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Gewitterwolken über dem Watzmannhaus – Klage gegen Ausbau

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Das baufällige Salettl am Watzmannhaus soll neu gebaut werden. Über die Ausführung ist jetzt ein Streit zwischen der DAV-Sektion München und dem Bund Naturschutz entbrannt. (Foto: DAV-Sektion München)
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So sieht die aktuelle Planung für die Umbauarbeiten am Watzmannhaus aus. Die Auskragung des neuen Salettl (r.) wurde um 1,60 Meter verkürzt und schließt nun mit der Felskante ab. (Grafik: DAV-Sektion München)

Ramsau – Mit ihren ursprünglich utopisch anmutenden Erweiterungsplänen für den ostseitigen Watzmannhaus-Anbau hatte die DAV-Sektion München von Anfang an nicht jedermanns Geschmack getroffen. Am wenigsten aber den der Kreisgruppe Berchtesgadener Land des Bundes Naturschutz. Die reichte gegen die Pläne, die ein über die Felswand hinausragendes Salettl vorsahen, Klage ein.


Zwar reduzierten die Münchner die Erweiterung nun aus verschiedenen Gründen um 1,60 Meter. Doch BN-Kreisvorsitzende Rita Poser, die von einer »Aussichtskanzel« spricht, will an der Klage festhalten.

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Bereits seit etwa drei Jahren plant die Sektion München des Deutschen Alpenvereins eine Generalsanierung des Watzmannhauses. Dazu gehören zahlreiche Maßnahmen wie die Verlegung und Vergrößerung des Herrenwaschraums, die Verbesserung des Brandschutzes, eine Teilsanierung der Küchenausstattung, eine Sanierung von Decke und Bodenbelag in der Gaststube und eine Erneuerung von Zimmerwänden.

Wichtig ist vor allem auch die Vergrößerung der Speicherkapazitäten für Brauchwasser. Denn wegen Wasserknappheit mussten in den letzten fünf Jahren immer wieder Waschräume zeitlich befristet oder ganz gesperrt und Trockentoiletten zur Hütte geflogen werden. Nun sollen auf der Südseite in Richtung des Hauses unter der geplanten Terrassenerweiterung zusätzliche Brauchwasserbehälter untergebracht werden. Inklusive weiterer Behälter im Unterbau des Winterhauses will man das Speichervolumen um etwa 50 bis 60 Kubikmeter erweitern.

Zu wenige Sitzplätze

Wichtigstes Projekt ist aber wohl auf der Ostseite der Neubau des Salettls, also der Gaststube. Die ist baufällig und soll durch einen größeren Ersatzbau an gleicher Stelle ersetzt werden, womit man auch das bislang bestehende Ungleichgewicht zwischen Schlaf- und Sitzplätzen ausgleichen will. Denn während das Watzmannhaus aktuell über 216 Schlafplätze verfügt, gibt es nur 159 Sitzplätze. »Unsere Wirte Annette und Bruno Verst nehmen aktuell nur so viele Gäste auf, wie Sitzplätze zur Verfügung stehen, obwohl die Nachfrage viel größer wäre«, sagt Thomas Gesell, Hüttenbetreuer der Sektion München. Nach der Erweiterung werden also deutlich mehr Gäste am Falzköpfl übernachten können, als dies bislang der Fall war. Die Jahresbilanz könnte von bislang rund 10 000 auf dann 13 000 Übernachtungen steigen.

Doch mit der ursprünglichen Planung für den Salettl-Neubau hat die Sektion München die Kreisgruppe Berchtesgadener Land des Bundes Naturschutz gegen sich aufgebracht. Kreisvorsitzende Rita Poser kritisiert das nach den ihr vorliegenden Plänen weit über den Felsen auskragende Bauwerk als »Aussichtskanzel«, die sowohl dem Grundsatzprogramm des DAV als auch der Nationalpark-Verordnung widerspreche. Die Kapazitätserweiterung insgesamt sieht die BN-Kreisvorsitzende als »absoluten Schmarrn«, denn bei schönem Wetter werde das Watzmannhaus auch jetzt schon überrannt. »Man muss nicht alles bis zum Anschlag voll machen«, kritisiert Rita Poser und spricht sich deshalb auch gegen die Terrassenverbreiterung auf der Südseite aus. Bereits im Mai hat der Bund Naturschutz deshalb gegen das Projekt Klage beim Verwaltungsgericht München eingereicht.

Daran will Rita Poser auch festhalten, denn von geänderten Plänen der Sektion München, die eine Verkürzung des neuen Salettls um 1,60 Meter vorsehen, weiß die Bischofswieserin nichts. »Wenn es denn so ist, dann muss die Sektion halt eine Tektur einreichen. So geht es jedenfalls nicht«, schimpft Rita Poser.

Auskragung um 1,60 Meter verkürzt

Nicht verstehen kann die ganze Aufregung Thomas Gesell, Hüttenbetreuer der Sektion München. Einen Bericht der »Süddeutschen Zeitung«, in der von »Eventarchitektur« und »verglastem Anbau« die Rede war, weist er zurück. »Hier soll kein Glaspalast, sondern ein funktionaler Holzanbau entstehen«, betont Gesell. Zwar bestätigt der Sektionsvertreter, dass man den Anbau jetzt um rund 1,60 Meter verkürzt habe und das Bauwerk damit an der Felskante abschließen werde. Das habe aber nichts mit etwaigen Zuschüssen vonseiten des DAV-Hauptvereins zu tun. In der DAV-Zentrale, die die Sektionen bei Hüttensanierungen in der Regel finanziell unterstützt, hatte man sich von den ursprünglichen Plänen ebenfalls wenig begeistert gezeigt. »Mit Sicherheit nicht wegen des gefährdeten DAV-Zuschusses haben wir jetzt den Kompromissvorschlag vorgelegt«, betont Gesell, »denn die zu erwartende Summe fällt bei einer Gesamtinvestition von über 1,6 Millionen Euro kaum ins Gewicht. Wir bauen so oder so.« Die jetzige Variante habe man vielmehr wegen der ansonsten aufwendigen Statik und der damit verbundenen Kosten vorgeschlagen.

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So sieht die aktuelle Planung für die Umbauarbeiten am Watzmannhaus aus. Die Auskragung des neuen Salettl (r.) wurde um 1,60 Meter verkürzt und schließt nun mit der Felskante ab. (Grafik: DAV-Sektion München)

Die auskragende Bauform wird es jetzt also nur noch in verkürzter Ausführung geben, sie soll an der Felskante enden. Notwendig sei sie aber, betont Gesell. Denn unter der Auskragung soll auch weiterhin der Verbindungsweg von der Süd- auf die Nordseite hindurchführen. Der ist vor allem für die Skibergsteiger wichtig, die über den Winteranstieg die Terrasse auf der Nordseite erreichen und dann in Richtung Hocheck auf der Südseite weitergehen wollen.

Auch Dr. Roland Baier, Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, kennt die neuen Pläne nicht. »Wenn es jetzt so kommt, dann kann ich damit leben«, sagt er. Anders fiel Baiers Bewertung allerdings für die bisherige Planung aus, der sein Vorgänger Dr. Michael Vogel noch zugestimmt hatte. »Ich lehne das Eventisieren der Landschaft ab. Natur und Landschaft brauchen keinen Geschmacksverstärker«, sagt Baier.

Es liegt noch kein Tekturantrag vor

Wenn es nach Thomas Gesell geht, sollen die Bauarbeiten bereits in zwei Wochen beginnen. Der Betrieb würde dann etwas reduziert mit rund 130 Übernachtungsplätzen weiterlaufen. Auch ein Hubschrauber wird bei den Bauarbeiten für den Materialtransport zum Einsatz kommen. Weil bis Ende Oktober gebaut werden darf, kann man vermutlich noch heuer den betonierten Unterbau für das Salettl errichten. Der Oberbau in Holz soll dann im nächsten Frühjahr entstehen.

Ein kleines Fragezeichen gibt es allerdings noch. Denn Martin Willeitner, Geschäftsleiter der Gemeinde Ramsau, teilt auf Anfrage mit, dass bei Veränderungen der Planung in jedem Fall ein Tekturantrag notwendig sei. Der liegt bis jetzt aber nicht vor. Ulli Kastner

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