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Beeindruckendes Eröffnungskonzert des Festivals »AlpenKlassik« in Bad Reichenhall

Inspirierende Musik

Mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Gioachino Rossini und Richard Strauss haben die Dozenten Sabine Meyer (Klarinette), Reiner Wehle (Bassetthorn) und Marie-Luise Neunecker (Horn) von der International Sommer School zusammen mit der Gesangssolistin Katharina Konradi und den Musikern der Bad Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Christoph Adt das Festival »AlpenKlassik« eröffnet.

Reiner Wehle und Sabine Meyer verzauberten das Publikum zum Auftakt des Festivals »AlpenKlassik« in Bad Reichenhall. (Foto: Bauregger)

Die beiden Münchener Klarinettisten Heinrich und Carl Baermann hatten den »Preußen« Felix Mendelssohn Bartholdy bei einem Besuch in Berlin zur Komposition der beiden, in diesem Konzert vorgetragenen Konzertstücke für Klarinette, Bassetthorn und Orchester in d-Moll op. 114 und f-Moll op. 113 inspiriert, wie Moderator Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater München, erklärte. Als Gegenleistung kreierten die beiden köstliche Mehlspeisen.

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Die Besetzung ist ein Geniestreich

Redmann bezeichnete die zwei Kompositionen als »Geniestreiche« des Komponisten – mit Sabine Meyer an der Klarinette und Reiner Wehle am Bassetthorn gelang in Bad Reichenhall ein weiterer Geniestreich. Mit traumwandlerischer Sicherheit, Harmonie, Synchronität und Instrumentenbeherrschung bewegten sich die beiden Dozenten virtuos und mit einer kraftvollen Ausstrahlung durch die beiden Orchesterwerke. Wunderbar weiche Töne, weit gefasste, sprudelnde Läufe im Solo oder eingebunden in einen wunderbaren Klangteppich der Philharmonie faszinierten die Zuhörer.

Insbesondere Sabine Meyer genoss es sichtbar, ihren Part im Stehen vorzutragen. Über eine enorm quirlige, bewegte und kokettierende Körpersprache verstand sie es überzeugend, die Wirkung der Stücke noch einmal sehr stark zu potenzieren – kein Wunder, dass sich das Publikum mit rauschendem Applaus bedankte und die beiden zu einer flotten Zugabe bewegten.

Ebenso frisch und anziehend präsentierte sich Gesangssolistin Katharina Konradi. Ganz im Stil der »Viper« Rosina aus »Der Barbier von Sevilla« von Gioachino Rossini verstand es die junge Sängerin in der Arie der Rosina »Una voce poco fa«, mit reiner, in allen Tonlagen gleichmäßig ausgebildeter Stimme und ausdrucksstarkem Timbre, das Publikum um den Finger zu wickeln, aber sinnbildlich auch »Gift zu verspritzen«.

Den drei Werken für Singstimme und Orchester von Richard Strauss, »Ständchen op. 17/2«, »Morgen op. 27/4« und »Das Rosenband op. 36/1«, verlieh die Solistin mit Charme, einer verbindlichen Mimik und passender Gestik die jeweils geforderte Stimmung. Eine besondere Ergänzung dazu war – neben einer grandiosen Orchestergesamtleistung – das feinfühlige Solo der ersten Geigerin und Konzertmeisterin Yan Zhang bei »Morgen«, die dem Vortrag eine besondere lyrische Note verlieh. Lediglich das Notenpult störte im zweiten Vortragsteil nach der Pause, da die Sängerin sich relativ starr daran festhielt. Mit kräftigem Applaus und Bravo-Rufen dankte das Publikum auch der Sängerin für ihre überzeugende Leistung.

Marie-Luise Neunecke überzeugt das Publikum

Den Schluss des hochkarätigen Konzerts bestritt schließlich die Hornistin Marie-Luise Neunecker mit dem »Konzert für Horn und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 11« von Richard Strauss, das dieser mit erst 19 Jahren erstmals aufgeführt hat. Marie-Luise Neunecker überzeugte das Publikum mit einem typischen, in allen Höhen- und Tonlagen ausgeglichen, präsenten Ton, den die Künstlerin dynamisch, vom Pianissimo bis zum forte fortissimo, im satten Brasston mühelos einzusetzen wusste.

Durch den Verzicht auf Noten entstand zudem eine Leichtigkeit und Freiheit, obwohl die Solistin etwa im Mittelteil der Komposition durch eine schwierige Notation in as-Moll gefordert war. Das Publikum dankte es der Hornistin mit rauschendem Applaus. Die Musikerinnen und Musiker der Bad Reichenhaller Philharmonie boten den Solisten das sichere Klanggebilde, das zu deren Erfolg unabdingbar war. Unter der feinfühligen, unaufgeregten, aber sehr engagierten Leitung ihres Dirigenten Christoph Adt zeigten sie Präsenz, Wachsamkeit, bestechendes Feingefühl und ansteckende Spielfreude.

Das Eröffnungskonzert war ein musikalischer Hochgenuss auf höchstem Niveau, der Lust auf mehr machte. Werner Bauregger