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Tommys Hochzeit, Maras Bücher und »Bernd, das Brot«

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Kurz nach der Hochzeit ein Foto aus dem Berchtesgadener Rathaus: Grimme-Preisträger Tommy Krappweis vor Watzmann-Hintergrund. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Mit »RTL Samstag Nacht« ist Grimme-Preisträger Tommy Krappweis in den 90er-Jahren bekannt geworden. Als Film-Produzent und Autor hat er sich einen Namen gemacht, kürzlich hat er eine Dokumentationsreihe über die bayerischen Alpen abgedreht. Und in Berchtesgaden seiner Frau das Ja-Wort gegeben. Im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« berichtet er über seine Hochzeit, über seinen allseits beliebten Charakter »Bernd, das Brot« sowie eine fest geplante Fortsetzung seiner Erfolgsbücher zu »Mara und der Feuerbringer«.


Wenn man mit Tommy Krappweis ein Interview vereinbaren möchte, reicht ein bloßer Anruf. Keine komplizierte Kontaktaufnahme über eine Agentur. Krappweis ist gut gelaunt, er hat ja erst vor wenigen Wochen geheiratet. Nicht in München, dort wo er herkommt, sondern im Rathaus von Berchtesgaden.

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Bekannt geworden ist Krappweis, der in München-Neuperlach geboren ist, vor allem mit »RTL Samstag Nacht«, jener Comedy-Reihe, die damals Millioneneinschaltquote hatte. Bei der stand Krappweis drei Jahre lang mit Wigald Boning und Mirco Nontschew vor der Kamera. Aber schon damals stand für ihn fest, dass der eigentliche Platz hinter der Kamera sein würde. Tommy Krappweis schrieb, drehte und schnitt die Einspieler immer öfter selbst. 1998 gründete er seine Produktionsfirma, die »bumm film GmbH«, und arbeitete schließlich auch mit Stefan Raab zusammen, für dessen Video »Schlimmer Finger« er als Regisseur tätig war.

Krappweis' Fantasyroman-Serie »Mara und der Feuerbringer«, die sich im deutschsprachigen Raum hervorragend verkaufte, wurde vor zwei Jahren in Partnerschaft mit RTL verfilmt, den Verleih übernahm Constantin Film. Mit dabei: namhafte deutsche Schauspieler wie Jan Josef Liefers, Christoph Maria Herbst oder Esther Schweins, die Krappweis schon aus »RTL-Samstag-Nacht«-Zeiten her kennt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 15-jährige Mara Lorbeer, die erfährt, dass sie die letzte nordisch-germanische Seherin ist und die drohende Götterdämmerung verhindern soll. Das Drehbruch für den Film schrieb Tommy Krappweis selbst. Der Streifen wurde mit aufwendigen Spezialeffekten versehen von John Nugent, in dessen Vita unter anderem Blockbuster wie »Der Herr der Ringe« oder »Matrix« stehen. Dennoch floppte der Film. Was Tommy Krappweis aber nicht davon abhält, an seiner Erfolgstrilogie »Mara und der Feuerbringer« weiterzuschreiben. Die Geschichte steht bereits, wie er dem »Berchtesgadener Anzeiger« verrät. »Ich freue mich drauf, demnächst loszuschreiben«, sagt der Fantasyroman-Autor. Ab 2018 soll eine weitere Trilogie des Fantasyplots erscheinen, so viel steht fest.

Neben seiner Tätigkeit als Produzent und Regisseur war es auch »Bernd, das Brot«, das Krappweis große Aufmerksamkeit verschaffte. »Bernd« ist ein sprechendes und oftmals deprimiertes Kastenweißbrot mit zu kurzen Armen, das seit dem Jahr 2000 auf dem öffentlich-rechtlichen Kinderkanal zu sehen ist. Allerdings hat der Charakter auch zahlreiche erwachsene Fans, die die Filme mit dem liebenswerten Protagonisten schauen. Ob »Bernd, das Brot«, in baldiger Zukunft auch mal heiraten wird, lautet die Frage an Tommy Krappweis. »Tendenziell eher nicht«, so die Antwort. »Wenn doch, wird 'Bernd' aber ganz sicher in Berchtesgaden heiraten.« So wie dessen Erfinder.

Berchtesgadener Traumhochzeit

Dass es überhaupt so weit kam, verdankt Krappweis einem Besuch in Bad Reichenhall. Dort war er 2015 zu Besuch, als sein Kinofilm »Mara und der Feuerbringer« gezeigt wurde. »Meine jetzige Frau hat damals den Vorschlag gemacht, noch einen Abstecher nach Berchtesgaden zu machen«, erzählt Krappweis. Gesagt, getan. Landschaftlich sei die Region ja sowieso ein Traum, »wir waren im Sommer da, besser kann man es nicht erwischen«. Den Wunsch, in Berchtesgaden zu heiraten, hatte seine Freundin schnell geäußert. »Wer bin ich, dass ich meiner Zukünftigen widersprechen würde«, sagt Krappweis rückblickend und lacht. Die »beste Idee überhaupt« sei das im Nachhinein gewesen. Denn anders als in der Großstadt, »wo im Rathaus mit gefühlten acht Stöcken und 50 000 Zimmern« Anonymität herrscht, hatten die Krappweis' im Berchtesgadener Rathaus schnell ihre Ansprechpartner gefunden. »Und das Gute war: Die waren alle wahnwitzig nett.« Wahnwitzig. Er wiederholt diese Aussage auch noch ein drittes Mal, um zu verdeutlichen, dass man sich als Gesprächspartner jetzt nicht verhört hat.

Ölschinken-Watzmann als Facebook-Hintergrund

Eine Zettelwirtschaft sei das zwar gewesen, »aber das haben Eheschließungen so an sich«. Tommy und seine Frau haben schließlich im vergangenen Dezember geheiratet. Ganz ohne Familie. Und nein, »es gibt keinen Streit in unseren Familien«, stellt er, als Medienprofi, erst mal klar. »Wir wollten das einfach so.« Ohne speziellen Grund. Für sich allein, in Zweisamkeit. »Ich war schon auf zahlreichen Hochzeiten. Meistens haben die Eheleute nur Stress und kaum Zeit, sich mit den Gästen zu unterhalten«, fasst Tommy Krappweis zusammen. Die Trauung fand schließlich im Berchtesgadener Rathaus statt. Die beiden und der Standesbeamte. Sie dauerte auch gar nicht so lang. Was aber richtig lang dauerte, war die Auswahl des Familienstammbüchleins, für das sich das Paar entscheiden musste. »Unglaublich, wie viele die da im Angebot haben«, scherzt Krappweis. »Bestimmt 1 Million verschiedene – mit Herzen, mit Feen, mit Streifen oder in Tweedstoff. Wir haben die meiste Zeit damit zugebracht, uns für ein schönes Exemplar zu entscheiden.« Nach der Trauung setzte er in Facebook einen Post ab, vor dem Watzmann, nicht als echtem Berg, sondern als »wunderbarem Ölschinken, wie gemacht als Fotohintergrund«. Krappweis schreibt in seinem Facebook-Beitrag von damals: »Leider hängt das Bild ein bissl zu hoch, aber direkt davor stehen ein paar Sitzgelegenheiten, die ma danoch freilich sauber abg'wischt ham.«

Nach der Hochzeit ging es zum Hotel »Edelweiß«, über die »Nord-Süd-Umfahrung«, so nennt Krappweis die Fahrt-strecke durch das Nonntal, entlang der Koch-Sternfeld-Straße bis in den Markt hinein, die man hinter sich bringen muss, da man nicht durch die Fußgängerzone fahren darf. Ein bisschen spazierten die beiden über den Adventsmarkt. Danach machten sie sich noch ein paar schöne Tage im Talkessel, am Fuße der Alpen.

Apropos Alpen: Tommy Krappweis ist mit dem Konzept der Berge, meist hoch und mit Schnee versehen, durchaus vertraut. Für den Salzburger Sender Servus TV hat er erst eine sechsteilige Dokumentationsreihe abgedreht, die noch die nächsten Wochen jeweils am Freitag um 21.15 Uhr auf »Servus TV« läuft. In der nächsten Episode geht es um Bergnamen, wenngleich der Watzmann darin nicht vorkommen wird. Dass Krappweis wieder nach Berchtesgaden kommt, ist übrigens auch schon sicher. Schließlich besucht man den Ort, an dem man geheiratet hat, in der Regel nicht nur einmal. Kilian Pfeiffer