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Günther Sigl und Louis Thomass (im Vordergrund) sowie die weiteren Bandmitglieder brachten die Fans in Traunstein mächtig in Fahrt. (Foto: Heel)

400 Fans im Rock’n’Roll-Fieber

Mit ihren Hits wie »Skandal im Sperrbezirk« oder »Schickeria« wurden sie einst weltberühmt – zumindest in Bayern. Dabei blieb es natürlich nicht, denn mit waschechtem Rock’n’Roll schafft man es überall (und jederzeit).

So war die Spider Murphy Gang die erste westdeutsche Band, die eine Tournee durch die DDR unternahm, und die erste und bisher auch einzige Musikgruppe, die im Münchner Maximilianeum (Bayerischer Landtag) spielen durfte. Und selbst heute, 45 Jahre nach ihrer Gründung, haben Günther Sigl & Co. nichts an Elan und Anziehungskraft verloren.

Jetzt gab die Gang, benannt nach dem fiktiven Gangster Spider Murphy aus Elvis Presleys »Jailhouse Rock«, im Hof des Traunsteiner Kulturforums Klosterkirche ein Unplugged-Konzert, wo sie rund 400 Fans auf Anhieb begeisterte bzw. mit einer »Überdosis Rock’n’Roll« mächtig in Fahrt brachte. Allerdings ohne Barny Murphy, neben Sigl das einzige Bandmitglied aus der Urbesetzung der Spider, der wegen einer Erkrankung nicht mitkommen konnte.

Für ihn trat der 1997 geborene Gitarrist Louis Thomass an, der schon Stargeiger David Garrett begleitet und auf dem Album »Perlentaucher« von Claudia Koreck gespielt hat. Ein überaus sympathischer Musiker, der beim Publikum bestens ankam und einen reizvollen Kontrast zum 50 Jahre älteren und einen Kopf kleineren Sigl bildete.

Entsprechend flott und vergnüglich ging es voran, zumal Sigl gleich eingangs versichert hatte: »I ziag's ned aus, meine Rock'n'Roll Schuah«. Und warum auch, wenn man musikalische Preziosen wie »Schickeria«, »Sommer in der Stadt« oder »Pfüati Gott, Elisabeth« im Gepäck hat und zwischendurch auf Klassiker wie Elvis‘ »That‘s Alright, Mama« zurückgreifen kann.

Begleitet wurde Sigl neben Louis Thomass von einer Handvoll langjähriger Mitspieler, allesamt fabelhafte, sich harmonisch einfügende Instrumentalisten, die zudem viel Raum für Soloparts bekamen. So bediente Ludwig Seuss mit geradezu rauschhafter Spielfreude Keyboard und Akkordeon, brillierte Otto Staniloi am Saxofon, groovte der Schotte Willie Duncan am Bass und sorgten Andreas Keller (Schlagzeug) und Dieter Radig (Percussion) gekonnt für den richtigen Drive.

Nach der Pause ließen die Spiders es dann so richtig krachen und spielten zur Freude aller Tanzwütigen erst mal zwei Songs von Chuck Berry, »Rock and Roll Music« und »Johnny B. Goode«. Danach erinnerte Sigl daran, dass sie alle mal Hippies waren und viel unterwegs, eben »Going Up the Country«, und merkte beiläufig an, dass man mit einer Größe von 1.62 (inklusive Absatz) leicht übersehen werde. Doch die Zeiten, in denen er »Mit’n Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia« einem Rendezvous entgegensah, dürften lange vorbei sein. Auch deswegen, weil er seine wahre Liebe früh gefunden hat: den Rock’n’Roll.

So verging der herrliche Sommerabend wie im Flug, gekrönt von eine Handvoll Zugaben wie »Rock Around the Clock« oder »Skandal im Sperrbezirk«. Ein allerletztes Lied war dann noch Barny Murphy gewidmet, bevor sich nach einem kräftigen Schlussapplaus die Fans zufrieden verstreuten.

Wolfgang Schweiger