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Info-Stand wird zur Beschwerdestelle: Reisende kritisieren mangelnde Information

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Berchtesgaden: Verkehrsforum-Info-Stand wird zur Beschwerdestelle: Reisende kritisieren mangelnde Information
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Sie hörten sich bei einem Informationsstand die Sorgen der Reisenden an (v.l.): Fritz Sparrer und Paul Grafwallner aus Berchtesgaden, Dr. Karl Bösenecker, 1. Vorsitzender, und Richard Fuchs, 2. Vorsitzender. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Das Verkehrsforum Berchtesgadener Land und Rupertiwinkel hat kürzlich zum Abschluss der Europäischen Mobilitätswoche im Berchtesgadener Land mit Informationsständen in Berchtesgaden und in Laufen darüber informiert, wie sich der Verein eine sinnvolle Verbesserung der Mobilität in der Region vorstellt. Der Berchtesgadener Info-Stand am Durchgang vom Bahnhof zum Ausweichbusbahnhof Salinenplatz entwickelte sich schnell zur Beschwerdestelle, wie das Verkehrsforum in einer Pressemitteilung berichtet.


Die Baustelle am Bahnübergang Frühlingsstraße in Bad Reichenhall, die vor acht Tagen abgeschlossen wurde, verursachte demnach anhaltend Probleme. Der hierdurch notwendige Schienenersatzverkehr mit Bussen neben dem Bahnbetrieb zieht sich hin. Daher konnten die Fahrgäste am Samstag um 10 Uhr am Bahnhof Berchtesgaden noch nicht sicher erfahren, ob am Nachmittag Bahnverkehr oder Schienenersatzverkehr herrscht.

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Es erschienen Gäste, die ihre Abfahrtssituation für den Sonntag erfahren wollten. Ihnen wurde am Stand mitgeteilt, statt unsicher mit dem Zug über Freilassing und weiter nach Salzburg zu fahren und zu versuchen, ihren ICE zu erreichen, direkt mit dem Bus nach Salzburg zu fahren, zwar mit Aufpreis, aber zuverlässig und mit Seelenruhe.

Die meisten Gäste kamen auf der Orientierungssuche, ob Schienenersatzverkehr oder Zug, mehrfach am Stand vorbei. Zum Teil völlig erschöpft, weil sie viel Gepäck in die Unterführung hinunter und dann am Ende wieder hinaufgeschleppt hatten. Betroffen von der anhaltenden Misere sind allerdings nicht nur Touristen, sondern auch Pendler, die mit der Bahnverbindung täglich nach Freilassing fahren. Auf die Frage, warum sie denn unter den Umständen noch mit »Öffentlichen« fahre, erklärte eine Passantin den Mitgliedern des Verkehrsforums: »Nur weil ich verrückt bin, fahre ich noch Bahn.«

Zentrales Problem ist zusammengefasst die chaotische Informationspolitik aller Verkehrsträger. Alle Planer gehen von informierten Kunden aus. Das geht damit los, dass am Bahnhofseingang drei Schilder mit Pfeilen »zu den Bussen« verweisen, im Bahnhof geht es aber nicht mit der Symbolik weiter. Wer sich also im Zeitungsgeschäft oder Kaffeebuffet durchgefragt hat, gelangt zum Bahnsteig – und sieht, soweit nicht von geparktem Zug verstellt, den Ersatz-Busbahnhof. »Die Erfahrung der letzten Tage zeigte, man kann sich weder auf die Anzeige auf den einschlägigen Smartphone-Apps, soweit man überhaupt ins Internet kommt, noch auf die Laufschrift am Bahnsteig verlassen«, so das Verkehrsforum.

Nicht alle auf dem Weg nach Hamburg kennen sich mit den Destinationen und Umstiegsmöglichkeiten in Piding oder Bad Reichenhall aus. Suchend pilgert man also sicherheitshalber mal vor zum Ersatzbusbahnhof, wo einem dreistellige Nummerntafeln bei der Orientierung helfen sollen. Am Staub erkennt man die häufiger befahrenen Abfahrten und bekommt durch Herumfragen heraus, ob demnächst vielleicht ein Bus Richtung Bad Reichenhall statt des erwarteten Zugs unterwegs ist.
»Es ist klar, dass dieses Chaos die Reisenden beunruhigt und bei den bediensteten Busfahrern und Zugbegleitern Ärger abgelassen wird«, heißt es in der Pressemitteilung. Telefonisch seien die angegebenen Beschwerdestellen sowieso nicht erreichbar. »Da ist dann bei der Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden auch hin und wieder davon die Rede, dass Köpfe rollen müssten«, schreibt das Verkehrsforum BGL weiter.

Die gegenwärtigen untragbaren Verhältnisse könnten mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten bei einer Baustelle, mit reihenweise plötzlichem Ausfall von Bus- und Zugführern keine Entschuldigung finden. Hier liege »Versagen im Management« vor, im Vordergrund bei der Berchtesgadener Land Bahn (BLB), mit operativer Verantwortung bei der Salzburg AG, bei der RVO sowie sich gegen seitig entschuldigenden Unter-GmbHs der Deutschen Bahn. Der nächste vierwöchige Schienenersatzverkehr sei schon angedroht – der DB-Netz AG fiel auf, dass auch der Bahnübergang Auenstraße in Piding dringend technisch aufgerüstet werden muss. fb

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