühlt sich wohl dabei. So schräg wie der 62-jährige Charaktertyp selbst, so schräg sind auch seine Songs. Rhythmen und Akkorde machen stets Umwege, um am Ende doch zur großen Harmonie zusammenzulaufen.

Die Mischung als alten und neueren Songs kommt beim Publikum, das größtenteils die 50 weit überschritten hat, gut an. Leichtes Spiel hat Willy Michl an diesem Abend auch wieder mit seinem Bobfahrerlied. »Wir sagen hey, hey, hey, hey hey, mia woin's ned langsam, sondern schnei«, singt der Münchner und kündigt wie gewohnt an: »Rechtskurve«. Gerne legen sich die Fans wie befohlen in die Kurve, um kurz darauf beim Kommando »Sprung« in die Höhe zu schnellen.

Freilich sind zum Konzert auch viele Berchtesgadener Spezl des Bluesbarden gekommen. Willy Michel begrüßt sie alle einzeln und hat fast zu jedem eine kleine Geschichte parat. Da ist die Familie Lichtmannegger aus der Ramsau, mit der Willy Michl schon seit Jahrzehnten eng verbunden ist. Schließlich hat er 1974 zusammen mit Friedl Lichtmannegger an der Zither in München den Song »Blues goes to Mountain« aufgenommen. Klar, dass er ihn an diesem Abend auch in Unterstein spielt.

Die Fans wissen jetzt ebenfalls, warum »Anzeiger«-Reporter Christian Wechslinger auch »Not Jumping Out« heißt. Weil er nämlich vor 35 Jahren bei einer höllischen Schleuderfahrt vom Obersalzberg bei seinem Freund Willy, der am Steuer saß, geblieben ist und das Auto nicht Hals über Kopf verlassen hatte.

Highlights an diesem langen Konzertabend sind sicherlich die Klassiker »Fliag Vogel fliag« und natürlich das »Isarflimmern«, das Willy Michl zu einem halbstündigen Medley ausbaut. Erst nach Mitternacht verabschiedet sich der Münchner von seinem Publikum. Ein wenig erschöpft ist er jetzt schon, der Willy. Aber sein Publikum auch. UK