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Haben die Ver- und Entsorgung mehrerer heimischer Berghütten im Blick (v.l.): Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann sowie die Ingenieure Toni Schmuck und Johannes Höglauer, beide Geschäftsführer des Planungsbüros Dippold & Gerold in Prien am Chiemsee. (Foto: Ulli Kastner)
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Kann auch das Watzmannhaus an den gemeindlichen Kanal und die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen werden? Das Genehmigungsverfahren für das Großprojekt läuft erst an. (Archiv-Foto: Franz Pfnür)

Vier Großprojekte: Gemeinde Ramsau plant die Erschließung von Berghütten mit Kanal, Wasser, Strom und Glasfaser

Ramsau – Bis auf eine Höhe von fast 2000 Metern will die Gemeinde Ramsau in den nächsten Jahren Leitungen im Gebirge verlegen lassen. Die Kommune plant unter ihrer Trägerschaft vier Großprojekte zur Erschließung von Berghütten mit Kanal, Wasser, Strom und Glasfaser. Mit den aufwendigen Bauarbeiten will die Kommune den Bestand des Watzmannhauses, der Blaueishütte, des Hirschkasers und der Hütten auf Kühroint auf Dauer sichern und durch die Ableitung der Abwässer ins Tal der Umwelt einen Dienst erweisen. Motivation für die Kommune, die Projekte anzugehen, war vor allem die neue Förderrichtlinie RZWAs 2021 in Verbindung mit dem neuen Berghüttenprogramm. 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten übernimmt der Staat, wenn die Bauträgerschaft in den Händen einer Kommune liegt.


Der Gemeinderat Ramsau hat allen vier Projekten, für die insgesamt fast 12 Millionen Euro veranschlagt werden, bereits einstimmig grünes Licht gegeben, in trockenen Tüchern sind die Maßnahmen trotzdem noch nicht, weil die wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren noch nicht abgeschlossen sind beziehungsweise noch gar nicht begonnen haben. Gute Chancen auf eine schnelle Genehmigung hat vor allem das Kühroint-Projekt. Nachdem nun keine Abkürzer durch die Natur mehr geplant sind, sondern die Leitungen von der Wimbachbrücke bis nach Kühroint durchwegs in der bestehenden Forststraße verlegt werden, sollten nun auch die Naturschutzverbände keine Einwände mehr haben. Obwohl die Kührointalm ausschließlich auf Schönauer Gemeindegebiet liegt, übernimmt die Gemeinde Ramsau auch hier die Trägerschaft, weil die Leitungstrasse fast komplett auf Ramsauer Terrain verläuft.

Geplant ist, dass sämtliche Gebäude auf Kühroint mit Kanal, Wasser, Strom und Glasfaser erschlossen werden: die Gebäude der Bundespolizei, der Kührointhütte, des Nationalparks, der Alpenvereinssektion Berchtesgaden sowie die Almkaser heimischer Bauern. Darüber hinaus auch die Schapbachalm und ein Haus, das an der Strecke liegt. Unabhängig davon schwelt noch ein Streit wegen des geplanten Erweiterungsbaues der Bundespolizei. Obwohl die Gemeinde Ramsau damit nicht befasst ist, hat Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann dazu eine klare Meinung: »Wenn man diese Einrichtung mit dem Bau auf Dauer sichern kann, dann stehe ich klar dahinter.«

Offene Kosten werden auf die Nutznießer umgelegt

Klar ist aber auch, dass es die Erschließung für die Nutznießer nicht zum Nulltarif geben wird. Alleine für das Kühroint-Projekt werden insgesamt rund 5 Millionen Euro (weitere Details zu den Projekten siehe Kasten) anfallen. Die nach Abzug der Förderung noch zu finanzierenden 25 Prozent dieser Summe werden, wie auch in den anderen Projekten, nach einem gewissen Schlüssel auf die Anschlussnehmer umgelegt. Dennoch geht man aktuell davon aus, dass alle anschließen werden, denn Bürgermeister Herbert Gschoßmann ist sich sicher: »Die Vorschriften werden ja immer strenger.«

Wesentlich komplexer, aufwendiger, aber auch umstrittener ist das Bauprojekt zur Erschießung des auf 1 930 Metern Höhe gelegenen Watzmannhauses. Die Naturschutzverbände haben sich bereits im Vorfeld des wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens skeptisch gezeigt. Doch Bürgermeister Gschoßmann ist überzeugt, dass der Natur mit dem Projekt etwas Gutes getan werde: »Die Leute müssen die Natur sehen können, um zu verstehen, wie wichtig ihr Schutz ist. Und die Zeit kann man außerdem nicht zurückdrehen.«

Geplant ist aktuell eine Abzweigung von der Kührointleitung am Wegekreuz unterhalb der Schapbachalm. Man würde dann die Leitungen im unteren Teil über die Stubenalm, die ebenfalls angeschlossen wird, und die Mitterkaseralm bis hinauf zur Wetterstation im bestehenden Forstweg verlegen. Beim Serpentinenweg wird es dann gerade hinauf gehen, bis der letzte und steilste Abschnitt erreicht wird. Die Leitungen sollen schließlich durch die Felsen hinauf zum Grat und dann zum Watzmannhaus führen.Während beim Kührointprojekt eine frostsichere Grabungstiefe von 1,50 Metern notwendig ist, reicht am Watzmannhaus, das im Winter nicht bewirtschaftet wird, eine Überdeckung von 70 bis 80 Zentimeter aus.

Schwierige Arbeiten in steilem Gelände

Für den Betrieb des Watzmannhauses wären damit gleich mehrere Probleme gelöst: unter anderem die Wasserknappheit in heißen Sommern und die bislang aufwendige Abwasserentsorgung mittels Trockenkläranlage und Abtransport der Feststoffe ins Tal mittels Seilbahn. »Man muss sich auch fragen, ob das bisher praktizierte Versitzen der Flüssigkeiten wirklich die optimale Lösung ist«, sagen Toni Schmuck und Johannes Höglauer vom Planungsbüro Dippold & Gerold, die für die Gemeinde die alpinen Erschließungsprojekte planen. Die Ingenieure verweisen vor allem auf die vielen Wasserschutzgebiete in diesem Bereich, die für die Trinkwasserversorgung der Talkesselbewohner von entscheidender Bedeutung sind.

Allerdings wissen sie auch, dass das Watzmann-Projekt eine Herausforderung für die beteiligten Baufirmen darstellen wird, denn das Gelände ist steil und felsdurchsetzt. Im oberen Abschnitt wird der Einsatz von Schreitbaggern notwendig sein. Gearbeitet werden kann mit Meißel oder Anbaufräse. Johannes Höglauer plädiert allerdings für eine dritte Variante: »Es würde Sinn machen, hier abends, wenn die meisten Besucher weg sind, einmal kurz zu sprengen.«

Während man auf Kühroint vielleicht heuer noch teilweise bauen kann, wird es bis bis zum möglichen Beginn des Watzmannhaus-Projekts noch einige Zeit dauern. Denn im Rahmen des wasserrechtlichen Verfahrens werden die verschiedenen Institutionen, Verbände und Behörden gehört. Und bei den Bauprojekten im Nationalpark benötigt man außerdem eine Ausnahme von der Nationalparkverordnung, die ja grundsätzlich Baumaßnahmen auf Nationalparkgebiet verbietet. Zuständig dafür ist die Regierung von Oberbayern. Und dann weiß man aktuell noch nicht, zu welcher Beurteilung die Naturschutzverbände hier kommen werden. Kritische Töne sind vor Kurzem schon einmal laut geworden. In jedem Fall würde die Bauzeit am Watzmann zwei Jahre betragen.

Trinkwasser war vor zehn Jahren zu teuer

Ebenfalls im Nationalpark liegt das Bauprojekt, das die Verlegung einer Wasserleitung zur Blaueishütte vorsieht. Eine Maßnahme, die der Bund Naturschutz ebenfalls bereits kritisiert hatte. Vor allem deshalb, weil die Alpenvereinssektion Berchtesgaden vor zehn Jahren zwar eine Abwasserleitung und ein Stromkabel verlegen ließ, vom Trinkwasserprojekt aber Abstand genommen hatte. Der Grund damals: Für den Kanal gab es Zuschüsse, für das Trinkwasser nicht.

Nun also soll die Blaueishütte doch mit Wasser versorgt werden, weil die Wasserversorgung vom Blaueisgletscher her nicht mehr sicher sein soll. »Die Leitung wird bis zur Seilbahnstation in der Forststraße über die Schärtenalm verlegt. Oben folgen wir dann in einer Tiefe von 80 bis 90 Zentimetern dem Graben, in dem schon Kanal und Stromleitung liegen«, erklärt Johannes Höglauer. Bis zum Startschuss wird aber noch einige Zeit vergehen, denn das wasserrechtliche Verfahren hat noch gar nicht begonnen. Und dann muss noch geklärt werden, wie es mit der Schärtenalm weitergeht. Ein Kanalanschluss besteht bislang nicht, die Alm kann nach einem geringfügigen Umbau der von den Behörden beanstandeten Kläranlage aber zu Pfingsten öffnen.

Als einziges dieser vier Projekte liegt der Hirschkaser nicht im Nationalpark. Dem Naturschutz muss man dennoch Rechnung tragen – und so darf die Abwasser, Trinkwasser-, Strom- und Glasfaserleitung nicht in der Skipiste verlegt werden, weil es sich laut Experten um ein Biotop handelt. Stattdessen wird man – wirtschaftlich aufwendiger – der alten Rodelbahn folgen, um im oberen Bereich über einen alten Ziehweg die Piste zu erreichen, diese zu queren und am Waldrand entlang den Kaser zu erreichen.

Wassertransport mit der Seilbahn

Bislang erfolgt die Abwasserreinigung am Hirschkaser über eine Pflanzenkläranlage. Das Trinkwasser wird in Kanistern mit der Seilbahn zum Gipfel gefahren und muss zweimal umgeladen werden, bis es in den Tanks der Gaststätte angekommen ist. Forciert haben die Erschließung die neuen Eigentümer Peter Hettegger und Johann Hölzl von der Hirschkaser GmbH. Sie sanieren aktuell die gesamte Gaststätte, was auch den Bürgermeister erfreut. »Die Gemeinde kann mit dem Leitungsprojekt ihren Beitrag dazu leisten, dass der Betrieb des Hirschkasers auf Dauer gesichert ist. Das ist ja auch zum Vorteil unserer Hochschwarzeck Bergbahn GmbH.«

Das Genehmigungsverfahren inclusive naturschutzrechtlicher Prüfung steht noch bevor. Dennoch ist Bürgermeister Gschoßmann zuversichtlich, dass mit den Bauarbeiten beim Hirschkaser-Projekt entweder noch in diesem Herbst oder im Frühjahr nächsten Jahres begonnen werden kann.

Ulli Kastner