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Hüter der Grenzen und Abmarkungen

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Seit 40 Jahren hütet Stefan Sunkler Grenzen und Abmarkungen in Marktschellenberg. (Foto: Vietze)

Marktschellenberg – Grundstücksgrenzen setzen, Grenzverläufe begradigen und Konflikte zwischen Grundbesitzern schlichten: Feldgeschworener Stefan Sunkler macht diese Aufgabe seit 40 Jahren für die Gemeinde Marktschellenberg.


Dem »Berchtesgadener Anzeiger« erklärte der Marktschellenberger, was ein Feldgeschworener genau macht, welche Fähigkeiten er haben muss und welche Probleme dieses Ehrenamt mit sich bringt.

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»Ein Feldgeschworener ist kein Beruf, sondern eine Ernennung«, sagt Sunkler. Man werde vom Bürgermeister oder vom Landrat vereidigt. Dieses kommunale Ehrenamt könne jeder volljährige Ortsansässige ausüben. Ein Feldgeschworener sei Vermittler zwischen Bürger und Vermessungsamt, wenn Grundbesitzer sich uneinig über die Grenzen sind. Denn: Feldgeschworene hüten Grenzen und Abmarkungen in den Gemeinden. Pro Gemeinde gibt es zwischen vier und sieben Feldgeschworene, die den Gemeindepflichten folgen müssen.

Stefan Sunkler wurde vor 40 Jahren als Feldgeschworener vereidigt. »Ich wollte damals Feldgeschworener werden, weil die Gemeinde einen gesucht hatte. Ich war vertraut mit der Materie«, sagt Sunkler. Als selbstständiger Landwirt sei er zeitlich flexibel. Zudem habe er das nötige Wissen über landwirtschaftliche Flächen. Das sei sehr wichtig für die Grenzsetzungen.

Vermessen und vermitteln

Sunkler nimmt an Vermessungen teil, begradigt mit einem zweiten Feldgeschworenen Grenzen und schlichtet Konflikte zwischen Grundbesitzern. Außerdem müssen Grenzen neu gesetzt werden, wenn man die Grenzsteine wegen einer Baustelle entfernen musste. »Die Vermessungen können im Wald, am Grundstück oder auf der Straße erfolgen«, meint er. Prinzipiell werden Grenzsteine aus Granit zur Abmarkung verwendet. Es gibt aber auch andere Grenzpunktarten. Für den Asphalt benutzt man Nägel und in die Randsteine werden Kreuze geschnitten.

Neben der Vermessungskompetenz spielt für Sunkler der soziale Umgang eine wichtige Rolle. »Persönliche Kontakte sind sehr wichtig«, meint er. Man müsse sich oft mit den Leuten auseinandersetzen, wenn ein Streit zwischen den Grundbesitzern herrsche. Ein Feldgeschworener müsse eine aufgeschlossene und zuverlässige Person sein.

Aus eigener Erfahrung berichtet der Marktschellenberger von einem schwierigen Vorfall. Es ging um ein 50-Zentimeter-Bankett, das ein Grundbesitzer nicht hergeben wollte. Sunkler redete auf ihn ein. Der Besitzer schlug vor, 25 Zentimeter des Banketts herzugeben. Man setzte sich dann zu einem Bier zusammen, um die Auseinandersetzung aufzulockern. Schließlich einigten sich beide auf 30 Zentimeter des Banketts. »Persönlicher Umgang und Kompromisse mit den Betroffenen sind oft ausschlaggebend«, fügt er hinzu.

Sunkler hat es bisher geschafft, dass kein Streit vor Gericht geklärt werden musste. »Es gab schon welche, die sich mal quergestellt haben. Aber ich sprach mit ihnen, ließ sie paar Nächte darüber schlafen und dann konnten sie sich schon einigen«, so der Landwirt.

Flexibilität gefragt

Zeitliche Flexibilität ist für das Amt eines Feldgeschworenen eine wichtige Voraussetzung. Denn die Einsätze sind sehr unregelmäßig. »Es kann passieren, dass ich ein dreiviertel Jahr lang keinen Einsatz habe. Oder dass sich die Einsätze in kürzester Zeit häufen«, so Sunkler. Andererseits können die Anträge vom Vermessungsamt sehr kurzfristig kommen. Sunkler hat als selbstständiger Landwirt den Vorteil, sich seine Arbeitszeit selbst einteilen zu können. Weil selbstständige Landwirte immer weniger werden und bei anderen diese Flexibilität nicht gegeben ist, wird es immer schwieriger, neue Feldgeschworene zu finden.

Stefan Sunkler erinnert sich an einen fünfwöchigen Dauereinsatz. Damals wurden die Straßen Anfangmühlweg, Steinerweg und Steinhäuslweg neu gebaut. Die Wege wurden breiter, die Grundbesitzer mussten etwas Grund abtreten. Deswegen setzte Sunkler mit dem Vermessungsamt neue Grenzen.

Stefan Sunkler war außerdem stellvertretender Ortsobmann. Er koordinierte und organisierte Termine mit dem Vermessungsamt. Nach 40 Jahren Feldgeschworenendienst ist der Marktschellenberger nun nicht mehr ganz so aktiv. Er trägt beispielsweise keine Grenzsteine mehr. Aber er ist weiterhin Hüter der Grenzen und Abmarkungen. Patrick Vietze