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Weltcup-Gesamtsieger Severin Freund arbeitet hart an seiner Form für die kommende Skisprungsaison

»In der Athletik fühle ich mich schon gut«

Berchtesgaden – Weltklasse-Skispringer Severin Freund vom WSV DJK Rastbüchl absolvierte Wochenende im Kraftraum des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) mit C-Kadertrainer Christian Leitner harte Trainingseinheiten. Freund gewann in der letzten Saison den Gesamtweltcup, holte zehn Medaillen bei Olympischen Spielen sowie Weltmeisterschaften und stand 38 Mal bei Weltcup-Konkurrenzen auf dem Podium. Dabei plagen Freund immer wieder Rückenprobleme, die er jedoch mit einem speziellen Training gut im Griff hat. Nachdem es im letzten Jahr bei der Tournee nicht so gut gelaufen war, wie erhofft, ist Freunds Bestreben, zum Tourneeauftakt in Topform zu sein.Da es in der nächsten Saison kein Großereignis gibt, sind die Internationale Vierschanzentournee und der Gesamt-Weltcup das Wichtigste. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hatte die Gelegenheit, mit dem Weltklasse-Skispringer ein Gespräch zu führen.

Severin Freund arbeitet immer wieder mit seinem Heimtrainer Christian Leitner zusammen. Am letzten Wochenende unterzog sich Freund harten Trainingseinheiten im Kraftraum des BSD. (Foto: Wechslinger)

Wie steht es um deine Gesundheit und deinen Trainingszustand?

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Severin Freund: Gesundheitlich geht es mir gut, aber topfit bin ich noch nicht. Ein bisschen etwas muss bis zum Winter noch kommen, darum trainiere ich ja gerade hart im Kraftraum des BSD. Ich hatte ja schon einen Bandscheibenvorfall und muss daher in der Prophylaxe mehr tun. Ich habe die Situation aber gut im Griff und weiß, was ich machen muss. In der Athletik fühle ich mich schon gut, aber wie es wirklich aussieht, weiß man erst im Winter bei den ersten Weltcupspringen.

Wie ist im Moment dein Eindruck von den anderen Mitgliedern des Springerteams?

Freund: Wir sind alle recht nahe zusammen. Mehrere Springer haben bei den verschiedenen Lehrgängen schon sehr gute Leistungen gezeigt. Ich denke, wir können recht positiv in die nächste Saison starten.

Du bist inzwischen zu einem Seriensieger geworden. Daran kann man sich wahrscheinlich gewöhnen.

Freund (lächelnd): Natürlich macht es großen Spaß ganz vorne zu sein. Aber es wird sicher nicht leicht, immer um den Sieg zu springen. So viel ich gesehen habe, machen die Norweger mannschaftlich einen sehr guten Eindruck. Da sind einige sehr starke junge Springer dabei. Die Österreicher waren relativ gesplittet und sind nur immer wieder einzeln aufgetaucht, haben aber auch gute Leistungen gezeigt. Bei den Polen hat mich überrascht, dass Kamil Stoch nicht so stark war, wie in den letzten Jahren, dafür aber andere.

Bei der Vierschanzentournee gibt es die magische Zahl »vier«. Nur Sven Hannawald schaffte es im Jahr 2002 als bisher einziger Skispringer, alle vier Konkurrenzen zu gewinnen. Hast du das auch im Visier?

Freund: Ich denke, dass kein Springer daran denkt, alle vier Konkurrenzen zu gewinnen. Ich glaube auch, dass es bei der Ausgeglichenheit der Topspringer immer schwieriger wird, alle Konkurrenzen zu gewinnen. Auf jeden Fall möchte ich bei der Tournee besser ausschauen als zuletzt. Dazu muss ich früher in der Saison in entsprechender Form sein. Ich habe bei der Tournee ja schon einiges ausprobiert, aber es hat immer gleich ausgesehen. Wenn man jedoch in Form ist, kann man nichts falsch machen.

Wie funktioniert das Modell Studium und Spitzensport?

Freund: Es fehlt nicht mehr viel, um meine Studien abzuschließen. Ich muss sehen, wie viel Zeit ich noch bekomme, um den Bachelor of Arts in International Management abzuschließen.

Wo soll es dann nach dem Sport hingehen?

Freund: Das ist noch offen. Ich kann mir jedoch relativ viel vorstellen. Aber was es am Ende sein wird, weiß ich noch nicht.

Wie lange hast du vor, noch zu springen?

Freund (lacht): Auf keinen Fall so lange wie Noriaki Kasai, der mit 43 Jahren immer noch dabei ist.

Du startest ja seit Neuestem für die Zollmannschaft.

Freund: Im Zoll waren bisher nur die Alpinen, Langläufer und Biathleten dabei. Zuletzt hat sich der Zoll aber auch für die Skispringer und Kombinierer geöffnet. Mit in der Zollmannschaft sind die Nordisch Kombinierten Jakob Lange und Johannes Rydzek sowie mein Springerkollege Andreas Wellinger.

Dann bleibt uns nur, dir eine perfekte Saison mit möglichst vielen Erfolgen zu wünschen. Christian Wechslinger