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Der Mann, der »Marmor, Stein und Eisen« schuf

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Christian Bruhn stellt sich mit Regisseurin Marie Reich den interessierten Fragen des Publikums. (Foto: Heel)

Ob Schlager, Serienmelodien oder Werbejingles: Die Musik von Christian Bruhn kennt fast jeder. Doch der Komponist dahinter ist nicht jedem ein Begriff. Jetzt war Bruhn zu Gast im Trostberger Stadtkino, wo er zusammen mit der Regisseurin Marie Reich und dem Produzenten Constantin Ried den Dokumentarfilm »Meine Welt ist die Musik - Der Komponist Christian Bruhn« vorgestellt hat.


Für die Besucher war das eine kleine Sensation, weil sich der mittlerweile 84-jährige Komponist nach der Aufführung und einem kurzen Gespräch mit dem Publikum ans Klavier setzte und ein Medley seiner berühmtesten Lieder zum Besten gab. Von »Winter in Kanada« über »Zwei kleine Italiener« und »Wunder gibt es immer wieder« bis hin zu seinem größten Erfolg »Marmor, Stein und Eisen bricht.« Ein Auftritt, der sich voll und ganz mit dem Porträt deckte, das Regisseurin Reich von dem Ausnahme-Komponisten gezeichnet hat: Ein freundlicher, humorvoller und unglaublich talentierter Mann, der stolz auf seine Arbeit ist, sich aber nicht in den Vordergrund drängt bzw. von sich sagt: »Es war mir nie wichtig, auf der Straße erkannt zu werden. Die Leute sollen meine Melodien pfeifen.«

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Melodien aus einem Werkverzeichnis, das mehr als 2500 Titel umfasst und neben den bekannten Schlagern und Evergreens auch die Titelsongs zu den TV-Serien »Heidi« und »Wicki und die starken Männer« sowie viele Filmmusiken und Werbe-Musiken (Milka – die zarteste Versuchung) beinhaltet. Zudem war Bruhn ab 1991 18 Jahre lang Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA und später Professor an der Hochschule für Musik in Nürnberg/Augsburg.

In dem Film lässt Reich den Komponisten seine Geschichten einfach erzählen, ohne Kommentar dazu. Etwa über seinen Vater, der mit seiner Vorliebe für den Jazz nichts anfangen konnte und zu dem er »kein besonderes Verhältnis hatte«. Auch Freunde und Weggefährten wie Ralph Siegel, Harold Faltermeyer oder Klaus Doldinger kommen zu Wort, ebenso die Sängerinnen Katja Ebstein und Erika Goetz, mit denen er auch verheiratet war.

Dazu schwärmt der aus Altenmarkt stammende DJ Hell (Helmut Josef Geier) von Bruhns Musik, von dessen Soundtrack zur TV-Serie »Timm Thaler« er sogar einen Remix zu Ehren des Meisters angefertigt hat. Aufschlussreich ist auch, was Bruhn über den kreativen Prozess zu sagen hat. Für ihn ist es einfacher, wenn der Text zuerst da, oder zumindest eine zugkräftige Schlagzeile wie »Ein bisschen Spaß muss sein«. Da fällt ihm gleich etwas ein. Und zwar häufig etwas, das hängen bleibt. Ausgangspunkt des Filmprojekts war, wie Produzent Constantin Ried im Gespräch mit dem Publikum erklärte, seine Faszination für den Synthie Sound der 70er-Jahre. Kühle Klangwelten, wie sie etwa Bruhn zu »Timm Thaler« geschaffen habe.

Also nahm er Kontakt zu Bruhn auf, verfasste zum 80. Geburtstag des Komponisten ein Konzept und machte sich auf die Suche nach Geldgebern. Die fanden sich auch, und machten es ihm und Regisseurin Marie Reich möglich, Bruhn gut drei Jahre lang zu begleiten. Nicht durchgehend natürlich, aber an immerhin 30 Drehtagen. Nach dem Konzert gab Bruhn im Foyer des Kinos noch Autogramme und plauderte mit den Zuschauern. Eine DVD-Edition des Films wird in ca. 6 Monaten auf den Markt kommen. Wolfgang Schweiger