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55 Jahre und kein bisschen müde

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Die Gründungsbesetzung der »Hurricanes« im Jahr 1962 mit (von links) Leo Brunner (Drums), Pilo Veitinger (Bass), Walter Veitinger (Git) und Karl-Heinz Dießbacher (Git).

Ich habe lange drüber nachgedacht. Und beim besten Willen, es gibt wohl nur diese beiden: »The Hurricanes« und »The Rolling Stones«. Man beachte die Reihenfolge. Was den einen ihr Keith Richard (Gitarre) und Mick Jagger (Gesang), ist den anderen der Walter Veitinger (Gitarre) und Leo Brunner (Drums). Seit nunmehr 55 (!) Jahren stehen diese beiden Bands mit ihren Protagonisten auf den Bühnen dieser Welt. Nie gemeinsam, aber dennoch unentwegt im Dienste der Musik, des Rock'n'Roll.


Damals, im April 1962, war das Wetter auf der Zugspitze durchwachsen mit zweistelligen Minustemperaturen und Schneefall. Zur gleichen Zeit diskutieren in einem Keller in Inzell junge Männer über ihre Träume und wie so oft kommt es, wie es kommen muss, wenn man nichts Besseres zu tun hat: Pilo Veitinger, damals mit 18 Jahren schon fast erwachsen, hat die Idee, eine Band zu gründen. Der Tag ist jung und so wird aus der Idee eine Vision und schließlich die Band »The Hurricanes« aus der Taufe gehoben.

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Bruder Walter Veitinger ist zu diesem Zeitpunkt zwar erst 14 Lenze jung, aber das hält ihn nicht auf. Die Leidenschaft Gitarre wird jeden Tag unmittelbar nach den Hausaufgaben zelebriert. Auch Leo Brunner, damals 17 Jahre alt, und Karl-Heinz Dießbacher aus Inzell stimmen dem Vorhaben zu.

Heute, 55 Jahre später, sind die »Hurricanes« eine feste Institution im Chiemgau und weit darüber hinaus. Pilo Veitinger und Karl-Heinz Dießbacher verließen die Band, es folgten Franz Dunst (Bass) und Erich Dobler (Gitarre, Keybord), der bis zum Jahr 2000 bei der Band blieb.

Jüngstes Mitglied der Band ist nunmehr Peter »Bäda« Spannring (Bass seit 2013), seit Anfang 2000 sind Herbert Lang (Gitarre) und natürlich, die – und das darf man in diesem Kontext ganz laut so sagen – »Rampensau« Herbert Ringswandl fester Bestandteil der »Hurricanes«. Ringswandl, der der Band ein »junges Gesicht« gibt und als Berufsbezeichnung Entertainer verdient hätte.

Das Konzept der »Hurricanes«, damals eher revolutionär und aufmüpfig, heute solide und bodenständiger, ist geprägt von der puren Lust am Spiel. Kommerzielle Interessen stehen hinten an, im Vordergrund steht der Spaß. Bodenständig und bescheiden sind die Bandmitglieder von jener Sorte Musiker und Mensch, die man kennenlernen will. Walter Veitinger gibt sich bescheiden, und doch spürt man tief innen seinen Stolz, wenn er zurückblickt. Angebote als Profimusiker habe es gegeben und ans Aufhören wird nicht einmal im Traum gedacht.

»Solange der Herrgott mich spielen lässt«, sagt er und winkt schon wieder ab, weil er sich gar nicht so wichtig nimmt, es macht ihm halt einfach nur »a Freud« und die Jungs verstehen sich so prima, da probt man wie selbstverständlich einmal pro Woche und reist auch schon mal quer durch Deutschland. 20 bis 30 Konzerte im Jahr spielen sie, fahren nach Jesolo, jüngst an den Wolfgangsee, oder rocken in Leipzig, München, Traunstein und demnächst natürlich auch in ihrer Heimat Inzell.

55 Jahre »Hurricanes« müssen natürlich gefeiert werden. Ein großes Zelt ist für Freitag beim Gasthof Kienberg in Inzell bestellt. Niklas Wolf, ein guter Freund der Band, wird den Abend einleiten und anschließend wirbelt der »Hurricane« über den Gasthof Kienberg hinweg. Songs von den Dire Straits, U2, natürlich auch den Rolling Stones und CCR oder Eric Clapton werden zu hören sein. Ungebrochene Spielfreude trifft auf ein stolzes Jubiläum.

»Ever and ever keep on rockin« heißt es also am Freitag ab 20 Uhr im Gasthof Kienberg. Bis dahin werde ich noch einmal darüber nachdenken, welche Band außer den »Stones« und den »Hurricanes« 55 Jahre »on stage« für sich beanspruchen kann. Udo Kewitsch