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Chuck Norris im Nonntal

Die Wendeplatte im Berchtesgadener Nonntal treibt Einheimische und Touristen in den Wahnsinn. Eigentlich ist die Situation durch Vorfahrtsschilder und Fahrbahnlinien klar geregelt. Fährt man vom Rathaus Richtung Nonntal, muss man Vorfahrt gewähren. Danach kann man geradeaus weiterdüsen. Kommt man aus der anderen Richtung und will in den Markt, verzichtet man auf die Wendeplatte und fährt geradeaus weiter. Geht es hingegen auf die Lockstein- oder Salzburger Straße, hat der Verkehrsteilnehmer zweimal abknickende Vorfahrt. Heißt: Er muss die Wendeplatte nutzen. Spätestens dann wird es brenzlig. Generell kann man vier kategorische Verhaltensmuster erkennen:

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Der Salzburger

Beim Salzburger gilt: Oida, bist deppert! I hob immer Vorfahrt, i hob immer Recht. Meistens rast der benachbarte Österreicher vom Rathaus zur Wendeplatte und nimmt den Berechtigten die Vorfahrt. Voi liab. Zum Schmäh gehört natürlich auch, wie verrückt zu hupen und andere Verkehrsteilnehmer eines Besseren belehren.

Urlauber

Der Urlauber weiß überhaupt nichts mit dem Kreisel anzufangen. Kommt der Tourist vom Rathaus, biegt er auf die Wendeplatte ab. Aus lauter Verwirrung wiederholt er den Vorgang. Dann bleibt er bei der Ausfahrt stehen, weil er sich wegen der Vorfahrt nicht sicher ist. Erst dann hat er den Weg aus der Wendeplatte gefunden. Will einer hingegen von der anderen Seite Richtung Markt fahren, nutzt er ebenfalls die Wendeplatte. Oder bleibt zunächst stehen, bevor er geradeaus durchfährt. In beiden Fällen muss man die Wendeplatte nicht benutzen. Vielleicht machen aber Touristen das auch nur wegen neuer Urlaubserfahrungen.

Lastwagenfahrer

Manche Brummi-Fahrer überschätzen ihre Fahrkünste. Sie fahren zunächst bedenkenlos auf die Wendeplatte. Dann fällt ihnen auf, dass es eng wird. Da hilft auch kein tausendfaches Rangieren mehr. Erst nach einer halben Stunde kommt der Fahrer zur Vernunft und muss rückwärts wieder raus. Das kostet wiederum viel Zeit. Der Rückstau reicht inzwischen fast bis nach Marktschellenberg. Tipp für den Trucker: Wenn man bis zum Rathaus vorfährt, kann man dort ohne weitere Probleme umdrehen.

Der U-Turner

Der U-Turner macht einen auf Chuck Norris. Er umgeht die Wendeplatte ganz geschickt. Beim Stoppschild davor schlägt er rabiat ein und macht einen 180-Grad-Kick auf die Salzburger Straße. Weil: In Actionfilmen haut es doch auch hin. In Wirklichkeit wird der U-Turner fast jedes Mal von zwei Autos von beiden Seiten in die Zange genommen. Schließlich muss er noch einmal rangieren und nimmt einen Randstein mit. Für Fahrer, die einen Adrenalinschub brauchen sowie keinen Wert auf ein gepflegtes Fahrzeug und andere Verkehrsteilnehmer legen, eine schöne Alternative.

Patrick Vietze