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De Kerschbaam am Jennerfeld

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Am Jenner blühen wieder die Kirschbäume. (Foto: Anton Damm)

Schönau am Königssee – In den oft leidenschaftlichen Auseinandersetzungen um die Neugestaltung des Jenners kann auch eine sehr positive Entwicklung gemeldet werden. Denn neben den österreichischen Investoren haben nun einheimische Jennerfreunde deutliche Akzente in Richtung Natur, Umwelt und Tradition gesetzt. Vor allem ältere Generationen erinnern sich an das Naturdenkmal der drei Kirschbäume – auf berchtesgadenerisch Kerschbaam – auf dem großen Jennerfeld. In jedem Frühjahr leuchteten sie in ihrer Blüte bis hinab ins Tal. Aber mit den Jahrzehnten nagte der Zahn der Zeit auch an ihnen. Aus ehemals drei wurden zwei, dann nur noch einer, und zum Schluss fiel vor zehn Jahren der letzte um.


Immerhin nicht unbemerkt: Lenzi Hofreiter, der Bruder des Spinnerbauern, reagierte als Erster. Er pflanzte umgehend ein neues Kerschbaamerl, doch dieses ging leider wieder ein. Aber schon im nächsten Jahr versuchte es Franz Huber, der Senn vom Spinnerkaser, erneut. Dieses Mal mit einem Wildling vom Jennerfeld. Und der wuchs zu seiner Freude an. Wegen der Almkühe war er natürlich eingezäunt.

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Dieser Erfolg war nun im vorigen Herbst der Ansporn für weitere einheimische Naturfreunde, die historische Kirschbaumgruppe wiedererstehen zu lassen. Bei Wind und Wetter, über Kabelgräben auf den Jennerwiesen hinweg, schleppten die Mitglieder des Schönauer Obst- und Gartenbauvereins Pickel, Schaufel, Schutzbretter und Stacheldraht an Ort und Stelle. Sie hatten auch zwei wildgewachsene junge Kirschbäume mit Wurzelballen vom Faselsberg dabei. Alle Beteiligten, darunter auch der Altbauer des Steinwandlehens, Georg Fegg, bezeichneten die Kraftaktion unter winterlichen Verhältnissen als »eher a weng stoa.« Aber die Mühen haben sich offensichtlich ausgezahlt. Ein Kontrollgang vor wenigen Tagen zeigte, dass alle Kirschbäume blühen.

Viele Einheimische hatten die Aktion im Vorfeld spontan unterstützt. Man erinnerte sich an den beliebten Treffpunkt »bei de Kerschbaam«. Dort hatten sich immer Jung und Alt zur Verschnaufpause getroffen und dabei den großartigen Blick ins Tal genossen. Warum sollte dieses Erlebnis künftigen Generationen verwehrt sein? Die Bauleitung der Jennerbahn unterstützte jedenfalls das Vorhaben, ein von den derzeitigen Arbeiten gefährdeter Kirschbaum wurde deutlich abgesichert.

Für die zahlreichen Jennerfreunde seien hier noch weitere Details zur Ortsgeschichte verraten: Der jetzige Stoawandkaser, zirka 200 Meter oberhalb der Mittelstation, war bereits im Mai 1909 von einer herab donnernden Lawine weggerissen worden. Der Kaser stand damals genau auf dieser Ebene »bei de Kerschbaam«. Der neue Stoawandkaser wurde schon 1910 aus Sicherheitsgründen weiter unten wiedererbaut, die Firstpfette ist datiert. Das gleiche Schicksal traf den Kaser des Bischofswieser Klauslehens. Sein altes Fundament erahnt man noch neben dem Hugo-Beck-Haus. Der Klauskaser steht heute neben dem Stoawandkaser.

Und hier noch ein Tipp: Die Kerschbaam-Freunde treffen sich am Samstag. 23. Juni, nachmittags im Hugo- Beck-Haus zum »Kirschblüten-Fest«. Dieser Erfolg muss schließlich gefeiert werden. Christoph Karbacher