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Efeu-Entfernung trifft auf Unverständnis

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So sieht das Gebäude des Freistaats Bayern derzeit aus. Der Efeu hat die Mauer so massiv geschädigt, dass beim Entfernen der ganze Putz herunterfiel. Johann Wagner vom Bauamt Traunstein erklärt hierzu, dass zu allen Entscheidungen bezüglich der Sanierung des Hauses das Landesamt für Denkmalpflege hinzugezogen wurde. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Jahrzehntelang wucherte der große Efeu am ehemaligen Nationalpark-Haus am Franziskanerplatz. Das Gebäude, das dem Freistaat Bayern gehört, teilen sich die Franziskaner-Mönche nun mit der Caritas. Vergangene Woche begannen Arbeiter damit, die Fassade zu sanieren, und entfernten dafür den Efeu.


Und sorgten damit für einen empörten Aufschrei in der Bevölkerung und hitzige Diskussionen. So nachzulesen im sozialen Netzwerk »Facebook« – und auch eine aufgebrachte Leserin kam persönlich in die »Anzeiger«-Redaktion und berichtete sauer von der Entfernung. Aufschluss über die Maßnahme gibt Johann Wagner, zuständig für den südlichen Landkreis im Bauamt Traunstein.

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»Frevel«, »Das Altbewährte zählt nicht mehr«, oder auch »Erst stirbt das Grün, dann das ganze Leben«, lauteten einige der 34 Kommentare unter dem Beitrag, der in der Facebookgruppe »Mia hannan in Beacht'sgon dahoam!« zu lesen ist. Der Berchtesgadener Gebhard Droßbach hatte ein Foto von der »nackten« Fassade des Hauses am Franziskanerplatz online gestellt und dazugeschrieben: »Bei der letzten Renovierung ging man noch sorgfältig mit dem Efeu um. Vorsichtig wurde das 50 Jahre alte Grün von der Mauer gelöst, die Wand restauriert und das Spalier wieder befestigt. Das ist heute wohl nicht mehr notwendig und der Zustand der Mauer ist ja auch Entschuldigung genug für den ›Frevel‹. Wann kapiert auch Berchtesgaden, wie wichtig Grün in der ›Stadt‹ ist? Überall wird gerade bei der derzeitigen Hitzewelle erklärt, dass die Städte begrünt werden müssen und unsere ›Deppen‹ vernichten es.« Auch auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« betont Droßbach, er sei schockiert und verwundert gewesen über die Entfernung des Efeus. »Man sollte mehr Rücksicht auf das Grün im Markt nehmen«, so seine Forderung.

Jedoch sind die vielen Aussagen unter seinem Beitrag keinesfalls einseitig. Andere zeigen sehr wohl Verständnis dafür, dass der Eigentümer, der Freistaat Bayern, die Maßnahme angeordnet hat: »Wie ihr immer alles kaputtreden müsst. Ich müsste euch wahrscheinlich auch eine Begründung nennen, warum ich meine Rosen schneide. Lasst doch mal die anderen in Ruhe und kehrt vor der eigenen Türe. Wenn eine Pflanze die Bausubstanz angreift, muss man halt was tun. Was zu tun ist, geht euch nichts an«, schreibt zum Beispiel ein anderer Einheimischer.

Bei allen Emotionen sind Fakten umso wichtiger. Johann Wagner ist hierfür der richtige Ansprechpartner. Er ist zuständig für die Abteilung L 2, Bereichsleitung Hochbau, im Bauamt Traunstein. Das Gebäude am Franziskanerplatz gehört dem Staat. Es steht außerdem unter Denkmalschutz. Laut Wagner wird das Haus, wie andere auch, jedes Jahr begangen und auf Schäden kontrolliert. Dabei wurde unter anderem festgestellt, welchen Schaden der Efeu dem Mauerwerk zugefügt hat. Dieser Schaden ist derzeit deutlich zu sehen. »Das Gebäude wird sorgfältigst gepflegt, und alle Entscheidungen werden mit dem Landesamt für Denkmalpflege getroffen«, betont Wagner. So wurde letztes Jahr schon festgestellt, dass das Dach marode ist, welches jetzt ebenso saniert wird.

Den Efeu habe man über die Jahre zwar wuchern lassen, wer ihn gepflanzt habe, oder ob er von alleine gewachsen sei, sei nicht bekannt. Was aber bekannt ist: Die Verwurzelungen der Pflanze beschädigten das denkmalgeschützte Gebäude massiv. Da das Gewächs nicht auf einem Spalier, sondern direkt auf der Mauer sprießte, ist diese ständig feucht. »Wenn es stürmt und gewittert, regnet es an die Mauer. Der Efeu verhindert dann aber durch sein dichtes Blattwerk, dass diese wieder trocknet, denn er lebt ja davon.« Das Ganze sei absolut tödlich für die Wände. »Ich weiß, es ist eigentlich das herrlichste Gewächs. Aber nicht, wenn es das Gebäude schädigt«, so Wagner entschlossen. Für alle Pflanzenliebhaber gibt es aber einen Lichtblick: »Wenn das Landesamt für Denkmalpflege zustimmt, soll nach der Sanierung ein Spalier angebracht werden, an dem wieder Kletterpflanzen wachsen sollen«, informiert Johann Wagner. Annabelle Voss