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Ein Fest der Heiterkeit und Freude

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Der ehemalige Verehrer Rosalindes (Wongjong Lee) und Rosalinde (Christina Maria Fercher) liefern schauspielerisch und sängerisch unterhaltsame Szenen. (Foto: Janoschka)

Ein Fest der Freude und der Heiterkeit mit espritvoller Unterhaltung bereitete die Bad Reichenhaller Philharmonie unter ihrem bestens gelaunten Chefdirigenten Christian Simonis ihren Zuhörern bei den Strauss-Tagen. Während des Konzertes gab es ein Gespräch mit Senatspräsident Dr. Eduard Strauss, dem Ururenkel des Komponisten, der seine Familie aufgrund von »nebenehelichen Verbindungen« als nicht gerade bieder bezeichnete. Auch auf die Verbrennungsaktion des Archivs der Strauss-Kapelle im Oktober 1907 ging er ein. Er beendete seine Ausführungen mit der Aufforderung: »Herr Generalmusikdirektor, spuins weiter.«


Wer bei der charmanten und unterhaltsamen Moderation von Generalmusikdirektor Christian Simonis genau hinhörte, bekam einen kleinen Einblick in die Entstehung eines Konzertprogramms auf musikwissenschaftlicher Grundlage. Im aktuellen Konzert war der 100. Todestag von Eduard Strauss (1835-1916) für die Programmzusammenstellung ausschlaggebend. Deren abwechselnde Gegenüberstellung mit Passagen aus der »Fledermaus« seines um zehn Jahre älteren Bruders Johann Strauss, (1825-1899) war reizvoll.

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Facettenreiches Schaffen des jüngsten Sohns

Schnelle Polkas, wie »Ohne Bremse«, »Mit Extrapost«, oder »Mit Vergnügen« waren die Spezialität von Eduard Strauss und so begrüßte die Bad Reichenhaller Philharmonie ihr Publikum schwungvoll und mit einem sichtlichen Vergnügen. Aber auch eine Polka française mit dem Beinamen »Schneesternchen«, für dessen Glitzern die Triangel verantwortlich war, oder »Die Träumerin«, eine Polka mazur, sowie der Walzer »Doctrinen«, der auf Wunsch von Dr. Eduard Strauss ins Programm aufgenommen worden war, stellten das facettenreiche Schaffen des jüngsten Sohns der Strauss-Dynastie vor.

Aus der »Fledermaus«, der »Operette aller Operetten«, waren halbszenisch das Auftrittslied der Adele »Nein, mit solchen Advokaten«, »Komm mit mir zum Souper«, der Csardas »Klänge der Heimat«, das Uhrenduett, »Mein Herr Marquis« und das »Finale aus der Fledermaus« zu hören.

Die Sopranistinnen Christina Maria Fercher als feurige Rosalinde mit wechselnder Abendbekleidung von strahlend rot bis zum angedeuteten Negligé sowie Christine Holzwarth, die sich nicht nur äußerlich, sondern auch schauspielerisch vom Stubenmädchen Adele zur charmanten Schauspielerin Olga auf Prinz Orlowskys Fest verwandelte, blicken beide bereits auf eine reiche Bühnenerfahrung und auf etliche Auszeichnungen zurück. Ebenso wie der Tenor Wongjong Lee, der in der Rolle des Liebhabers Alfred überzeugte (»Glücklich ist, wer vergisst«), studierten sie bei Wolfgang Dosch an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.

Wolfgang Dosch selbst ist als Tenor, Regisseur und Wissenschaftler ein Multitalent, was er an diesem Abend eindrücklich bewies. Er schlüpfte nicht nur in die Rolle des Anwalts Dr. Blind von Rosalindes Ehemann Gabriel Eisenstein – den Tenor Harald Wurmsdobler in seinen Auftritten wunderbar verkörperte –, sondern auch in diejenige von Dr. Falke, einem Jugendfreund von Eisenstein und von Gefängnisdirektor Frank.

Außerdem – und diese Szene kann mit Recht als einer der Höhepunkte des Abends bezeichnet werden – lieferte Wolfgang Dosch ein köstliches Solo: »Der Sänger mit drei Tönen« aus der Feder des Librettisten der Fledermaus Richard Genée (1823-1895). Er habe nur drei und manchmal dreieinhalb Töne zur Verfügung – c, d, e und f –, sang Wolfgang Dosch und er lege sich jede Melodie nach den Möglichkeiten seiner Stimme zurecht.

Mit sächsischem Dialekt und französischem Akzent

So zeigte er zur allgemeinen Erheiterung, wie diese wenigen Töne für die Arie des Tamino »Dies Bildnis ist bezaubernd schön« ausreichen. Er ließ sich von Verdi eine Stretta komponieren, und verhandelte auch mit Wagner über eine Komposition, was ihm die Gelegenheit gab, im sächsischen Dialekt des Meisters zu baden und damit die kabarettistische Leistung noch zu steigern – ebenso wie mit dem französischen Akzent eines Jacques Offenbach. Auch »An der schönen blauen Donau« des Walzerkönigs Johann Strauss richtete er für »die Eigentümlichkeit seiner Stimme« ein. Ein Kabarettstück mit besonderem Unterhaltungswert.

Zungenbrecherische Textherausforderungen, Soprankoloraturen, beste Spiel- und Singlaune bei den verschiedensten Sängerkonstellationen machten die Operettengala trotz leichter Muse zu einer herausragenden musikalischen Darbietung. Nach zwei Zugaben von Eduard und Johann Strauss, die noch einmal alle Beteiligten auf der Bühne vereinten, endete das Konzert mit Jubel, Bravos und Begeisterung pur. Brigitte Janoschka