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Mauerbau zwischen Fluss und Blechlawine in Bischofswiesen

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Der Einbau von Sedimentationsanlagen macht aktuell wieder eine Ampelregelung notwendig. Der Verkehr rollt deshalb wieder einspurig.

Bischofswiesen – Sie ist die meistbeachtete Baustelle im südlichen Landkreis. Das wundert nicht, denn die Bischofswieser Ortsdurchfahrt ist Teil einer der Hauptzufahrten in den Talkessel. 11 000 Fahrzeuge rollen aktuell täglich zumeist sehr dicht an Baufahrzeugen und Arbeitern vorbei.


Eine Herausforderung für Verkehrsteilnehmer und Bauarbeiter, die bis Ende Mai fertig sein wollen. Und nicht weniger eine Nervenbelastung für beide Seiten.

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Seit die Temperaturen wieder deutlich über dem Gefrierpunkt liegen, tut man sich leichter auf der Baustelle. Immerhin hat man seit dem 15. Januar bei teils tiefen Minustemperaturen gebaggert, gegraben, gemauert und betoniert. »Es ist halt eine Winterbaustelle. Im Sommer täten wir uns freilich leichter, aber das geht hier natürlich nicht«, sagt Polier Uwe Horstmann. Der erfahrene Kapo ist schwierige Baustellen, auf denen es Druck von allen Seiten gibt, gewöhnt. Doch sein aktueller Job wenige Zentimeter neben der rollenden Blechlawine stellt auch ihn vor eine besondere Herausforderung. »Was man sich hier tagtäglich von den Autofahrern anhören muss, ist schon hart an der Grenze«, sagt Horstmann. Immer wieder dringen ihm wütende Zurufe aus den Autofenstern ins Ohr, teilweise fliegen sogar Gegenstände wie leere Becher und Flaschen.

Bauende bis Ende Mai in Aussicht

»Wir versuchen, die Zeiten der Ampelregelung so kurz wie möglich zu halten. Aber teilweise muss es halt sein«, sagt Horstmann. In dieser Woche musste man die sogenannte intelligente Ampel, die erkennt, wenn Fahrzeuge anstehen, wegen des Einbaues von zwei Sedimentationsanlagen einsetzen. Das sind Schachtanlagen mit rund vier Metern Durchmesser, durch die das von der Straße kommende Regenwasser geleitet wird. Vor der Einleitung in die Ache können sich hier die Inhalte absetzen, womit das Wasser gereinigt wird.

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Die Mauerarbeiten entlang der Bischofswieser Ortsdurchfahrt sind aufwendig, weil das Bauwerk unter der Straße fixiert werden muss. Aktuell entsteht hier gerade das Brückenbauwerk. (Fotos: Kastner)

Neben dem Polier ist auch Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel eine beliebte Ansprechpartnerin bei Beschwerden. »Ich muss den Leuten täglich am Telefon erklären, warum die Ampelregelung teilweise einfach sein muss«, sagt die Bauingenieurin. Sie kann den Verkehrsteilnehmern nur empfehlen, »sich zeitlich auf die Wartezeiten einzustellen und früher loszufahren«. Wann genau die Ampel eingesetzt wird, lasse sich einfach nicht vorhersagen, betonen Regine Enenkel und Uwe Horstmann. Beide sind aber zuversichtlich, dass die Bauarbeiten bis Ende Mai abgeschlossen werden können. »Wir sind jedenfalls trotz einiger angefallener Mehrarbeiten im Zeitplan«, bekräftigt der Polier.

Das Widerlager für die neue Brücke entsteht

Ein Großteil der fast vier Meter hohen Betonmauer zur Ache hin ist bereits fertiggestellt. Die Arbeiten sind aufwendig. Mit Spundwänden wird das Flusswasser ferngehalten, anschließend wird die Straße fast bis zur Mitte abgegraben. Bevor betoniert wird, muss tonnenweise Baustahl eingebracht und »geflochten« werden, die riesigen Schalungselemente werden mit dem Kran herangehoben und sorgfältig verankert. Meter für Meter wächst die Mauer in Richtung Brennersteg. Aktuell ist man mit der Errichtung des Widerlagers beschäftigt, das später einmal die neue Brücke hinüber zum Bahnhaltepunkt auf der anderen Achenseite tragen soll.

Auf der anderen Seite der Baustelle, also an der nördlich Ortseinfahrt, wo noch die alte Flussmauer steht, lässt das Wasserwirtschaftsamt aktuell hinter der Mauer rund 80 Zentimeter auf der Fahrbahnseite abgraben. Man prüft die Standsicherheit der alten Mauer. »Die Mauer ist hier noch in relativ gutem Zustand. Man wird sie vermutlich erhalten können«, sagt Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel, als sie die Mauer betrachtet. Zur Stabilisierung wird lediglich hinter der Mauer Beton eingebracht.

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Große Teile der Betonmauer sind bereits fertig.

Auf Höhe der Einfahrt zur Schule wölbt sich die Mauer rund eineinhalb Meter weiter in Richtung Ache, die Fahrbahn wird dadurch deutlich breiter. Dadurch soll Platz für die künftige Bushaltestelle und die Fahrbahnquerung geschaffen werden.

Wenn die Mauerarbeiten in nicht allzu ferner Zeit abgeschlossen sein werden, dann will man den Verkehr über die achenseitige Fahrbahnhälfte leiten. Dadurch gewinnt man Platz für die auf der anderen Seite noch anstehenden Arbeiten für Schmutzwasser- und Regenwasserkanal. Für kurze Zeit muss dann sogar die Zufahrt zu Schule und Göllstraße gesperrt werden. Die Anlieger werden kurzfristig über die Datzmannsiedlung umgeleitet. »Es ist halt eine extreme Baustelle«, sagt Horstmann, der bei einigen Verkehrsteilnehmern die notwendige Disziplin vermisst. Ein Beispiel nennt er: »Die Kinder halten sich an die Umleitung für Fußgänger. Mit der Volljährigkeit hört das aber schnell auf.« Ulli Kastner

Unsere Kolumne zum Thema: Psychedelic Power im Bischofswiesen-Stau