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750 Kameraden aus drei Ländern treten gegeneinander an

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»Kommando Stillgestanden« auf der Breitwiese.
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Die Siegerehrung erfolgte auf dem Schlossplatz.
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Jetzt geht es um Sekunden – und darum, fehlerfrei zu bleiben.
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750 Teilnehmer auf dem Weg zum Schlossplatz. (Fotos: Tessnow)
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Leger in Leder: Staatsministerin Michaela Kaniber.

Berchtesgaden – Die besten Feuerwehr-Teams kämpften am Samstag auf der Breitwiese in Berchtesgaden acht Stunden um Siege und Platzierungen. Insgesamt 750 Kameraden, mit 39 Gruppen aus Deutschland, 38 aus Österreich und sogar drei aus Italien gingen an den Start. Dafür waren auch 50 Schiedsrichter und rund 50 Helfer im Einsatz.


Zuschauern bot der Wettbewerb ebenfalls einen Einblick in die Ausrüstungen der Wehren. Mit einem gemeinsamen Marsch zur Siegerehrung auf dem Schlossplatz und abschließender Feier im AlpenCongress gelang ein außergewöhnliches Wettkampffest.

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Der Tau glänzte noch um 7 Uhr in der Früh auf dem Sportplatz, da stand bereits die Politprominenz beziehungsweise dreifache Schirmherrschaft auf der Tartanbahn hinter dem Mikrofon. Die ersten Würstl brutzelten auf dem Rost und die Kaffeebomben dufteten über die Breitwiese. Klingt fast schon poetisch, war jedoch eine gelungene gastronomische »Wake-up-Idee« der Organisatoren für alle. Gab es doch bereits am Vorabend eine »Warm-up-Party« am Berchtesgadener Feuerwehrhaus. Die führenden Köpfe Michael Mistlbacher, Christian Buchwinkler und Kommandant Thomas Pfnür hatten samt Team einen immensen Organisationsaufwand zu bewältigen.

»Lasst's krachen«

Staatsministerin Michaela Kaniber kam leger in Leder und begrüßte die Wehren und ihre Funktionen. »Sie sind hervorragend ausgebildet, bestens trainiert und sowohl körperlich als auch geistig top fit«, lobte die Ministerin. »Retten – Bergen – Löschen – Schützen« – das bedeute und zeige die enorm hohe Leistungsdichte der oberbayerischen Feuerwehren insgesamt. »Sie gehören zur Elite in ganz Bayern und Deutschland«, fügte Kaniber hinzu und lobte das überragende ehrenamtliche Engagement. Dem schloss sich auch Landrat Georg Grabner an und sprach ebenfalls den angereisten Gastfeuerwehren seinen Dank aus. Bürgermeister Franz Rasp brauchte dem nichts mehr hinzuzufügen und fasste sich knackig kurz: »Also, dann lasst's krachen. Heit auf d'Nacht seng ma uns.«

Um 7.30 Uhr beginnen erste Wettkämpfe

In den Gesichtern unter den Helmen zeigte sich Ausgelassenheit und froher Wettkampfwille. Da über 200 Starts organisiert werden mussten, hatte die Leitung die Wettbewerbseröffnung eine halbe Stunde vorverlegt. Der traditionell internationale Feuerwehrwettbewerb unterlag den CTIF-Regeln. Ausrichter waren der Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern, der Kreisfeuerwehrverband Berchtesgadener Land sowie die Feuerwehrvereine Au, Berchtesgaden und Maria Gern. Die Wettbewerbsleitung oblag Bundeswettbewerbsleiter Klaus-Georg Franke (DFV), Landeswettbewerbsleiter Karl Diepold (LFV) und dem Bezirkswettbewerbsleiter Oberbayern Christoph Müller (BFV OBB).

Es konnten das Bundesleistungsabzeichen und das Oberbayerische Leistungsabzeichen in Bronze und Silber an einem Tag abgelegt werden. Hier war für jedes Abzeichen jeweils ein eigener Start notwendig. Für die Stufe Gold ist ein Jahr Wartezeit einzuhalten.

Bei den traditionellen Feuerwehrwettbewerben mussten die Löschgruppen einen trockenen Löschangriff (ohne Wasser), wie im Realeinsatz so schnell wie möglich und fehlerfrei vortragen. Jeder Handgriff war vorbestimmt und musste sitzen. Der Start erfolgte in verschiedenen Klassen. Nach dem Signal des Gruppenführers wurde die Stoppuhr gedrückt und der Aufbau begonnen. Nach dem fingierten Löschangriff ging es direkt zum Staffellauf. Auch Hindernisse wie Röhren, Hürden oder Schwebebalken waren Disziplin-Bestandteile für manche Teams. Hätte es auf der Breitwiese gebrannt – nie war sie so sicher beschützt, wie an diesem Samstag.

Nach den Wettbewerben hieß es Aufstellung zum großen Festzug von der Breitwiese über die Bräuhausstraße Richtung Schlossplatz, wo die umfangreiche Siegerehrung vorgenommen wurde. Angeführt wurde der Trupp von der Musikkapelle Maria Gern, die auch auf dem Schlossplatz den musikalischen Rahmen gestaltete.

Großer Marsch zur Urkundenzeremonie

Die Zuschauer konnten eine Gänsehaut bekommen, als 750 Wehrkräfte auf Kommando ihren Helm gemeinsam mit einem denkwürdigen krachendem Geräusch in die Kiesel vor der Stiftskirche ablegten. Eine Erlösung. Denn nach acht Stunden Wettbewerb und »tollen« 30 Grad Celsius im Schatten sah das mit den entspannten Gesichtern dann schon etwas anders aus. Einige waren echt »geschlaucht«. Besondere Vorkommnisse gab es neben ein paar Sportverletzungen keine. Nach den vielen Dankesreden erfolgte die Übergabe der Auszeichnungen. Christian Buchwinkler verlas die Sieger und Michael Mistlbacher überreichte die schmucken und modernen Pokale.

Den Tagessieg Feuerwehren Oberbayern errang: Steingaden 2 (Landkreis Weilheim) mit 394,68 Punkten. Die schnellste Gruppe insgesamt war die Feuerwehr Rutzenmoos 3 (Oberösterreich) mit 412 Punkten sowie mit einer Löschangriff-Zeit Löschangriff von 30,8 Sekunden. In der Liste der Deutschlandpokalwertung zum Beispiel lag die heimische Wehr Königssee I auf dem siebten Platz. Die Wehren aus Berchtesgaden und Bischofswiesen belegten die Plätze 10 bis 15 und konnten mit ihren Leistungen zufrieden sein. Eine Liste aller ausführlichen Ergebnisse sind im Internet unter www.feuerwehrwettbewerbe.de unter »20.07.2019 Ergebnisse 3. OB Leistungswettbewerb Berchtesgaden« nachzulesen. Man sollte sich aber Zeit nehmen – es sind über 100 Einzelergebnisse.

Nach der Zeremonie ging es gemeinsam zum AlpenCongress. Dort stieg die große Abschlussparty mit Livemusik der »Berchtesgadener Buam«. Der Eintritt war frei und auch Einheimische und Gäste sollten sich unter die Wehren mischen. Nach einem Mammutwettkampftag mit Trockenübungen bot sich allen verdienten Teilnehmern die Möglichkeit, den aufgestauten Durst mit Flüssigkeit zu löschen.

Jörg Tessnow